Merkel in Marxloh: Die Kanzlerin besucht Duisburgs Problemviertel

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Kanzlerin Angela Merkel kommt nach Duisburg-Marxloh.

Duisburg - Straßenkriminalität, Widerstand gegen die Polizei, verwahrloste Familien: In der Öffentlichkeit gibt der Duisburger Stadtteil Marxloh keine gute Figur ab. Nun will sich Regierungschefin Merkel selbst ein Bild vor Ort machen. Ein Blick auf den Kanzlertag.

In der vergangenen Woche ein Termin bei der Staatspräsidentin von Brasilien, am Montag Gespräche mit dem französischen Präsidenten in Berlin zur Ukraine-Krise - und am Dienstag ein Treffen mit den Bürgern von Duisburg-Marxloh.

Im prall gefüllten Reisekalender von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht die große Weltpolitik direkt neben den lokalen Krisenherden in Deutschland. Das Duisburger Problemviertel Marxloh ist kein einfaches Pflaster. Zuletzt sorgten Berichte von kriminellen Straßenbanden, Gewalt gegen Polizisten und deren Furcht vor einer "No-Go-Area" ohne Polizeikontrolle für Schlagzeilen.

In ihrem Video-Podcast sprach Merkel unlängst die schwierige Situation an: Wenn sich Menschen nicht mehr sicher fühlten, dann "könne man auch nicht gut leben in Deutschland. Denn "gut leben" heißt aus meiner Sicht auch Angstfreiheit", sagte die Kanzlerin.

Ihr Besuch - es ist der dritte Bürgerdialog in der Reihe "Gut Leben in Deutschland" - sei jedoch keine politische Ad-hoc-Reaktion. Er stünde bereits seit längerer Zeit fest, erklärte das Bundespresseamt (BPA).

Schafft Merkel, was Lokalpolitiker nicht schaffen?

Eine Bürgerinitative freut sich zwar über die mediale Aufmerksamkeit, die der hohe Besuch mit sich bringt. Mit konkreter Hilfe aus Berlin rechnet die "Interessengemeinschaft Kreuzeskirchviertel" jedoch nicht.

"Was die lokalen Politiker nicht vermögen, mag auch Frau Doktor Merkel nicht zu schaffen", sagt deren Sprecher, Martin Stockbauer. Am Mittag soll Merkel aus Berlin am Düsseldorfer Flughafen landen. Danach wird sie direkt zum Treffpunkt gebracht - dem Hotel "Montan".

Tags zuvor wurde das 41-Betten-Haus - in einer Seitenstraße gelegen, umgeben von alten Bäumen - für den hohen Besuch herausgeputzt. In dem Gästehaus mit eierschalfarbenem Anstrich wartet auf die Kanzlerin "Gelsenkirchener Barock" in uriger Kneipenatmosphäre. Es gibt einen kleinen Veranstaltungssaal und ausgebaute Etagen für Fremdenzimmer.

Zweistündige Diskussion mit Bürgern

Das Hotel wirbt unter anderem für sein "rustikales Restaurant" und eine "gutbürgerliche Speisekarte". Nach ihrem Eintreffen um 13.00 Uhr sind für die Regierungschefin zunächst die üblichen Höflichkeitsgesten angesagt: Hände schütteln, "Hallo" sagen, ein Begrüßungsfoto.

Für rund zwei Stunden wird sich Merkel anschließend mit 50 bis 60 Menschen für eine Diskussion zurückziehen. Anwohner, Vertreter der Stadt aber auch Beteiligte von Bürgerinitiativen sind dazu eingeladen. In dem moderierten Gespräch will sie sich mit den Bürgern über deren Erfahrungen, Ansichten und Probleme und sowie über den Strukturwandel in Duisburg austauschen.

Wegen der begrenzten Zeit werden die Beteiligten in einem Workshop am Morgen vor dem Treffen ihre drängendsten Probleme herausarbeiten. Die Fragen an die Regierungschefin würden jedoch nicht vorsortiert, versicherte das BPA. Ein Spaziergang durch das Viertel sei nicht vorgesehen.

Kein Spaziergang durch das Viertel vorgesehen

Nach einem Schlusswort macht sich die Kanzlerin wieder auf den Weg in die Hauptstadt. Am nächsten Tag steht in Merkels Terminkalender ein Treffen mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) auf dem Programm. Sachsen, Heidenau - das nächste Krisengespräch wartet dann wohl auf die Kanzlerin. Bei nächtlichen Krawallen von Rechtsextremisten und Rassisten waren in der sächsischen Stadt seit Freitag mehr als 30 Polizisten verletzt worden. - dpa

Quelle: wa.de

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