Remmel kontert Piraten: Kein Rütteln am Reinheitsgebot

Düsseldorf - An den Grundsätzen des deutschen Reinheitsgebotes wird nicht gerüttelt: Trotz veränderter Trinkgewohnheiten, nachlassendem Bierabsatz und vielfältigeren Getränkemischungen hält NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) eine Änderung der Brauvorschriften für „nicht geboten“.

Eine Modernisierung der Vorgabe, dass nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zur Herstellung des deutschen Kultgetränkes verwendet werden dürfen, lehnt er ab. Die Frage einer möglichen Veränderung hatte der Piraten-Abgeordnete Daniel Schwerd gestellt, der die Branche im Umbruch sieht. 

Die Zahl der Braustätten sei zwar in den vergangenen 20 Jahren um 21 auf 128 gestiegen, aber der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier sinke, hat der Pirat ausgemacht, dass weitere natürliche Zutaten, die höchsten lebensmittelrechtlichen Qualitätsanforderungen entsprächen, die Attraktivität der Erzeugnisse steigern könne. So genanntes „Craft-Beer“ könne problemlos aus dem Ausland eingeführt werden, wirbt Schwerd für Ausnahmen vom seit 1516 geltenden Reinheitsgebot. Remmel hält dagegen, dass aus den vier Grundstoffen eine „nahezu unerschöpfliche Geschmacksvielfalt“ entwickelt werden könne. 

Es gebe aber die Möglichkeit, „Besondere Biere“ zu produzieren, die das Landesverbraucherschutzamt (Lanuv) genehmigen muss. Eine Ausnahmeregelung sei 2011 für die Herstellung von zwei glutenfreien Bieren gestattet worden, bei denen Gerstenmalz durch Maissirup ersetzt wurde, so dass auch Menschen mit Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) zum Bier greifen können. In einem anderen Fall war Ingwersirup (Rohrzucker, Wasser, Ingwer) anstelle von Gerstenmalz eingesetzt worden, aber dies Getränk darf nicht als Bier vertrieben werden, weil der typische Geschmack nicht vorhanden sei. Das Produkt erinnere eher an einen kohlensäurehaltigen Fruchtwein. Sogar 95 Prozent der „Craft-Biere“, die handwerklich – häufig in kleinen Mengen – in Hausbrauereien erzeugt werden, seien gemäß des Reinheitsgebotes produziert worden.

 Remmel verweist auf Angaben des Statistischen Bundesamtes, demnach die Zahl der Braustätten in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um 71 auf 1352 gestiegen ist. „Vor allem die Anzahl der kleineren Brauereien mit bis zu 5000 Hektolitern Jahresproduktion nimmt zu“, verweist der Minister auf aktuell mehr als 5500 verschiedene Biere.

Quelle: wa.de

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