Galerie in Hagen fühlt sich „verarscht“

Krach um einen Haufen Knete

Der Berliner Künstler Reiner Maria Matysik stellt derzeit eine Bodenplastik aus Knete in der Hagenring-Galerie aus. Während sich der Galerieleiter und andere Hagener „verarscht“ fühlen, kann der Matysik die Aufregung nicht verstehen.  Foto: Stubbe

Hagen-Eilpe - Im Grunde, so sagt Uwe Will, warte er immer noch darauf, dass Guido Cantz um die Ecke komme, dass man einander um den Hals falle und zusammen herzlich lache. Vom Moderator der Fernseh-Show „Verstehen Sie Spaß?“ fehlt aber seit der Eröffnung der Ausstellung „Les fleures sont mal“ noch jede Spur.

Und so steht der Künstler und Ausstellungsleiter der Hagenring Galerie einigermaßen ratlos im Raum in der Eilper Wippermann-Passage. Er blickt nicht – wie der französische Titel es nahelegen würde – auf verwelkte Blumen, sondern auf einen Haufen Kinder-Knete.

Das Werk muss man sich in etwa so vorstellen, als seien ein Schlumpf und eine Quietscheente mit Überschallgeschwindigkeit frontal zusammengestoßen. Herausgekommen ist dabei ein gelb-bläulicher Haufen aus Kinder-Knete, der nun ein wenig verloren im Galerieraum steht. Was Uwe Will zu der Aussage verleitet: „Über Kunst kann man immer streiten. Aber da fühle ich mich verarscht.“

Die Schau des Berliner Künstlers Reiner Maria Matysik ist Teil einer Kooperation mit dem Brühler Kunstverein. Und die funktioniert so: Wechselseitig schlagen sich die Hagener und die Rheinländer jeweils drei Künstler vor, die zuvor in der eigenen Galerie ausgestellt haben. Aus diesem Trio wählt eine Jury des jeweils anderen Vereins einen Künstler aus, der dann dort ausstellen darf.

Mit drei Pappkartons aus Berlin angereist

Die Hagener wählten aus den Brühler Vorschlägen Matysik. „In seiner Bewerbung haben wir völlig andere Dinge gesehen“, sagt Will, „sonst hätten wir nie unsere Zustimmung gegeben.“ Weil Matysik aus Berlin stamme, habe er nicht, wie sonst üblich, unter der Woche, sondern erst am Samstag anreisen wollen, so Uwe Will weiter. „Ich habe mich am Samstagabend mit ihm an der Galerie getroffen. Da stand er schon mit drei Pappkartons“, so Will, „da habe ich noch angeboten, dass ich ihm helfen könne. Er hat aber nur gesagt, dass das nicht nötig sei. Er wollte noch was essen und dann loslegen.“

Auch als Uwe Will am Sonntagmorgen kurz vor der Eröffnung an der Galerie erscheint, glaubt er noch an das Gute. „Ich habe noch gedacht, dass Matysik die Besucher der Vernissage vielleicht in das Installieren seiner Werke einbeziehen will“, sagt Will.

Weit gefehlt: Denn außer einer einzigen Bodenplastik gibt es nichts aufzustellen. „Ich bin ja wirklich tolerant“, sagt Uwe Will, „aber das geht eindeutig zu weit.“ Die Eröffnung endet in einer kontroversen Diskussion um das eigenwillige Werk. „Zum Glück waren nicht so viele Besucher gekommen. Einige sind früher gegangen.“

Aus dem Eklat zieht der Hagenring jetzt die Konsequenzen: Die Galerie bleibt einen Monat geschlossen. „Wir werden niemanden unter unseren Ehrenamtlichen finden, der bereit ist, den Raum zu öffnen und Besuchern das Werk zu erklären“, so Will. „Außerdem kann man die Skulptur ja auch durchs Fenster betrachten.“

Auch die Auslagen für Plakate und den Katalog in Höhe von 2000 Euro will sich der Kunstverein beim Künstler zurückholen. „Er ist vertragsbrüchig geworden“, so Will. „Und 1000 Euro für so einen Katalog, der lieblos zusammengetackert worden ist, sind ein Witz.“ 15 Euro sollte das graue Heftchen in DIN-A-5-Format mit Skizzen und handschriftlichen Hinweisen des Künstlers kosten. Nicht ein einziges, so Will, sei verkauft worden.

Matysik versteht die Aufregung nicht

Städtische Künstler wie der Hagener Bildhauer Karl-Friedrich Fritzsche sind empört: „Er denkt wohl, den doofen Leuten in der Provinz könnte er so etwas ruhig vorsetzen. Soviel Arroganz habe ich noch nicht erlebt.“

Matysik kann die ganze Aufregung nicht verstehen: „Wenn sich der Hagenring mit meinen bisherigen Ausstellungen und Werken befasst hätte, dann wüsste man: Ich habe nichts gemacht, was untypisch für mich wäre. Dass man jetzt so reagiert, halte ich für eine Zumutung gegenüber dem Künstler.“ Auch von einer Provokation könne keine Rede sein.

Quelle: wa.de

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