Serie: Arbeitsplatz Dortmunder Airport

Jörg Tölke ist Schichtleiter vom Bodenverkehrsdienst in Dortmund

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Mit Flugzeugen am Boden verdient man kein Geld , sagt Jörg Tölke. Seine Leute müssen die ankommenden Jets in nur 30 Minuten wieder startklar machen.

Dortmund - „Einmal von ganz unten nach ganz oben – das wäre doch ein Quantensprung, den man mal machen könnte.“ Das dachte Ex-Bergmann Jörg Tölke aus Hamm, als er sich mit dem Aus des Bergbaus auf eine Stelle beim Flughafen Dortmund bewarb. Über die Wolken hat ihn der Karrieresprung zwar nicht geführt, aber beim Bodenverkehrsdienst sorgt er dafür, dass die ankommenden Jets zügig wieder abheben. Das Zeit dafür ist knapp.

„Ein Flieger muss in 30 Minuten wieder umgedreht werden“, sagt Tölke, der seit 2001 beim Flughafen Dortmund ist und als so genannter Bodo oder Bodo-8er gearbeitet hat. Diese Bezeichnung der Arbeiter auf dem Rollfeld leitet sich ab von dem Funkkanal, auf dem das Bodenpersonal kommuniziert, erläutert Tölke, der von seinen Kollegen nur „Wim“ genannt wird, wie der Showmaster aus den 70ern. Seit Tölke 2013 zur Schichtleitung wechselte, schmeißt er in Dortmund die Show auf dem Rollfeld: „Ich bin dafür zuständig, dass meine Schicht läuft und die Flieger pünktlich und sicherheitskonform vom Hof kommen.“

Je nach Flugverkehr sind 15 bis 25 Bodos in einer von zwei Schichten eingeteilt, drei bis fünf kümmern sich um ein Flugzeug. Die Bodos lotsen den Flieger auf seine Parkposition, fahren Treppen und Gepäckbänder heran, um Passagiere und Gepäck aus- und später wieder neu einzuladen. Frischwasserver-und Fäkalienentsorgung gehören auch dazu.

Währenddessen wird die Maschine kurz durchgecheckt und betankt. Je nach Airline haben die Bodo-8er dafür nur 25 bis 40 Minuten. Im Sommerflugplan sind es etwa 50 dieser Umläufe täglich, im Winter weniger. Die gleiche Arbeit müsse heute schneller erledigt werden als früher, weil die Flieger immer kürzere Stehzeiten hätten, erklärt Tölke. „Ein Flugzeug, das am Boden steht – damit kann man kein Geld verdienen.“ Für sämtliche Dienstleistungen des Bodenpersonals müssen die Airlines zahlen, als Schichtleiter führt Tölke darüber Buch. „Die Gebührenliste ist das Wichtigste“, sagt er. „Da wird das Geld verdient.“

Auf die so genannten Billigflieger lässt er dabei nichts kommen: „Da muss ich mal ‘ne Lanze für brechen, die sind keinen Deut schlechter.“ Sie würden anders ihr Geld verdienen, aber nicht an der Sicherheit nicht sparen. „Die sind genauso gut gewartet wie Lufthansa-Maschinen.“

Bei aller Eile darf am Flieger natürlich nichts beschädigt werden. „Alles was kaputtgeht, ist hundert- oder tausendfach so teuer wie beim Pkw“, sagt Tölke. Ein Airbus vom Typ 319 oder 320, wie sie in Dortmund fliegen, koste 75 bis 95 Millionen Dollar. „Man muss sich klarmachen, was man da eigentlich für Summen am Haken hat, wenn man den schleppt.“ Nicht zu vergessen die Verantwortung für die 180 bis 200 Menschen, die schnell und vor allem sicher in Urlaub möchten.

Umso wichtiger ist es beispielsweise, im Winter die Flugzeuge zu enteisen. Auch die Start-/Landebahn räumen die Bodos im Verband mit sechs Schneefräsen frei. „Im Winter bei Eiseskälte arbeiten, da ist nichts mit Verstecken oder mal zwischendurch Aufwärmen“, sagt Tölke. Im Sommer herrscht dann das andere Extrem, wo zum Wetter noch das aufgeheizte Rollfeld und die Flugzeuge kommen, deren Triebwerke und Klimaanlage viel Hitze abstrahlen. Dazu tragen die Bodos noch dicke Sicherheitskleidung. „Es ist schon ein körperlich anstrengender Beruf“, sagt Tölke.

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Quelle: wa.de

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