Loveparade-Tragödie: Möglicher Strafprozess nach wie vor ungewiss

+
Der Kläger Ralf S. wartet in Duisburg auf den Beginn der Verhandlung. Mehr als fünf Jahre nach seinem Einsatz bei der Loveparade-Tragödie in Duisburg ist er mit seiner Klage auf Entschädigung gescheitert. Der 53 Jahre alte Feuerwehrmann erlitt nach eigenen Worten bei dem Einsatz eine posttraumatische Belastungsstörung.

Duisburg - Zwar kommt in die zivilrechtliche Aufarbeitung der Loveparade-Tragödie Bewegung - das strafrechtliche Verfahren steckt dagegen nach wie vor fest. Mehr als fünf Jahre nach der Tragödie ist unklar, ob es überhaupt eine Hauptverhandlung geben wird.

Mehr als fünf Jahre nach der tödlichen Loveparade-Katastrophe in Duisburg ist die juristische Aufarbeitung am Montag ein Schrittchen weitergekommen. Allerdings nur auf der zivilrechtlichen Schiene - das strafrechtliche Verfahren mit seinen Fragen nach einer möglichen Schuld zieht sich nach wie vor hin.

Die mehr als 800 Aktenordner zum Fall "35 KLs 5/14" füllen ganze Regale, im Landgericht wurden zwei Extra-Räume eingerichtet. Erst Jahre nach dem Unglück - im Februar 2014 - hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben.

Der Vorwurf: Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Polizisten sind nicht unter den Beschuldigten, allerdings war gegen den Einsatzleiter ermittelt worden. Seitdem prüfen die Richter, ob sie die Anklage zulassen. Dreh- und Angelpunkt ist ein Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still. Der Wissenschaftler geht in seiner Studie davon aus, dass die Wege zum und vom Veranstaltungsgelände wegen Planungsfehlern dem Besucherstrom nicht mehr hätten standhalten können.

Zu einer ersten Fassung der Expertise hatten die Richter noch mehr als 70 Fragen. Seit Juni liegt nun die nachgebesserte Version vor. Das Landgericht rechnet zumindest für dieses Jahr nicht mehr mit dem Beginn einer Hauptverhandlung. Nachdem ein 53 Jahre alter Feuerwehrmann am Montag mit seiner Klage auf Entschädigung am Landgericht Duisburg scheiterte, geht es Mitte November mit weiteren Zivilverfahren weiter.

Die Klägerinnen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren aus Duisburg, Ratingen und Kevelaer verlangen Schadensersatz und Schmerzensgeld zwischen 34 000 und 100 000 Euro vom Veranstalter, vom Land und von der Stadt.

Drei der Frauen waren nach eigenen Angaben als Besucherinnen bei dem Raverfest, wie das Gericht mitteilte. Eine vierte habe laut Klageschrift nur versucht, auf das Gelände zu gelangen. Sie habe demnach später von dem tragischen Geschehen erfahren und sei an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt.

Hinter den Kulissen haben sich zivile Kläger schon in mehreren Fällen außergerichtlich mit den Beklagten geeinigt. Manche Anträge verliefen auch im Sande, etwa weil die Kläger bei Gericht keine Begründungen einreichten. Von den zuletzt zehn Prozesskostenhilfeverfahren sind inzwischen vier Anträge abgelehnt worden, da die Richter keine Aussicht auf Erfolg sahen. In den Fällen zweier Frauen aus Duisburg beispielsweise fehlten dem Gericht ausreichende Begründungen. In ihrer Klage hätten die Besucherinnen ihre Leiden nicht detailliert genug beschrieben. Beide seien bereits vor der Loveparade-Katastrophe psychisch erkrankt - daher sei es wichtig herauszufinden, welche gesundheitlichen Probleme konkret auf die Erlebnisse bei der Loveparade zurückgehen. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare