Metall-Tarifparteien starten Einigungsversuch in NRW

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Nach massiven Warnstreiks im Metalltarifstreit startet ein neuer Einigungsversuch in Nordrhein-Westfalen.

Neuss/Berlin - Nach massiven Warnstreiks im Metalltarifstreit startet ein neuer Einigungsversuch in Nordrhein-Westfalen. Am Montagnachmittag treffen sich Arbeitgeber und IG Metall in Neuss - bundesweit zum ersten Mal, seit Ende April in sämtlichen Tarifgebieten die jeweils dritte Verhandlungsrunde ergebnislos beendet worden war. Begleitet werden die Gespräche von neuen Warnstreiks.

Die IG Metall ist bislang mit der Forderung nach 5 Prozent mehr Geld am Start. Die Arbeitgeber haben Entgelterhöhungen in zwei Stufen angeboten, die sich in 24 Monaten auf 2,1 Prozent summieren - zusätzlich soll es eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent geben. Bundesweit geht es um mehr Geld für 3,8 Millionen Beschäftigte. 

Zwar wollen beide Seiten eine Einigung bis Pfingsten schaffen. Für einen ganz schnellen Kompromiss liegen beide Seiten aber noch zu weit auseinander. Sowohl der Arbeitgeberverband Gesamtmetall, als auch die IG Metall haben deshalb die Erwartungen gedämpft, dass schon am Montag ein Durchbruch gelingen kann. 

"Ein Durchbruch am Montag ist nicht wahrscheinlich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Gesamtmetall, Oliver Zander, am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Es müsse erkennbar sein, dass alle Beteiligten auf eine Einigung hinarbeiteten. "Das setzt Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten voraus."

Auch der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann rechnet angesichts der noch weit auseinander liegenden Positionen nicht mit einer schnellen Einigung. "Ob es bis Ende der Woche zu einem Abschluss kommen kann, steht in den Sternen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Die Gewerkschaft habe zwar Signale bekommen, dass es Bewegung im Arbeitgeberlager gebe. Nun werde man "am Montag in Nordrhein-Westfalen schauen, was das konkret bedeutet". 

Seit Ende April hat die IG Metall mehrere hundert Betriebe mit Warnstreiks überzogen, die auch am Montag fortgesetzt werden sollen. "Wir sind darauf vorbereitet, auch längere Zeit in den Betrieben Druck zu machen", sagte Hofmann. Die Gewerkschaft strebe zwar ein Ergebnis noch vor Pfingsten an, "aber ein Muss ist das nicht". Der Vorstand der Gewerkschaft will am Dienstag das weitere Vorgehen beraten. Auch in anderen Tarifgebieten sind bereits vierte Runden vereinbart. Im Dauer-Pilotbezirk Baden-Württemberg soll am Mittwoch gesprochen werden - möglicherweise über Fortschritte aus Neuss. 

Unter bestimmten Umständen sollen wirtschaftlich schwache Unternehmen auch von dem Abschluss abweichen können, verlangen die Arbeitgeber. Der Stuttgarter Bezirksleiter der IG Metall, Roman Zitzelsberger signalisierte in diesem Punkt Entgegenkommen. "Wenn klar ist, dass die Tarifvertragsparteien die Abweichung für die einzelnen Betriebe festlegen, will ich eine Lösung auf dieser Grundlage nicht ausschließen", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". - dpa

"Pilotbezirk" in der Metall- und Elektroindustrie 

Die Tarifverhandlungen für rund 3,8 Millionen Beschäftigte in der deutschen Metall- und Elektroindustrie laufen zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall nach einem festen Fahrplan. Die Gewerkschaft zieht nach umfangreichen Beratungen in den Bezirken und im Bundesvorstand mit einer Forderung in regionale Verhandlungen. Welches Gebiet am Ende als "Pilotbezirk" den Abschluss aushandelt, steht nicht von vornherein fest. In vielen Fällen übernahm Baden-Württemberg im Verlauf des Konflikts diese Vorreiterrolle. Nach einer Übersicht von Gesamtmetall wurden dort 9 der 16 seit 1991 getätigten Abschlüsse ausgehandelt. In Nordrhein-Westfalen gelang dreimal, in Niedersachsen und Bayern jeweils zweimal eine Einigung, die dann von den anderen Tarifgebieten übernommen wurde.

Quelle: wa.de

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