Medikamententests an Kindern in fünf NRW-Einrichtungen

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Düsseldorf - Bei den jüngst aufgedeckten Medikamenten-Tests an Kindern in Deutschland sollen zwischen 1957 und 1972 auch fünf Einrichtungen in NRW beteiligt gewesen sein. Das berichtete Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) am Mittwoch im Landtag.

Die Ministerin zitierte aus einer Studie der Arzneimittelforscherin Sylvia Wagner und kündigte umfassende Aufklärung an. Man habe noch wenig Informationen, was genau wo und in welchem Umfang und mit welchem Ziel getestet worden sei. Es müsse auch geklärt werden, was rechtlich zulässig oder unzulässig war, betonte die Grünen-Politikerin. Arzneimittelrecht oder eine Ethikkommission habe es damals noch nicht gegeben.

Mit Blick auf die Betroffenen - bisher sei niemand namentlich bekannt - nannte Steffens das damalige Handeln aber "weit "grenzüberschreitend". Die Frage nach einer Entschädigung sei zu prüfen. Alle Fraktionen zeigten sich erschüttert, sprachen von "Missbrauch von Kindern", Körperverletzung oder "illegalem Handeln". Wiedergutmachung und Entschädigung seien nötig, wobei auch die beteiligten Pharmakonzerne ihren Anteil leisten sollten. Expertin Wagner hatte - so berichteten das ARD-Magazin "Fakt" und WDR - Belege für bundesweit etwa 50 Versuchsreihen gefunden.

Die Vorwürfe sollen in NRW die Bodelschwinghschen-Anstalten Bethel in Bielefeld betreffen. Zudem soll im Essener Kinderheim Franz Sales Haus 1957/58 ein Neuroleptikum getestet worden sein. Studien soll es auch 1966 im Düsseldorfer Heim Neu-Düsselthal, 1972 in einer Klinik für Jugendpsychiatrie in Viersen und in einem Waisenhaus gegeben haben. Steffens nannte diese Fälle aus der Wagner-Studie, die Regierung habe dazu aber noch keine eigenen Erkenntnisse. - dpa

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Quelle: wa.de

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