Ältestes NRW-Gefängnis: Arg marode, aber nicht akut einsturzgefährdet

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Die 163 Jahre alte Justizvollzugsanstalt Münster ist sehr marode.

Düsseldorf/Münster  - Nordrhein-Westfalens ältestes Gefängnis, die 163 Jahre alte Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster, ist stark marode. Aus Sicht des Justizministeriums wird es aber nicht zum Schlimmsten kommen: "Akute Einsturzgefahr oder Gefahr für Leib und Leben bestehen auch nach jüngster Auskunft des Sachverständigen nicht."

Das steht in einem Bericht von Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) an den Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtags. Auf Antrag der CDU-Opposition muss der Minister dem Gremium an diesem Mittwoch bei einer auswärtigen Sitzung in Luxemburg ein Notfallkonzept vorlegen.

Ein sogenanntes plötzliches Druckversagen der Gewölbedecken des denkmalgeschützten Gemäuers sei nicht auszuschließen, räumte Kutschaty ein. Um Veränderungen der Risse und Auswirkungen auf die Konstruktion verfolgen zu können, seien Überwachungssensoren angebracht worden. Daher blieben im Fall einer notwendigen Räumung mindestens 24 Stunden Vorlauf, um die Häftlinge zu verteilen.

Dabei kämen, je nach tagesaktuell verfügbaren Kapazitäten, verschiedene Optionen in Betracht: zunächst Verlegung in nicht betroffene Anstaltsbereiche und anschließend Transport in andere JVA. Dabei könnten auch aufgegebene Zweiganstalten in Krefeld, Mönchengladbach und Coesfeld kurzfristig reaktiviert werden. Zulässig seien auch Notgemeinschaften in Hafträumen. Die JVA Münster, die 1853 als "Isolir-Strafanstalt" an den Start ging, hat insgesamt rund 600 Haftplätze.

Schon seit 2009 wurde sie wiederholt von Statikern auf ihre Standsicherheit überprüft. "Die Untersuchungen ergaben, dass der überwiegende Teil der Gebäude - darunter drei der vier Hafthäuser - auf Dauer nicht zu erhalten sind", bilanziert Kutschaty. Daher sei bereits 2012 die Entscheidung für einen Neubau gefallen. Allerdings dauerten die Sondierungsverhandlungen über geeignete Bauflächen noch an.

Der Bericht des Ministers über den fortschreitenden Verfall des Methusalem-Knasts: Vor zwei Jahren seien fortschreitende statische Mängel festgestellt und die Überprüfungsabstände daraufhin verkürzt worden. Vor einem Jahr sei dem Gebäude dann erstmals eine nur noch eingeschränkte - aber weiterhin zulässige - Standsicherheit bescheinigt worden. Risse ziehen sich vor allem durch die Gewölbedecken der Hafträume, der Flure und der Zentralkuppel.

Der Justizminister ist aber nicht alarmiert: "Der Sachverständige hält es für unwahrscheinlich, das ein kritischer Zustand in mehreren Gebäudeteilen gleichzeitig eintritt." Die Ergebnisse des "Riss-Monitorings" seien unauffällig.

Quelle: wa.de

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