Schwarze Schafe trotz Image-Verbesserung

Illegal geht es außerhalb der Welt-Reptilienbörse "Terraristika" zu

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Hamm - Die weltgrößte Reptilienmesse "Terraristika" ist in der Branche bekannt wie ein bunter Hund. Ständige Kontrollen in den Messehallen haben das Image gebessert. Schwarze Schafe nutzen den Messetermin dennoch.

Von Wolfgang Dahlmann

Die Reptilienbörse "Terraristika" in Hamm gehört zu den größten ihrer Art. Viermal im Jahr kommen dort Händler aus aller Welt zusammen. Schlangen und Spinnen - giftig und ungiftig -, Amphibien oder Echsen wechseln den Besitzer. Tierschützern ist die Börse aber ein Dorn im Auge. "Wühltische für Wegwerftiere" hat Pro Wildlife den Handel tituliert.

Seit vor mehr als zehn Jahren das Umweltamt Hamm damit begann, zusammen mit Veterinären alle Verkäufer zu kontrollieren, sind die Verfehlungen gegen Haltung und Artenschutz zurückgegangen. Vor zwei Jahren hatten sie zuletzt zwei unbelehrbare Händler rausgeworfen. Meist bleibt es bei Ermahnungen, weil Behälter zu klein oder die Temperatur zu niedrig ist. Auf der nächsten "Terraristika" am Samstag (12. März) sind sie wieder dabei.

Hamm steht aber auch im Fokus überregionaler Kontrolleure, und zwar die ganze Stadt. Denn nicht alle Verkäufe finden in den Messehallen statt. Verkäufer gehen ihren Geschäften auch außerhalb des Geländes. Und nicht alle sind legal.

"Die Umgebung der Messe ist der Kontakthof", sagt Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz. "Viele illegalen Aktivitäten passieren im weiteren Umfeld." Sein Amt ist zuständig für Ein- und Ausfuhrgenehmigungen, es erfährt viel über illegale Aktivitäten und gibt Tipps an Zollfahnder weiter. Außerdem sind mobile Zollkontrollen des Hauptzollamtes Bielefeld unterwegs, die nicht nur Zigarettenschmugglern auf der Ost-West-Autobahn A2 hinterherjagen.

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Im vergangenen Dezember hatte das Zollfahndungsamt Essen in einem Hotelzimmer in Hamm 130 seltene Amphibien und Reptilien beschlagnahmt, darunter streng geschützte Chamäleons, Geckos, Unken, Salamander und Schildkröten. Die Fahnder hatten an dem Tag die Hotelzimmer mehrerer Tierhändler kontrolliert. Sie hatten für eine ukrainische Firma gearbeitet, die über das Internet exotische Tiere und Pflanzen anbietet.

"Wir werden nur in Verdachtsfällen tätig", sagt Zollsprecherin Ruth Haliti. In diesem Fall hatte es einen Tipp gegeben. Die Ukrainer waren nicht die ersten, die aufflogen. 2011 schlug die Polizei in einem Kölner Hotel zu. Drei Chinesen hatten 600 Reptilien im Gepäck. Der Hotelier hatte Verdacht geschöpft. Die Chinesen gaben zu, dass sie nach Hamm wollten.

Illegalen Einfuhren und Verkäufen kommt das Bundesnaturschutzamt über Hinweise von Außen oder über das Internet auf die Spur. Gerade erst habe es einen Hinweis aus Neuseeland gegeben, sagt Böhmer vom Bundesnaturschutzamt. Anhaltspunkte liefert auch das Internet. Dort geben immer wieder Verkäufer bekannt, wo sie im Rahmen von Börsen auftreten.

In Deutschland werden jährlich Hunderte Artenschutz-Verstöße bekannt. 2014 waren es 852, vom geschützten Vogel über Kakteen und Pelzmänteln bis zur Schlange, die nicht eingeführt werden darf. "Im Wesentlichen sind es Reptilien und Korallen", sagt Haliti von der Zollfahndung. Das meiste kommt per Flugzeug, einiges in Paketen.

Schwarze Schafe im Inland versuchen ihr Glück auch mit gefälschten Vermarktungsbescheinigungen. Die Fälschungen sind meist dilettantisch gemacht. Aber die Kontrolle ist auch nicht so scharf wie bei der Ein- oder Ausfuhrkontrolle. "Bis jetzt ist es nur selten vorgekommen, dass Ein- und Ausfuhrdokumente gefälscht wurden", sagt Böhmer. Das würde den Zöllnern auffallen.

Die "Terraristika" hat in Europa kein Alleinstellungsmerkmal. Reptilienbörsen gibt es Deutschland jedes Jahr etwa 100. In der Nähe von Hamm sind Dortmund und Recklinghausen dabei. Europaweit führend neben Hamm sind das niederländische Houten und St. Pölten in Österreich. - dpa

Quelle: wa.de

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