Nach viertem "Runden Tisch" im NRW-Schulministerium ist klar:

Konflikt über "Turbo-Abitur" wird vor Landtagswahl nicht gelöst

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Schüler und Erwachsenen demonstrieren vor dem Schulministerium in Düsseldorf.

Düsseldorf - Das Turbo-Abitur wird im Wahlkampf ein Aufreger-Thema bleiben in NRW. Schulministerin Löhrmann machte jetzt klar: Eine grundsätzliche Änderung wird vor der Landtagswahl nicht mehr eingeleitet.

Die Entscheidung über das Turbo-Abitur in Nordrhein-Westfalen bleibt offen. Knapp sieben Monate vor der Landtagswahl will die rot-grüne Landesregierung keine neuen Weichen für das Abitur nach acht oder neun Jahren Gymnasium stellen. 

"Es ist nicht sinnvoll, dass der jetzige Landtag in dieser Legislaturperiode darüber noch eine Entscheidung trifft", sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann am Dienstagabend in Düsseldorf.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne/Bündnis 90) hatte zum vierten Mal zu einem "Runden Tisch" mit Schulakteuren aus allen gesellschaftlichen Bereichen eingeladen, um über das sogenannte "Turbo-Abi" zu sprechen.

Die Grünen-Politikerin hatte Akteure aus Verbänden, Parteien und Initiativen zum vierten Mal seit 2014 an einen Runden Tisch zur Schulzeitverkürzung geladen, um über die Zukunft des umstrittenen "Turbo-Abiturs" zu diskutieren. Rund 50 Gäste nahmen teil. CDU und Piraten boykottierten die Veranstaltung. 

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Die Bürgerinitiative "G-ib-8" gegen das achtjährige Gymnasium warf Löhrmann vor, eine klare Entscheidung aus wahltaktischen Gründen zu vermeiden. "Die Regierung taucht ab", sagte die Sprecherin der Initiative, Anja Nostadt. Ihr Eindruck nach der dreistündigen Konferenz: "Es gibt eine eindeutige Tendenz weg von G8". 

Gesetzgebungsverfahren dauert rund sechs Monate

Darüber sei aber in der Runde nicht abgestimmt oder entschieden worden, stellte Löhrmann klar. "Natürlich nicht." Den meisten sei klar gewesen, dass eine mögliche Entscheidung gründlich vorbereitet werden müsse. Immerhin würde ein Gesetzgebungsverfahren rund sechs Monate dauern. Viele Einzelfragen seien zu klären, erklärte die Ministerin. 

Etwa: Welches Stundenvolumen ist gewollt? Soll die zweite Fremdsprache weiter in der 6. oder künftig lieber in der 7. Klasse beginnen und welche Auswirkungen hätten Änderungen am Gymnasium auf Schulträger und andere Schulformen? 

CDU kündigt eigenes Konzept an

Die Unzufriedenheit mit dem "Turbo-Abitur" ist in den vergangenen Jahren bei Schülern, Eltern und Lehrern gewachsen. Ende 2015 hatten sich die Teilnehmer an Löhrmanns drittem "Rundem Tisch" noch mehrheitlich auf Entlastungen der Schüler im "Turbo-Abitur" geeinigt. 

Jetzt fordert die Landeselternschaft der Gymnasien die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9). CDU-Fraktionschef Armin Laschet kündigte im WDR-Fernsehen für Ende des Monats ein eigenes Konzept der CDU an. Die größte Oppositionsfraktion nahm nicht am Runden Tisch teil, weil sie kein diskussionswürdiges Konzept der Landesregierung sah. 

Staatliche Vorgabe statt Schulentscheidung

Für die Piraten kommt nur eine konsequente Rückkehr zu G9 infrage. Die FDP möchte die Schulen wählen lassen. Das Treffen habe aber gezeigt, dass viele eine staatliche Leitentscheidung über ein Grundsystem an den Gymnasien erwarteten statt jede Schule entscheiden zu lassen, ob sie G8 oder G9 wolle, sagte Löhrmann. 

Die Ministerin hatte im vergangenen Monat selbst flexiblere Lernzeiten für Schüler in allen Schulformen vorgeschlagen. Die SPD möchte zurück zu sechs Jahren Schulzeit in der Sekundarstufe I. Dies würden auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Verband Bildung und Erziehung begrüßen. 

Andere hätten hingegen die Meinung vertreten, dass an drei Jahren Oberstufe festgehalten werden sollte, sagte Löhrmann. Die Schulzeitverkürzung von neun auf acht Jahre Gymnasium hatten 2005 alle Landtagsparteien im Prinzip befürwortet. Die rot-grüne Koalition musste allerdings ein zuvor unter schwarz-gelber Regierung beschlossenes Modell umsetzen, das den Unterricht in der Sekundarstufe I verdichtete. SPD und Grüne wollten eigentlich die Schulzeit in der Oberstufe verkürzen. - dpa

Quelle: wa.de

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