Waldzustandsberichts 2016 vorgelegt

Klimawandel ist Stress für Bäume in NRW: Buchen stark betroffen

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Münster - Hitzeperioden und viel Regen. Der Klimawandel schwächt viele Bäume in NRW. Schädlinge haben leichtes Spiel. Vor allem der Buche geht es schlecht. Bei der Esche wird sogar ein Aussterben befürchtet. 

Der Klimawandel macht dem Wald in Nordrhein-Westfalen sichtbar zu schaffen. Der Anteil stark geschädigter Bäume ist nach kurzer Erholung im Vorjahr wieder gewachsen, teilte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) bei der Vorlage des Waldzustandsberichts 2016 am Freitag in Münster mit. 

Längere Trocken- und Starkregenphasen bedeuten für viele der Nadel- und Laubbäume Stress. Waren 2015 im Schnitt 26 Prozent aller Bäume stark geschädigt, sind es dieses Jahr 29 Prozent. Im guten Zustand sind unverändert 28 Prozent der Bäume. 

Remmel erinnerte an den trockenen und sehr heißen September und den Starkregen im Frühjahr. "Damit sind die Wälder auch stärker der Gefahr von Schädlingen ausgesetzt." Mit einem Aufzuchtprogramm wolle die Landesregierung das Aussterben der Esche in den hiesigen Wäldern verhindern, die von einer europaweit grassierenden Pilzerkrankung bedroht sei. 

"Wenn wir hier nicht gegensteuern, wird die Esche aus unseren Wäldern endgültig verschwinden." Deshalb soll Samen gesunder Eschen gesammelt und in Samenplantagen gezielt gezüchtet werden. 

Auch die Buche bereitet dem Landesbetrieb Wald und Forst Sorgen. Jede zweite Buche weise deutliche Schäden auf, im Vorjahr war das nur bei jeder vierten Buche sichtbar. Buchen steckten ihre Kraft häufiger in Früchte. Dadurch würden weniger Blätter nachwachsen. "In früheren Jahren hatten wir alle sieben Jahre eine Fruchtbildung, jetzt haben wir das nach 2013 erneut beobachtet", sagte Betriebsleiter Andreas Wiebe. 

Buchen produzierten vermutlich als Reaktion auf den Stress durch den Klimawandel mehr Samen, um das Leben der Art zu sichern. Eichen und Kiefern geht es in der Gesamtheit besser. Bei den Eichen sank der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden von 40 auf 29, bei den Kiefern von 16 auf 13 Prozent. Bei beiden Arten stieg der Anteil gesunder Bäume stark an: Bei der Eiche von 19 auf 30, bei der Kiefer von 16 auf 22 Prozent. 

Kaum Veränderungen gab es bei der Fichte. Der Landesbetrieb Wald und Holz will auf den Klimawandel mit Vielfalt reagieren. "Wir brauchen eine größere Durchmischung von kleineren und größeren Bäumen und auch mehr Sorten", sagt Wiebe und vergleicht die Taktik mit der Risikostreuung beim Aktienkauf. Wichtig sei, auch das anzunehmen, was die Natur anbiete. "Früher ist die Birke als Unkraut aus dem Wald entfernt worden. Das machen wir nicht mehr, genauso wie es Sinn macht, auch mal totes Holz stehen zu lassen", erläuterte er. 

Die erste Waldzustandserhebung 1984 war Reaktion auf das Waldsterben. In den ersten 20 Jahren nahmen die Schäden in jedem Jahr zu und pendelten sich dann auf hohem Niveau ein. 2015 gab es erstmals wieder verbesserte Werte. In NRW sind 27 Prozent der Landesfläche Wälder. Damit liegt NRW unter dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent. - dpa

Quelle: wa.de

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