Walid gehört einfach zur Klasse dazu

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Obwohl er erst seit drei Wochen am Gymnasium Antonianum ist, gehört der junge Syrer ganz selbstverständlich zur Klasse 6f dazu. Seine Mitschüler haben ihn ins Herz geschlossen – und helfen, wenn es mal mit der Sprache hapert.  

Geseke - Konzentriert guckt Walid auf die Tafel, rückt seine Brille zurecht und kritzelt Englischvokabeln ins Heft. Mit seinem New-York-T-Shirt und den Shorts sieht er aus wie ein ganz normaler Sechstklässler. Doch Walid ist anders. Mit seiner Familie musste der elfjährige Syrer aus der Heimat fliehen.

Er, seine Mutter und zwei Schwestern leben jetzt in Geseke. Als einziges Flüchtlingskind geht Walid auf das Gymnasium Antonianum. In seiner Klasse – der 6f – gehört er schon ganz selbstverständlich dazu.

„Am Anfang hat Walid viel von Syrien erzählt“, erinnert sich sein Mitschüler Paul. „Er floh erst in die Türkei und kam dann mit dem Flugzeug nach Frankfurt.“ Was der junge Syrer schon mitgemacht hat, kann der Sechstklässler nur erahnen.

„Walid hat auf jeden Fall schon mehr erlebt als ich. Er war schon im Krieg dabei. Das ist nicht so schön.“ Die Klasse versucht deshalb, Walid den Start am Antonianum so einfach wie möglich zu machen.

„Ich denke, wir haben ihn schon ganz gut aufgenommen“, sagt Emily. „Er zeigt auch schon ganz oft auf.“ Auch, wenn es mal mit der Sprache hapert, sind die Mitschüler zur Stelle. „Wenn Walid mal eine Aufgabe nicht versteht, sage ich ihm, was er machen soll“, berichtet Jan Eric.

Obwohl er erst vier Monate in Deutschland ist, spricht der junge Syrer schon erstaunlich gut Deutsch. „Mir gefällt es hier gut“, sagt er. „Meine Klassenlehrerin, Frau Opua-Schamne, hilft mir immer.“ Auf Unterstützung kann Walid auch bei seinen neuen Freunden bauen – und zwar in allen Lebenslagen.

„Wir hatten Französisch und er wollte danach das Klassenbuch ins Sekretariat bringen“, erinnert sich Nele Sickmann. „Da hab ich ihm gesagt, dass man das nicht nach jeder Stunde machen muss.“

Da der junge Syrer kein Schweinefleisch ist, helfen die Klassenkameraden auch bei der Essensbestellung in der Schulmensa. „Wenn es mal keinen Fisch oder so gibt, sagen wir es ihm“, erklärt Antonia. Timo hingegen hat Walid schon den Vertretungsplan erklärt, Nele Hanxleben ihm gesagt, wo er einen Raum findet.

Der junge Syrer profitiert aber nicht nur von der Klasse, sondern die Klasse auch von ihm. „Beim Sport habe ich Walid beim Laufen mitgenommen. Er ist nämlich nicht so schnell“, erzählt zum Beispiel Felix. „Dafür bringt er mir jetzt Kung Fu bei.“ Das ist nämlich Walids Lieblingssportart. Denn dort gebe es viele verschiedene Bewegungen, sagt er. Und ein guter Ausgleich zum Lernen sei der Kampfsport allemal.

Den Neuzugang aus Syrien haben auch die Lehrer schnell ins Herz geschlossen. Der Elfjährige beeindruckt sie vor allem durch sein komplexes Fremdsprachenwissen und durch seine hohe Lernmotivation. „Walid ist sehr intelligent“, sagt Schulleiter Ulrich Ledwinka. - diet

Quelle: wa.de

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