Geiselgangster von Gladbeck hofft auf Entlassung aus Gefängnis

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Dieter Degowski während der Tatzeit. Neuere Fotos liegen nicht vor.

Werl - Beim Gladbecker Geiseldrama kamen drei Menschen ums Leben. Rund 28 Jahre ist das her. Die beiden Bankräuber, die vor laufenden Kameras durch die Republik flohen, sitzen immer noch in Haft. Doch einer der Täter kann auf baldige Entlassung zur Bewährung hoffen.

Fast drei Jahrzehnte nach dem Geiseldrama von Gladbeck kann einer der beiden Gangster auf Freiheit hoffen. Dieter Degowskis Vorbereitung auf die Haftentlassung zur Bewährung läuft nach Angaben der JVA Werl gut. "Wir haben im Moment nichts zu meckern", sagte auch die Anwältin des mittlerweile 60-Jährigen, Lisa Grüter.

Weder die Rechtsanwältin noch JVA-Leiterin Maria Look wollten sich äußern zu den Lockerungen, mit denen Degowski auf eine Entlassung vorbereitet wird. Vor drei Jahren hatte das Landgericht in Arnsberg die JVA aufgefordert, diesen Weg zu gehen. "Wir könnten nun jederzeit einen neuen Antrag auf Entlassung stellen", sagt Grüter. Das werde aber vermutlich "im Einvernehmen mit der JVA" geschehen. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht.

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JVA-Chefin Look zeichnet ein positives Bild von ihrem vermutlich bekanntesten Häftling. "Er zieht gut mit. Trotz dieser langen Zeit ist er positiv gestimmt", sagte sie. Er müsse sich in Geduld üben. "Das ist für ihn auch eine starke Prüfung. Ich bin aber froh, dass er die Füße stillhält." Das liege daran, dass Degowski Fortschritte sehe. Derzeit werde ein weiteres Gutachten erstellt. "Die Gutachterin hat ihn schon besucht und einen weiteren Termin ausgemacht."

Degowski-Anwältin Grüter sieht das ähnlich. "Ich erlebe meinen Mandanten als einen freundlich-friedlichen Menschen, der seine Tat sehr bereut", sagte sie erneut. Er wisse, dass sein Fall besonders sei und er auch darunter leiden müsse, dass er "ein öffentliches Verbrechen" begangen habe. Andere Häftlinge wären nach ihrer Einschätzung bei ähnlichen Taten vermutlich schon wieder in Freiheit.

Justizministerium "vorsichtig skeptisch"

Vor dem Hintergrund der Diskussion hatte der "Soester Anzeiger" bereits im Juli mit dem Pressesprecher von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, Detlef Feige, gesprochen. Bei der Frage, ob eine Freilassung noch in diesem Jahr zu erwarten sei, zeigte dieser sich damals "vorsichtig skeptisch". Einen konkreten Termin gebe es nicht. Für den Rest sei die Strafvollstreckungskammer am Landgericht Arnsberg zuständig.

Das Gladbecker Geiseldrama

Das Verbrechen: Am Morgen des 16. August 1988 stürmen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet eine Bank in Gladbeck. Sie nehmen zwei Geiseln und fordern einen Fluchtwagen sowie 420.000 Mark. Journalisten geben sie ein erstes Interview. Kurz nachdem die Gangster am Abend mit Geiseln und Geld losfahren, steigt Rösners Freundin zu. Am nächsten Tag kapern sie in Bremen einen Linienbus und nehmen 35 Geiseln. Sie geben Interviews und lassen mehrere Geiseln frei.

Als die Polizei Rösners Freundin vorübergehend festhält, erschießt Degowski eine Geisel, einen 15-jährigen Jungen. Bei der weiteren Verfolgung verunglückt ein Polizist tödlich. Die Geiselnehmer lassen den Bus stehen und flüchten mit zwei Bremer Geiseln in einem Auto. Ein Journalist fährt in Köln sogar ein Stück mit. Am Mittag des 18. August greift ein Sondereinsatzkommando auf der Autobahn bei Bad Honnef zu. Die 18-jährige Silke Bischoff stirbt an einer Kugel aus Rösners Waffe.

Die Folgen: Rösner und Degowski werden im März 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Anträge auf Hafterleichterungen und Gnadengesuche werden ablehnt. Die Polizei überarbeitet ihre Einsatztaktik für solche Szenarien grundlegend. Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) tritt zurück. Die Medien werden wegen mangelnder Zurückhaltung kritisiert. Der Deutsche Presserat legt später fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben dürfe. - dpa/eB

Quelle: wa.de

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