Insolvenz läuft Ende März aus

Kettler: Gläubiger billigen Sanierungsplan

Zuversicht herrscht spätestens seit Montagnachmittag in den Produktionsstätten der Firma Kettler. Unser Bild zeigt den Standort in der Mersch in Werl. - Luftbild: Rast

Werl/Ense - Aufatmen in der Belegschaft des Freizeitartikel-Produzenten Kettler. Die Gläubigerversammlung hat am Montag in ihrer mit Spannung erwarteten Sitzung einstimmig dem vom Management unterstützten und vom Amtsgericht Arnsberg zur Abstimmung angenommenen Insolvenzplan zugestimmt.

Damit steht der Zukunft des angeschlagenen Unternehmens mit seinen immer noch rund 850 Arbeitsplätzen – 500 davon in Werl – nichts mehr im Wege.

Über diese Information hinaus sollen Anzeiger-Recherchen zufolge weitere Details mitgeteilt werden, sobald die jetzt auf den Weg gebrachte Umsetzung konkret wird. Auslaufen soll die Planinsolvenz bekanntlich zum 31. März. Diesem Terminplan steht seit Montag endgültig nichts mehr im Wege.

Es war bis zuletzt spannend und dramatisch, was sich da rund um die vielleicht wichtigste Firma im Großraum Werl abspielte. Da wurde mit allen Tricks gearbeitet, mit gezielten Interna, die überregionalen Medien gesteckt wurden – in der Hoffnung, den Ruf des ohnehin kriselnden Unternehmens weiter zu beschädigen. Im Mittelpunkt vieler Spekulationen stand der amerikanische Finanzinvestor Carlyle, der sich letztlich bei seinem Engagement in der sauerländischen Provinz tüchtig verkalkuliert hatte. Carlyle wollte Kettler schlucken, das war jedem in diesem Schauspiel klar, das zwischenzeitlich zum Schurkenstück zu geraten drohte.

Carlyle war schon vor der gestrigen Gläubigerversammlung raus aus der Geschichte, immerhin mit blauem Auge. Denn die US-Amerikaner bedienten sich an Immobilien, die einer Kettler-„Tochter“ gehörten und wurden so als Gläubiger zu 100 Prozent befriedigt. Es ging um ein Kreditpaket in Höhe von 12 Millionen Euro, das Carlyle der Commerzbank abgekauft hatte.

100-prozentige Befriedigung – das gelang nicht für alle Gläubiger. Und das sorgte für letzte Unsicherheiten vor der Zusammenkunft am Montag in Ense, die tags zuvor im kleinen Zirkel vorbereitet wurde, wie die schweren Limousinen verdeutlichten, die bis spät am Abend vor der Unternehmens-Zentrale in Parsit standen.

Einstimmig – das war am Ende einer langen Versammlung ein ganz starkes Signal der Gläubiger. Für Inhaberin Dr. Karin Kettler bedeutet das noch einmal einen Griff in die Privatschatulle. Sie werde nun, das verdeutlichten Insider Montagabend im vertraulichen Hintergrundgespräch, erhebliche Mittel aus dem Privatvermögen zuschießen, um die Vorgaben des Sanierungsplans zu erfüllen. 

Karin Kettler – an ihr scheiden sich die Geister. Immer wieder wird kritisiert, der Alleinerbin fehle es am nötigen wirtschaftlichen Sachverstand, um das kriselnde Unternehmen endgültig in ruhiges Fahrwasser zu steuern. 

Andererseits attestieren die, die in den vergangenen Wochen und Monaten zusammen mit ihr für die Zukunft der Firma kämpften, den unbedingten Willen, Kettler zu retten und auch im Familienbesitz zu halten. Dabei wird rückblickend die Insolvenz in Eigenverwaltung als geschickter Schachzug bewertet, um einer drohenden feindlichen Übernahme zu entgehen, die normalerweise nur börsenotierten Konzernen droht. Sachverstand hat sich Karin Kettler mittlerweile ins Haus geholt, sie hat das Management erheblich verstärkt. - di

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare