Verantwortung als Bürger: Ehrenamtlicher Einsatz in Bergkamen

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Als Flüchtlingshelfer tätig, v.l. Ingrid Möller, Hady Kudeda, Marlene Labbé, Katja Wohlgemuth, Timo Putzer, Angelika Grömmer.

Bergkamen - Die Zahl der Flüchtlinge, die in Bergkamen ankommen, reißt nicht ab. Doch in der Stadt gibt es eine ganz besondere Willkommenskultur: Ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger nehmen sich viel Zeit, um den Neuankömmlingen beim Start in ein neues Leben zu helfen.

 „Für mich ist das auch eine politische Frage im Sinne meiner Verantwortung als Bürger“, erklärt Katja Wohlgemuth. „Es ist richtig, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben können. Das hat uns die Geschichte gelehrt.“ Katja Wohlgemuth ist eine der ehrenamtlichen Helferinnen, die sich in der Einzelbetreuung einer speziellen Familie engagiert – und dabei ist sie nicht alleine. „Ich bin froh, dass meine ganze Familie mitzieht“, erklärt sie. Während sie sich um Telefonate und die Nachrichten kümmert, die die Kinder aus der Schule mitbringen, haben Mann und Tochter die Kommunikation mit dem Jobcenter übernommen. Ihr Sohn hilft bei den Mathe-Hausaufgaben und bei allen anderen Dingen, die eben anfallen.

Sich in Dinge einarbeiten

„Zwei bis drei Stunden pro Woche“ investiert Timo Putzer, um den regelmäßigen Besuch von Kursen und anderen Angeboten zu ermöglichen. „Man muss sich in Dinge einarbeiten, die man selbst gar nicht kennt oder benötigt hat. Da bekommt man eine Ahnung, wie schwierig das für die Flüchtlinge sein muss, wenn wir als Muttersprachler schon unsere Probleme damit haben“, sagt Katja Wohlgemuth.

Von dem „massiven Papierkram“, der erledigt werden muss, kann auch Angelika Grömmer ein Lied singen. „Und es ist ja so, dass nichts gradlinig verläuft“, sagt sie lachend, auch wenn das Lachen nach Galgenhumor klingt. Grömmer gibt zu, schon „die tollsten Dinge“ erlebt zu haben, aber sie möchte den ihr anvertrauten Menschen helfen. Deshalb versucht sie, ruhig und gelassen zu bleiben und zu vermitteln, wo es nur geht. „Der tollste Satz, den ich gehört habe war: ‚Das können Sie sich auf den PC ziehen.‘ Da fiel mir dann als Antwort nur ein: ‚Den haben wir auf der Flucht verloren.“

Dass es Vertrauen gibt, bemerken die Helfer immer wieder und ziehen daraus ebenso ihre Kraft, weiterzumachen, wie aus der Trotzreaktion „Jetzt erst recht“. „Wenn die Kinder einem Bilder malen oder sofort ankommen, wenn man zur Tür hereinkommt, um von ihren Erfolgserlebnissen zu erzählen, dann ist das einfach nur schön“, sagt Marlene Abbé. „Oder wenn muslimische Frauen zu einem kommen und Rat in ganz persönlichen Fragen wollen, dann weiß man, das man das Vertrauen gewonnen hat“, ergänzt Angelika Grömmer.

Für Katja Wohlgemuth war das schönste Erlebnis eine gemeinsame Radtour: „Die großen Kulleraugen, als dem Kleinsten das Fahrrad überreicht wurde, werde ich nie vergessen.“ Ingrid Möller bekommt oft SMS von ihren Leuten, in der sie sich mittels Internet-Übersetzung bei ihr bedanken. „Und sonst strahlen sie mich immer an und sagen ‚Madame‘ zu mir – dabei will ich das gar nicht“, gesteht sie lachend.

Rentner und Berufstätige

So bunt gemischt wie die Flüchtlinge, so verschieden sind auch die Helfer. Männer und Frauen, Rentner und Studenten, Berufstätige oder Hausfrauen: Jeder leistet, wozu er im Stande ist. Die individuelle Betreuung von Flüchtlingen kann da prima in den eigenen Alltag integriert werden.

Doch es gibt in Bergkamen auch das Flüchtlingscafé, das für viele zu einer regelmäßigen Anlaufstelle geworden ist, oder der Sprachkursus, der von einem Lehramtsstudenten angeboten wird. Dazu stehen die Ehrenamtler in Kontakt zu Juditha Siebert von der Stadtverwaltung, Auf letztere lassen die Helfer nichts kommen. „Wir werden sehr gut unterstützt und betreut und erhalten Kontaktadressen in alle Himmelsrichtungen“, lobt Marlene Labbé – und alle nicken zustimmend.

Quelle: wa.de

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