Anschlag auf Sikh-Tempel in Essen: Planungen über WhatsApp

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Der Anschlag auf den Sikh-Tempel in Essen ereignete sich im April.

Düsseldorf - Im Fall des Anschlags auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen hat das NRW-Innenministerium weitere Ermittlungsdetails bekannt gegeben.

Demnach haben die mutmaßlichen Bombenleger ihre Tat auch über eine WhatsApp-Gruppe geplant. Über die Chatgruppe der fünf Tatverdächtigen mit insgesamt rund ein Dutzend Mitgliedern seien auch "konspirative Anschlagsplanungen" erfolgt. Dies geht aus einem im Internet veröffentlichten Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) an den Landtags-Innenausschuss hervor, über den am Mittwoch mehrere Medien berichteten. Es seien noch nicht alle Mitglieder der Chatgruppe identifiziert worden. Der Ausschuss berät an diesem Donnerstag (30. Juni) über den Bericht. 

Bei dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus Mitte April waren drei Menschen verletzt worden. Ermittelt wird gegen fünf junge Männer im Alter von 16 bis 20 Jahren. Alle sitzen in Untersuchungshaft. "Die WhatsApp-Gruppe diente vorrangig der Absprache von Treffen und von konspirativem Verhalten sowie dem Austausch von Informationen und Propaganda zum radikalen Salafismus", heißt es in dem Bericht. Auch seien Diskussionen über Waffen geführt worden. Die Gruppe habe sich "Ansaar Al Khalifat Al Islamiyya" (Deutsch: "Unterstützer/Anhänger des Islamischen Kalifats") genannt. 

Administrator sei der 16-jährige Gelsenkirchener

Die Mitglieder hätten im Chat nicht unter ihren Echtnamen kommuniziert, sondern unter Decknamen, sogenannten "Kunya-Namen". Einer der beiden Hauptverdächtigen, ein 16-Jähriger aus Gelsenkirchen, sei der Administrator und selbst ernannte Anführer der Gruppe gewesen. Anfang Januar habe er alle Mitglieder auf die "gemeinsame Sache" eingeschworen. Was sich genau dahinter verbirgt, wird in dem Bericht nicht genannt. 

Heimlich das Handy der Mutter benutzt

Die Auswertung der Kommunikation ergab außerdem, dass der einzige Volljährige, ein 20-Jähriger aus Münster, "bisweilen Kritik an den anderen Mitgliedern äußerte und erzieherisch eingriff". Worum es dabei ging, teilte der Innenminister ebenfalls nicht mit. Einer der Tatverdächtigen habe zur Kommunikation heimlich das Mobiltelefon seiner Mutter benutzt. "Nach jeder Nutzung löschte er seine Kommunikationsdaten." Dieses Handy werde noch ausgewertet. - dpa/lnw

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Quelle: wa.de

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