Goldener September lässt Bierhersteller aufatmen

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Der Bierabsatz liegt dank des warmen Septembers leicht im Plus. 

Wiesbaden - In trüben Herbsttagen erinnert man sich gerne zurück - ans Grillen bei Sonnenschein. Den Bierbrauern hat der goldene September in diesem Jahr ein gutes Geschäft beschert - und eine entscheidende Regel für den Absatz bestätigt.

Die deutschen Brauer drehen im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes richtig auf. Die Hochdruckgebiete "Johannes", "Karl" und "Lukas" haben den September 2016 nicht nur zu einem der wärmsten seit Beginn der Messungen 1881 gemacht. Bei Spitzentemperaturen von mehr als 30 Grad war auch der Durst der Verbraucher groß, endlich konnte nach enttäuschend kühlem Sommer ausgiebig gegrillt werden.

Die Braubranche konnte daraus einen goldenen September für sich machen. Ob Veltins oder Krombacher, vielerorts verzeichneten Brauereien den bislang besten September ihrer Unternehmensgeschichte. Der Absatz der Branche lag im vergangenen Monat mehr als sieben Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. 

Die ersten neun Monate 2016 zusammengenommen liegt der Bierabsatz leicht im Plus. Mit den alkoholfreien Bieren ist in diesen Zahlen ein Wachstumsträger vieler Brauereien noch nicht einmal enthalten. "Selten wird es so sichtbar wie in diesem Jahr: Das Wetter ist und bleibt ein entscheidender Faktor für den Inlandsabsatz", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele. 

Neue Impulse durch Craftbier

Die Aussichten seien gut, dass die Branche nach langem Abwärtstrend nun bereits im dritten Jahr in Folge ein leichtes Wachstum erzielen könne. Neben den Wettereffekten spielten aber auch zunehmender Export sowie neue Angebote wie Landbier und Craftbier eine Rolle.  "Durch das alkoholfreie Bier gelingt es, mehrere 100 000 Haushalte zu erreichen, die bisher keine Stammkäufer von Bier waren", erklärt Eichele. Mittlerweile seien etwa sechs Prozent der gebrauten Biere alkoholfrei, Tendenz steigend. "Deutschland ist Weltmarktführer bei alkoholfreien Bieren und alkoholfreien Biermischgetränken." Brauer jagten damit Herstellern von Schorlen und Limonaden Marktanteile ab.

Die Szene der handwerklich hergestellten Craftbiere gibt nach Ansicht von Niklas Other der ganzen Branche einen Implus. Vom Biervolumen her eher unbedeutend, wirke sie wie "Zunder" und setze viel in Bewegung, beschreibt der Herausgeber der Fachzeitschrift "Inside". Nahezu jede Biermarke befasse sich mit Spezialitäten. "Die Palette wird immer breiter und die Händler stöhnen: "Wir haben keine Gummiregale"". So mancher Händler stellt Aktionsware schon neben den Regalen auf. 

Pro-Kopf-Verbrauch sinkt

Auch wenn 2016 dank Fußball-EM, den Aktionen zu 500 Jahren Reinheitsgebot und dem goldenen September eigentlich besser als erwartet verlaufen ist, kommt keine Euphorie auf. "Grundsätzlich bleibt, dass die demografische Entwicklung dazu führen muss, dass der Konsum zurückgeht", bekräftigt Other. Aber immerhin würden jetzt mit der neuen Vielfalt auch wieder junge Biertrinker hinzugewonnen. Laut Statistischem Bundesamt sank der Pro-Kopf-Jahresverbrauch von Bier allein binnen zehn Jahren bis 2012 um fast 19 auf gut 99 Liter. Hinzu kommen die vielen und umfangreichen Aktionsangebote von Premiumbier im Handel.  Bier ist häufig so billig wie lange nicht mehr. Preiserhöhungen sind derzeit nur im Bereich Fassbier in Sicht. 

"Wenn man es nüchtern betrachtet, liegen die Endverbraucherpreise im Premiumsegment auf dem Niveau vom Jahr 1999/2000", sagt Jörg Dierig, Geschäftsführer der Privatbrauerei Oettinger. Der Preisabstand zwischen stark beworbenen Premiumbieren und den tieferen Preislagen werde immer kleiner.  - dpa

Quelle: wa.de

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