Von Nümbrecht nach Stewwert: Die Odyssee von Kater Sid

+
Kater Sid hat sich in Drensteinfurt wohlgefühlt. Zwischendurch hörte er auf den Namen Gandalf.

Drensteinfurt - Neun Wochen schien der fünfjährige Kater Sid aus der Nähe von Gummersbach verloren. Dann tauchte er auf – und zwar im knapp 150 Kilometer entfernten Drensteinfurt. Sabrina Lenz hat den stattlichen Maine-Coon-Kater vor einigen Tagen in ihrem Vorgarten in der Neißestraße gefunden.

Dank ihrer schnellen Initiative fand sie die Besitzerin; welche lange Odyssee er da schon hinter sich hatte, stellte sich jedoch erst später heraus. Sabrina Lenz’ Sohn Levin hatte den Kater mit dem langen grauen Fell bereits einige Tage zuvor beobachtet, er streunerte offenbar alleine herum und verhielt sich den Kindern gegenüber zutraulich. 

Als die Drensteinfurterin die Tür öffnete, stolzierte der Stubentiger ins Haus – zu seinem Glück waren die beiden Schäferhunde Keks und Brenda gerade mit Herrchen Andre unterwegs. Die Tierfreundin fotografierte den Kater und postete dieses Bild in der Drensteinfurter Facebook-Gruppe. 

Das Tier war gechipt

Noch am gleichen Nachmittag ließ sie die Fundkatze bei einem Tierarzt auf einen möglichen Identifizierungschip untersuchen. Treffer: Das Tier war gechipt. Bei Tasso, einem Unternehmen, das sich Tierschutz, Registrierung und Rückvermittlung entlaufener Tiere auf die Fahne geschrieben hat und bei dem bereits 7,8 Millionen Haustiere registriert sind, wurde Sabrina Lenz mit der gescannten Chip-Nummer fündig. 

Was sie dort erfuhr, ließ sie staunen: Die Besitzerin hatte das Tier bereits am 21. September als entlaufen gemeldet – nämlich im rund 150 Kilometer entfernten Nümbrecht bei Gummersbach. Tasso setzte die Besitzerin in Kenntnis, die sofort bei der Drensteinfurterin durchklingelte. 

Noch am selben Abend holte das Ehepaar den Kater aus Stewwert ab, zum Leidwesen der Kinder Levin (8) und Aleyna (5), die den samtigen Kater gerne behalten hätten. An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein, wäre da nicht Renate Austermann, die einen Tag später bei Facebook in Sid ihren Kater Gandalf vermutete. 

Sid oder Gandalf?

Sabrina Lenz suchte den Kontakt zu Austermann und erfuhr, dass der Kater bereits einige Wochen lang bei der Drensteinfurterin untergekommen und am Donnerstag nicht nach Hause gekommen war. Neun Wochen zuvor war er auf dem Bauernhof der Familie Ulf Waltenrath bei Ascheberg aufgetaucht. 

Die Familie erkannte, dass es sich um eine Rassekatze handelte, und erkundigte sich, ob eine solche als vermisst gemeldet war. Niemand meldete sich. Die Finder nannten den Kater „Gandalf“, der alsbald den Hof eroberte, Hühner jagte und sich mit der hofeigenen Katze stritt. Bleiben konnte er unter den Umständen nicht, so blieb nur das Tierheim oder die private Vermittlung. 

Vier Wochen später zog Gandalf bei der befreundeten Familie Austermann in den Görlitzer Weg in Stewwert ein. „Er hat sich bei uns gleich wohl gefühlt, war total lieb und zutraulich“, berichtete Renate Austermann. Er ging bei ihr ein und aus, bis er am vergangenen Donnerstag nicht nach Hause kam und von Familie Lenz aufgenommen wurde, die schließlich das Haustierregister Tasso informierte.

Besitzerin war zunächst sprachlos 

Sabrina Lenz bot dem Kater eine Herberge und ging mit ihm zum Tierarzt. Mithilfe des Tasso-Registers stellte sich heraus, dass der Maine-Coon-Kater in der Nähe von Gummersbach vermisst wurde.

So erfuhren die ursprünglichen Besitzer vom Aufenthaltsort ihres Katers. Als Elke Hofmann den Anruf erhielt, sei sie erst einmal sprachlos gewesen, habe eine Gänsehaut bekommen. Sie bat ihren Mann, eher Feierabend zu machen, um den Kater aus Drensteinfurt abzuholen. Bekommen hatte sie Sid als ganz kleines Kätzchen. 

Damals, so erinnert sie sich, habe er immer bei ihrem alten Schäferhund gelegen, ja sogar an seinen Zitzen gesaugt. Es sei eine innige Freundschaft gewesen. Eben dieser Schäferhund ist in der Abwesenheit des Katers gestorben und hat bereits einen Nachfolger bekommen. 

„Als wir in die Straße einbogen, wurde Sid plötzlich hellwach und begann zu maunzen. Im Haus nahm er sofort seinen alten Kratzbaum in Beschlag. Sein alter Freund habe ihm gefehlt und an den neuen Welpen musste er sich zunächst gewöhnen. Mittlerweile seien beide schon Freunde geworden. 

Wie Sid nach Ascheberg kam, kann sich niemand erklären. Am ehesten liegt die Vermutung nahe, dass ihn jemand mitgenommen hat. „Wir wohnen an einem gut frequentierten Wanderweg“, so Elke Hofmann. Paket- oder Möbelwagen, in die die Katze gestiegen sein könnte, schließt sie aus. Auch dass er von alleine nach Ascheberg kam, glaubt eigentlich niemand, vor allen Dingen da Sid schon lange kastriert ist und als Freigänger selten länger als zwei Stunden weg war. 

Das Ende einer abenteuerlichen Reise

Vermutlich wird Hofmann wohl nie erfahren, was genau passiert ist. Wichtig sei ihr nun aber nur, dass sie ihren schnurrenden Liebling, den sie bereits mit Plakaten und Internetaufruf gesucht hat, wohlbehalten wieder hat. 

Bloß mit ein paar Narben mehr als vorher, denn unterwegs, so glaubt sie, hat der rauflustige Kerl wohl öfter mit anderen Katzen gekämpft. Etliche Kratzer besonders am Halsbereich zeugen von der abenteuerlichen Reise, die er hinter sich hat.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare