Betty Jellinghaus: Sprachlehrerin in Soest

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Im Gemeindehaus der Johanneskirche unterrichtet die VHS-Dozentin Betty Jellinghaus zweimal in der Woche Deutsch. Dienstags und donnerstags lernen die Flüchtlinge, wie man sich in Soest verständlich macht.

Soest - Wie verständigen sich Menschen, die Kirgisch, Arabisch, Albaniasch und Kurdisch sprechen? Das ist nicht einfach, sagt Betty Jellinghaus, die den Asylbewerbern Deutsch beibringt.

„Guten Tag, ich heiße Alida und das ist meine Familie.“ So klingt es im Sprachkurs, der zweimal wöchentlich dienstags und donnerstags im Johannes-Gemeindehaus angeboten wird. Pfarrer Stefan Weyer unterstützt die Flüchtingshilfe. Geleitet wird der Kursus von der VHS-Dozentin Betty Jellinghaus, die mit großem Engagement Asylbewerbern Grundzüge der deutsche Sprache beibringt.

Das ist gar nicht so einfach, denn die gut 15 Teilnehmer des Sprachkurses stammen aus vielen verschiedenen Ländern und sprechen Kirgisisch, Arabisch, Albanisch, Serbisch, Pakistanisch und Kurdisch. „Wir verständigen uns hier mit einfachen Worten und Gesten“, sagt Betty Jellinghaus.

Seit Mai wird dieser Sprachkurs in Kooperation zwischen der Johannesgemeinde und der VHS angeboten. Die Teilnehmer lernen nach dem Buch „Erste Schritte plus.“ In der aktuellen Lektion geht es um das Thema Familie. Wer bin ich? Wie heißen meine Kinder? Wie viele Brüder und Schwestern habe ich? „Es geht darum, sich zu verständigen, Formulare auszufüllen und zu verstehen“, so Jellinghaus.

Hawa hat drei Kinder. „Meine Tochter ist in der 10. Klasse auf der Realschule und spricht schon drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Spanisch“, berichtet die Mutter stolz.

Saman Bahar ist seit einigen Monaten mit seiner Frau Aram und seinen Kindern in Soest. „Im Irak habe ich als Pharmazie-Assistent gearbeitet“, erzählt Saman. Er lebte mit seiner Familie im Norden Iraks. „Da ist Krieg“. Doch die Eltern und neun Brüder leben noch im Kriegsgebiet. Die Sorge um die Familie im Irak ist groß.

Asil Rehsul stammt aus Mazedonien. Zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern im Alter von 7, 5 und 2 Jahren lebt er seit vier Monaten im Flüchtlingsheim in der Waldstraße. 20 Tage hat die Familie in einem Übergangsheim gewohnt, bevor die Familie nach Soest kam.

Sie wohnen gerne in Soest. „Soest ist schön“, so die einhellige Meinung der Asylbewerber. „Soest is small aber beautiful“, meint Asil Rehsul. „Und die Luft ist gut“, nicken die Teilnehmer.

Seit 17 Monaten ist Zamir aus Albanien in Soest. Er ist heute zum ersten Mal beim Sprachkurs mit dabei. Seine Tochter Angie spricht inzwischen schon gut Deutsch und kann, wenn nötig, dolmetschen. „Es ist toll, wie schnell die Kinder neue Sprachen lerne“, sagt Betty Jellinghaus. „Dass so viele Sprachen in Soest gesprochen werden, ist für die Stadt eine Bereicherung.“ Besonders intensiv kümmert sich Betty Jellinghaus um zwei Frauen aus dem Irak, die Analphabetinnen sind. „Sie haben nie lesen und schreiben gelernt“, sagt die Dozentin. Doch das soll nun, hier in Deutschland, anders werden.

Damit die Eltern zweimal in der Woche Zeit haben, Deutsch zu lernen, können sie ihre Kinder während dieser Zeit in der Krabbelgruppe für Flüchtlingskinder abgeben. Für die Eltern ist es nur ein kurzer Weg, denn die Krabbelgruppe befindet sich gleich nebenan im Gemeindehaus. Heute sind es fünf Kinder, die betreut werden, sonst bis zu acht.

Eine Kinderpflegerin und eine Tagesmutter hat die Johannes-Kirchengemeinde eigens engagiert, um die Kleinen zu beaufsichtigen und zu fördern.

„In diesen Räumen war früher die Krabbelgruppe der Johannesgemeinde untergebracht, die sich aber aufgelöst hat. Jetzt nutzen wir die schönen Räume wieder“, freut sich Tagesmutter Anne Kaiser. Die Kinder, obwohl die einen Arabisch, die anderen Serbisch sprechen, kommen ganz gut miteinander klar. „Sie spielen zusammen und verständigen sich mit Händen und Füßen.“

Nach dem Frühstück im Küchenraum toben und spielen die Kleinen im großen Spielraum. Hier stehen Krabbeltunnel und Fahrzeuge, Puppenküche und Spielteppich für die Kinder bereit. Wenn der Sprachkurs der Eltern nach drei Stunden beendet ist, holen sie ihre Sprösslinge wieder ab.

Quelle: wa.de

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