Hoverboards auch in Hamm: "Geräte sind Waffen"

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Ein Hoverboard erinnert an ein Skateboard, ist aber motorisiert. Die Fahrzeuge bringen es auf bis zu 20 Kilometer pro Stunde; gefahren werden dürfen sie nur auf Privatgelände.

Hamm - „Zurück in die Zukunft“ ist einer der bekanntesten Filme der 1980er Jahre. Doch so verrückt, wie die technischen Visionen in dem Hollywood-Streifen damals aussahen, waren sie gar nicht. Zumindest nicht, was das Hoverboard von Marty McFly, alias Michael J. Fox, angeht.

Denn sich auf einem schwebenden Skateboard fortzubewegen, ist heute Realität – jedenfalls fast. Auch in Hamm sind die zwar nicht fliegenden, aber motorisierten Hoverboards sehr beliebt. Dass man aber nur selten jemanden damit fahren sieht, hat dabei einen guten Grund.

Die Fahrzeuge, die es in der Spitze auf 20 Kilometer in der Stunde bringen, sind im öffentlichen Raum nicht erlaubt. Darauf weist jetzt die Hammer Polizei hin. „Auch mit Rücksicht auf den lobenswerten Pioniergeist und den umweltschonenden Aspekt, ergeben sich gleichwohl zulassungs-, pflichtversicherungs- sowie fahrerlaubnisrechtliche Problemstellungen bei der Nutzung“, erklärte eine Pressesprecherin der Behörde auf WA-Anfrage.

Polizei will kein Spielverderber sein

Das Problem dabei sei, dass die Fahrzeuge schneller als sechs Kilometer in der Stunde fahren können und damit unter die Zulassungs- und Versicherungspflicht fallen. Zudem benötigt man eine Fahrerlaubnis: „Damit ein solches Fahrzeug, welches als Kraftfahrzeug gilt, im Straßenverkehr teilnehmen darf, würde es Kennzeichen, eine Bremse, Beleuchtung und vieles mehr benötigen“, so die Polizeisprecherin weiter.

Ein Spielverderber will die Behörde wegen der vielen Vorschriften aber nicht sein. „Insgesamt geht es nicht darum, den innovativen Fortschritt einfallsreicher Entwickler auszubremsen, sondern es gilt, die Verkehrssicherheit im Auge zu behalten.“ In Hamm habe es bislang allerdings keine Vorfälle mit Hoverboards gegeben, sagte die Sprecherin.

Dabei wisse längst nicht jeder Hoverboard-Fahrer, dass man mit den rund zehn Kilogramm schweren Geräten nur auf privatem Areal fahren darf. Die Polizei Hamm erklärt dazu: „Vielfach folgern Bürger die Zulässigkeit des Gebrauchs im öffentlichen Straßenverkehr aus der freien Verkäuflichkeit der Kraftfahrzeuge. Zudem weisen die Anbieter im Internet vielfach auf die Problematik nicht hin oder treffen sogar rechtlich fragwürdige bis falsche Aussagen.“

Verkauf nur nach Unterweisung

Dass das in seinem Elektronik-Laden nicht der Fall sei, betonte unterdessen Matthias Scheinhütte, Marktleiter von Berlet in der Innenstadt. „Bei uns kann man ein Hoverboard nicht einfach so kaufen“, sagte Scheinhütte im Gespräch mit dem WA. „Wir lassen uns von jedem Kunden unterschreiben, dass es eine mündliche Unterweisung durch einen unserer Mitarbeiter gegeben hat“, erklärte er. In dem Beratungsgespräch kläre der Mitarbeiter unter anderem darüber auf, dass es eine Ordnungswidrigkeit darstellt, mit einem Hoverboard im öffentlichen Raum zu fahren, so Scheinhütte weiter.

Dass sich der Elektrohändler für diese Maßnahme entschied, hat gute Gründe – wie der Marktleiter sogar aus eigener Erfahrung weiß. Der hat nämlich selbst ein solches Gefährt. „Diese Geräte sind Waffen“, sagte er unter anderem mit Blick auf die Geschwindigkeiten, die man damit erreicht. Weil das aber nicht allen Kunden auch klar ist, stoße man bei manch einem auf Unverständnis, dass es eine Unterweisung gibt, berichtete Scheinhütte.

Die Nachfrage nach Hoverboards sei seit vergangenem Oktober groß, so der Marktleiter. Und weil diese ungebrochen scheint, sind die Boards zurzeit zumindest bei Berlet in Hamm ausverkauft.

Es drohen sogar Punkte in Flensburg

Sogar Punkte in Flensburg drohen, wenn man mit einem Hoverboard im öffentlichen Raum erwischt wird. Das werde dann als Ordnungswidrigkeit behandelt und koste 70 Euro sowie einen Punkt im Verkehrszentralregister, erklärte die Hammer Polizei.

Damit nicht genug: Denn wer ohne Fahrerlaubnis mit den trendigen Boards außerhalb von privatem Areal fährt, begeht eine Straftat und verstößt außerdem gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Wer sich übrigens fragt, warum Hoverboards verboten, Segways dagegen erlaubt sind: Segways fallen als „elektronische Mobilitätshilfe“ unter die Mobilitätshilfeverordnung, die seit Juli 2009 gilt – also lange bevor an Hoverboards überhaupt zu denken war. Diese Verordnung erlaubt das Fahren von Segways auch ohne Fahrerlaubnis.

Regeln gibt es aber auch für Segways, die im Grunde genommen nichts anderes sind, als ein Hoverboard mit Lenkstange. So brauchen auch sie ein Versicherungskennzeichen.

Quelle: wa.de

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