Vorbereitung auf die Kita: Caritas betreut Flüchtlingskinder

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Caritas-Familienpflegerin Beate Powierski (l.) betreut im Evangelischen Gemeindezentrum in Stockum Flüchtlingsfamilien mit Kindern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht so ohne Weiteres eine reguläre Kindertagesstätte besuchen können. Delana B. und Agron K. und ihre beiden Kinder Ermin und Hava kommen regelmäßig. Sie sind vor acht Monaten aus dem Kosovo geflüchtet.

Stockum - Die Caritas Lünen-Werne-Selm hat auf Bitten der Stadt Werne eine besondere Betreuung für Flüchtlingskinder in Stockum eingerichtet. Dort werden Mädchen und Jungen auf den Besuch einer regulären Kindertagesstätte vorbereitet. Nebenbei können so auch die Eltern Kontakte aufbauen und etwas Deutsch lernen.

Ermin (4) und Hava (1) sitzen auf einem Spielteppich, im Raum stehen zwei Tische - ein niedriger für Kinder, ein hoher für Erwachsene. Es ist vielleicht etwas kahl hier im Evangelischen Gemeindezentrum Stockum. Doch alle fühlen sich wohl; das sieht man.

Ermin und Hava sind Roma aus dem Kosovo. Sie sind mit ihren Eltern Agron K. (28) und Delana B. (20) vor acht Monaten geflüchtet und leben in der Flüchtlingsunterkunft gleich gegenüber.

Stadt erhält Finanzmittel vom Land NRW

Ermin und Hava haben schon viel erlebt; nicht nur Schönes. Sie von jetzt auf gleich zur Betreuung in eine Kindertagesstätte zu stecken, würde sie womöglich überfordern. Für Kinder wie sie, sagt Henrik Nagel-Fellerhoff von der Caritas Lünen-Selm-Werne, habe man das Angebot in Stockum geschaffen – in Kooperation mit der Stadt Werne, die zusätzlich noch einmal in der Woche eine Familienhebamme schickt.

Für beide Projekte gab es Finanzmittel vom Land NRW. Drei Mal in der Woche werden Ermin und Hava und zwei weitere Kinder betreut, jeweils von 9 bis 12 Uhr. Darum kümmert sich Caritas-Familienpflegerin Beate Powierski. In der Gruppe wäre sogar Platz für sechs Kinder. Sie können spielen und bekommen Frühstück. Wie in einem Kindergarten lernen sie Tagesstruktur, sozialen Umgang miteinander und auch etwas Deutsch.

Soziale Kontakte und Deutsch lernen

Auch die Eltern fühlen sich wohl hier. Sie sind angehalten, ihre Kinder zu begleiten. So kommen die Familien aus der Flüchtlingsunterkunft heraus, haben sozialen Kontakt und können allesamt etwas Deutsch lernen.

„Frau Powierski gut, meine Kinder gut, danke“, sagt Delana B. in einfachen Worten. Sie und ihr Mann Agron K. können kaum Deutsch. Sie sind selbst nicht zur Schule gegangen; auch das Schreiben fällt schwer. Beide sprechen nur die Sprache der Roma und Serbokroatisch. Dafür beschreiben sie eindrucksvoll auch mit Händen und Füßen, was ihnen in ihrer Heimat passiert ist.

Als Roma seien sie stark ausgegrenzt worden. Agron wurde für seine Arbeit nicht bezahlt und mit einer Waffe bedroht, als er sein Gehalt haben wollte. Er wurde verprügelt. Sein Sohn wurde nach Bezahlung des Schulgeldes wieder aus dem Kindergarten geworfen. Das Geld hätten sie nicht wiederbekommen.

Eigenheim wurde niedergebrannt

Am eindringlichsten wird die Geschichte, als er von Benzin spricht und von ihrem Haus – und andeutet, dass es angezündet worden ist und sie daraufhin wegrennen mussten.

Die Lebensgeschichten der Familien, die sie betreut, kennt Powierski kaum. Die Eltern erzählen das nicht einfach so. Dafür nähern sie sich anders an. Die Evangelische Gemeinde bietet neben dem Spielzimmer auch die Küche im Gemeindehaus an. „Hier wollen wir auch mal zusammen backen und kochen – vielleicht etwas Traditionelles aus der Küche der Roma“, sagt Powierski.

Quelle: wa.de

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