PCB-belastetes Grubenwasser von Haus Aden in der Lippe

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Haus Aden

Düsseldorf/Bergkamen - Das Landesumweltamt hat im Grubenwasser von älteren Zechen der RAG höhere PCB-Werte gemessen, als bisher von der Bergbehörde der Bezirksregierung ermittelt. In einer Grube in Bergkamen sei doppelt so viel PCB vorhanden wie erlaubt, in Bottrop sogar dreimal so viel.

Das berichtet der "Spiegel" in seiner Samstagsausgabe. Besonders hohe Werte fanden die Beamten des Landesumweltamts (LANUV) demnach im Grubenwasser von noch aktiven Bergwerken im Ruhrgebiet. So lagen die Werte in der Zeche Prosper Haniel, die ihr Grubenwasser in der Nähe von Bottrop in die Emscher einleitet, bei Proben, die Anfang März gezogen wurden "um das Dreifache höher als die Umweltqualitätsnorm". Auch in anderen Bergwerken, wie der Zeche Zollverein in Essen oder Haus Aden in Bergkamen, fanden die Prüfer PCB in dem Wasser, das aus mehreren Hundert Metern Tiefe hochgepumpt wird.

Im Februar 2014 hatte der Bergkamener Stadtrat in einer Resolution die Lückenlose Aufklärung des Gefahrenpotentials der Reststoffe verlangt, die auf dem Bergwerk Haus Aden/Monopol in den Jahren 1993 bis 1998 diese Reststoffe mit Zement vermischt und über den Schacht Grillo 4 in die Abbaubetriebe des Flözes Grimberg 2/3 gepresst wurden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schließt nach Medienangaben eine Klage gegen den Bergbaukonzern RAG nicht aus und fordert, dass das Grubenwasser vor Einleitung in Emscher und Lippe geklärt werden muss. In den alten Zechen stünden oft Tonnen mit altem Schmieröl. Steige das Grundwasser, löse sich darin giftiges, krebserregendes PCB auf.

Die neuen Messungen waren von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) angeordnet worden, nachdem der "Spiegel" im Januar berichtet hatte, dass in den Bergwerken mehr als 10.000 Tonnen PCB in Form von nicht ordnungsgemäß entsorgten Hydraulikölen lagern. Umweltexperten befürchten, dass die bevorstehende Flutung der Bergwerke, nach Auslaufen des Bergbaus Ende 2018, noch mehr PCB als heute an die Oberfläche spült. Die RAG hatte eine Gefahr bislang abgestritten.

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sei man "fassungslos" über den leichtfertigen Umgang mit dem Gift, heißt es, und plane, juristische Schritte einzuleiten. PCB, heißt es in einem dem "Spiegel" vorliegenden Entwurf einer Strafanzeige, gehören zum sogenannten Dreckigen Dutzend, einer besonders gefährlichen und weltweit verbotenen Gruppe von Chemikalien. Die nun zweifelsfrei nachgewiesene ungenehmigte Einleitung in Oberflächengewässer durch die RAG sei eine "schwere Straftat gegen Mensch und Umwelt" und müsse unterbunden werden.

PCB-belastetes Grubenwasser beschäftigt Landtag

Mit der umstrittenen Einleitung von PCB-haltigem Grubenwasser in Flüsse soll sich jetzt der NRW-Landtag beschäftigen. Die CDU will das Thema am Mittwoch im Umweltausschuss zur Sprache bringen, kündigte der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Deppe, am Wochenende an. - eB

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Quelle: wa.de

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