Hilfe für Flüchtlinge „to go“: Pater Tobias trainiert mit Asylbewerbern

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Pater Tobias (vorn) beim Training mit Flüchtlingen.

Werne/Duisburg - Nasratullah Khairzada aus Afghanistan ist seit kurzem in Deutschland. Nach dem Motto „Sport verbindet“ macht er jetzt beim Lauftraining von Pater Tobias mit – und hilft nicht nur seinen Deutschkenntnissen auf die Sprünge.

Von Julia Rathcke

Man nennt ihn auch den Allesmacher: gelernter Kaufmann, Pastor, Seelsorger, Erfolgs-Coach, Finanzchef eines Klosters und Ultra-Marathon-Läufer. Pater Tobias’ Lebenslauf reicht eigentlich für drei. Für seine Herz-Jesu-Gemeinde im Duisburger Stadtteil Neumühl hat er zahlreiche Projekte für sozial Benachteiligte initiiert und dafür Preise bekommen. Weil er Menschen mitnimmt – im ganz wörtlichen Sinne: mit in die Kirche, mit in die Gesellschaft und ab sofort auch Flüchtlinge montags und donnerstags mit zum Lauftraining.

Zum Beispiel Nasratullah Khairzada. Er schnauft, bleibt stehen und stützt die Hände in die Seiten. Er ist erst seit gut vier Wochen in Deutschland – und das Wort „Seitenstiche“ gehört sicher nicht zu seinen ersten Vokabeln. Dafür kennt er aber jetzt Wörter wie „Fahrrad“, „Baum“ und „Brombeeren“. Denn Pater Tobias hat sich für den Zehn-Kilometer-Lauf durch Duisburgs Grünanlagen nicht nur Muskel-, sondern auch Sprachtraining zum Ziel gesetzt. Nicht jedem der sieben Flüchtlinge gelingt das zeitgleich: laufen, quatschen, Vokabel lernen und atmen.

„Reden ist das Wichtigste“, sagt Pater Tobias, der aus Werne kommt. Wie sonst soll man Menschen kennenlernen? Und in Duisburg gibt es viele Menschen kennenzulernen: Der Stadtteil Neumühl ist seit jeher von Zuwanderern, Gastarbeitern und vielen Nationalitäten geprägt. Nun kommen Flüchtlinge dazu. Stetig mehr.

Die Stadt Duisburg stockt die Kapazitäten für Flüchtlinge auf , wo es nur geht. Sie will Reserven haben – für den Notfall. Dieser Notfall ist jetzt. Auch Khairzada kennt viele solcher Notfälle. Mit seinen 23 Jahren musste er seine Schwestern, Brüder und Eltern in Afghanistan zurücklassen, wie er berichtet. Er floh, weil er um sein Leben fürchten musste. Und jetzt? „Ich will studieren, arbeiten und dafür Deutsch lernen“, erklärt er auf Englisch. „Die Sprache ist doch das Wichtigste.“ Und für ihn nicht das Schwierigste. Abends, wenn er in einem der Hochbetten in der Turnhalle in Duisburg liegt und nicht schlafen kann, lernt er Deutsch. „Hallo, wie geht es?“ und die Zahlen bis zehn hat er drauf.

Quelle: wa.de

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