Auf die Hummel gekommen

Pascal Payerle ist Hubschrauberpilot bei der Polizei-Fliegerstaffel NRW

Dortmund - Wenn ein Polizist im Helikopter über einem Suchgebiet kreist und per Wärmebildkamera verfolgt, was sich am Boden tut, erwacht im Freund und Helfer der Jäger.

„Bei jedem Polizeibeamten ist ein gewisser Jagdinstinkt vorhanden“, sagt Einsatzpilot Pascal Payerle von der Fliegerstaffel NRW am Airport Dortmund. „Man möchte Leben retten und Täter fangen.“ Die schönsten Einsätze sind die, die ohne den Hubschrauber keinen Erfolg gehabt hätten. „Da ist dann eine gewisse Befriedigung dabei.“ 

Die Fliegerstaffeln anderer Bundesländer haben Raubvögel wie Sperber und Bussard als Rufzeichen, oder mit dem Phönix gar ein Fabelwesen. Die Hubschrauber aus NRW melden sich dagegen mit „Hummel“. Wieso, weiß Payerle auch nicht so recht. Der 37-jährige Polizeioberkommissar aus Iserlohn ist seit 2010 am Dortmunder Flughafen bei der Fliegerstaffel NRW. 

„Technisch gesehen dürften Hummeln ja gar nicht fliegen.“ Doch so unpassend scheint das Rufzeichen nicht angesichts des behäbigen Starts, den soeben eine Maschine hinlegt; es ist allerdings ein Übungsflug. 

Der Traum vom Fliegen

Schon lange vor der Ausbildung träumte Payerle vom Fliegen: „Es ist eine gewisse Magie, die Fliegerei mit sich bringt, ich sitze auch im Fernflieger immer wie ein kleines Kind am Fenster.“ Payerle arbeitete bis 2008 bei der Polizei in Hagen, wie auch seine Frau. „Pärchen auf einer Dienststelle sind aber nicht so gern gesehen“, sagt er. Die Stellenausschreibung der Fliegerstaffel bot eine günstige Gelegenheit zu wechseln. 

Auch, wer Polizeiflieger werden will, muss tief in die Fliegerei einsteigen und die Technik der Maschinen genauestens kennen. 

Bevor er die anderthalbjährige Ausbildung in Sankt Augustin antreten konnte, musste Payerle mehrere Tests bestehen und eine Prüfungskommission von sich überzeugen. Von über 40 Bewerbern setzten sich zwei durch. „Was mich überrascht hat, war, wie tief man in die Fliegerei einsteigen muss und wie viel Wert auf Sicherheit gelegt wird“, sagt Payerle. Die Piloten müssen die Technik der Maschinen genauestens kennen. Sie trainieren regelmäßig Notverfahren, um etwa bei einem Triebwerksausfall richtig zu reagieren. 

Neben zwei großen EC-155-Transportmaschinen – etwa für SEK-Einsätze – gibt es an den Standorten Dortmund und Düsseldorf insgesamt fünf Helikopter vom Typ BK-117, drei Tonnen schwer mit elf Metern Rotordurchmesser. Sie werden für die meisten Einsätze genutzt. Bei Demos wie kürzlich in Dortmund beobachte der Hubschrauber das Geschehen am Boden, sichere aber keine Beweise, erläutert Payerle. Nach Unfällen dagegen dienten die Luftaufnahmen zur Rekonstruktion des Hergangs. Kommt es zu Verfolgungsjagden, kann der BK-117 mit 120 Knoten – etwa 220 km/h – an fast jedem Auto dranbleiben. „Im Regelfall hat man mit dem Hubschrauber sehr gute Karten.“ 

Suche nach Vermissten und Fahndung

Am häufigsten wird die Fliegerstaffel zur Vermisstensuche und Fahndung angefordert. Ab und zu nimmt die Besatzung – zwei Piloten sowie ein Operator an der Wärmebildkamera – einen ortskundigen Beamten an Bord, vertraut aber sonst den eigenen Instinkten. „Hubschrauberpiloten sind keine Astronauten, wir haben alle mal im Streifenwagen gesessen. Wir überlegen auch, wo Leute sich verstecken, wo man gucken könnte.“ Per Wärmebild lässt sich ein Vermisster im Gebüsch neben der Straße, den die Kollegen am Boden nicht sehen können, ebenso aufspüren wie ein gerade abgestelltes Auto auf einem vollen Parkplatz. 

Auch die Männer, die sich nach einem nächtlichen Einbruch auf dem Dach eines Betriebshofs verstecken wollen, haben keine Chance. Auf Payerles Einsatzvideo zeichnen sie sich deutlich als Lichtgestalten ab. Sie geben auf, aber es dauert, bis die Polizisten am Boden sie vom Dach bugsiert haben. „Es hat so geschüttet“, erinnert sich Payerle. „Da war ich schon froh, im Hubschrauber zu sitzen, die Kollegen draußen taten mir ein bisschen leid.“

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Feuerwehrmann ist Flughafenimker am Airport Dortmund (16.06.16)

Harald Sadler aus Hamm ist oberster Tankwart am Flughafen (06.06.16)

Jörg Tölke ist Schichtleiter vom Bodenverkehrsdienst in Dortmund (28.05.16)

Arbeitsplatz Dortmund Airport: Eine echte Allround-Ausbildung (19.05.16)

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Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Johannes Opfermann

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