Nach Terror in Brüssel: Keine Hinweise auf Anschläge in NRW

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Bewaffnete Polizisten patrouillieren am 22.03.2016 am Flughafen Düsseldorf. Nach den Terroranschlägen in Brüssel mit mehreren Toten und Verletzten verschärft die Bundespolizei ihre Sicherheitsvorkehrungen.

[Update 17.16 Uhr] Düsseldorf/Brüssel - NRW ist nach den Terroranschlägen in Alarmbereitschaft. Die Sorge vor Anschlägen umfasst auch die belgischen Atommeiler nah der Grenze. Das Mitgefühl aus NRW ist groß. Dennoch kann sich Innenminister Jäger Kritik an den Geheimdiensten nicht ganz verkneifen.

Die Sicherheitsbehörden haben nach den Terroranschlägen in Brüssel keine Anhaltspunkte für konkrete Gefahren in Nordrhein-Westfalen. "Die Polizei hat keine Hinweise in Bezug auf Deutschland", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag in Düsseldorf. Dennoch hätten Bund und Länder verabredet, offene und verdeckte Sicherheits- und Schutzmaßnahmen hochzufahren sowie Grenzkontrollen zu verstärken.

"Wir haben die Maßnahmen intensiviert", bestätigte auch eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Hinzu kämen schärfere Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen. Auch die Schutzausrüstung der Bundespolizisten sei verstärkt worden.

Bei Explosionen starben in der belgischen Hauptstadt am Dienstag mehr als 30 Menschen am Flughafen und in der U-Bahn; mehr als 180 wurden verletzt.

Jäger warnt davor, dass sich Islamisten weiter radikalisieren

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) äußerte sich nach den Terroranschlägen in Brüssel.

Der Minister kritisierte die belgischen Sicherheitsbehörden. Der Salafismus im Brüsseler Stadtteil Molenbeek sei seit vielen Jahren gewachsen "und man hätte möglicherweise eher eingreifen müssen", stellte er fest. "Es geht nicht um einzelne, sich selbst organisierende Täter, sondern es wurde strukturiert und abgesprochen vorgegangen. Das setzt Zellenbildung voraus", sagte der Minister. 

"Es ist leichter, solche Zellen zu entdecken als radikalisierte Einzeltäter. Und das ist das Erschreckende, dass eine solche Zelle dort nicht entdeckt werden konnte." Er betonte aber auch, dass die belgischen Behörden ihre Terrorabwehr in den vergangenen Monaten deutlich verstärkt hätten und erheblichen Kontrolldruck auf die Szene ausübten.

Bahnverkehr zwischen Belgien und NRW eingestellt / Flüge werden umgeleitet

Beunruhigende Nachrichten kommen aus dem Grenzgebiet: Im belgischen Atomkraftwerk Tihange, nur etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt, wurde verzichtbares Personal aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt. Zuvor waren die belgischen Atomkraftwerke bereits unter verschärften Schutz gestellt worden. Jäger sagte, Konkretes dazu wisse er nicht. Gegen die seit Jahren als Sicherheitsrisiko geltenden Atommeiler läuft bereits eine Länderklage.

Der Bahnverkehr zwischen Belgien und Nordrhein-Westfalen ist nach den Terroranschlägen aus Sicherheitsgründen eingestellt worden. Auch auf die Flughäfen wirkten sich die verheerenden Explosionen aus. Mehrere Flüge wurden nach Düsseldorf und Köln/Bonn umgeleitet. Züge von Frankfurt über Köln nach Belgien endeten schon in Aachen, sagte ein Bahnsprecher. Das werde voraussichtlich den ganzen Tag so bleiben. 

Auch der Hochgeschwindigkeitszug Thalys stellte seine Fahrten über oder nach Belgien ein. Auf seiner französischsprachigen Twitter-Seite empfiehlt das Unternehmen, alle Reisen zu verschieben. 

Reisende nach Brüssel steigen deswegen verstärkt auf Fernbusse um. So berichtete der Marktführer MeinFernbus Flixbus am Dienstag von einem Anstieg der Buchungen nach Brüssel. Einige Verbindungen nach und aus Brüssel, die am Vormittag knapp zur Hälfte ausgelastet waren, seien inzwischen ausgebucht, sagte ein Sprecher. In Brüssel seien Haltestellen für Fernbusse verlegt worden. Wegen der verstärkten Grenzkontrollen sei mit Verspätungen zu rechnen.

Bislang keine Opfer aus NRW bekannt

Spitzenvertreter der Landesregierung und der Parteien äußerten sich bestürzt und sprachen den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme aus. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft rief zum Zusammenhalt auf: "Bei aller Trauer und allen Tränen müssen wir zusammenstehen: Die Demokratie ist stärker als Terror", sagte die SPD-Politikerin. "Es ist grauenhaft, dass nach den Anschlägen von Paris wieder unschuldige Menschen Opfer fanatischer Terroristen werden, die unseren westlichen Werten und unserer europäischen Lebensweise den Krieg erklärt haben." 

NRW-Europaminister Franz-Josef Lersch-Mense berichtete, alle Mitarbeiter der NRW-Landesvertretung in Brüssel seien wohlauf und blieben im Dienst. CDU-Landeschef Armin Laschet forderte eine gesamteuropäisches Sicherheitskonzept mit einem Terrorabwehrzentrum, automatischem Datenaustausch zwischen allen Sicherheitsbehörden und - langfristig - einem gemeinsamen Geheim- und Nachrichtendienst. 

FDP-Chef Christian Lindner unterstrich: "Die unmenschlichen Anschläge in Brüssel galten nicht der belgischen Bevölkerung, sondern uns allen." Daher dürfe die demokratische Gesellschaft bei ihrem Einsatz für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit nicht nachlassen.

Über mögliche Anschlagsopfer aus Nordrhein-Westfalen wurde zunächst nichts bekannt. Die Mitarbeiter der NRW-Landesvertretung in der belgischen Hauptstadt sind aber wohlauf. "Jetzt ist es sicher. Alle MitarbeiterInnen der NRW-Vertretung in Brüssel sind wohlauf", twitterte die Vertretung des Bundeslandes. - lnw

Quelle: wa.de

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