Schüler und Lehrer geben in den Sommerferien Deutschunterricht

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„Beste Freunde“: Erwitter Oberstufenschüler kümmern sich um die Sprachförderung für Kinder und Jugendliche aus Asylantenfamilien – ganz zur Freude von (hinten, v.l.) Elisabeth Roemer, Wiebke Finster, Bettina Marbeck und Helga Schäfermeier.

Erwitte/Anröchte - Lehrerin Wiebke Finster und 73 Oberstufenschüler des Städtischen Gymnasiums Erwitte haben sich in den Sommerferien mehr vorgenommen, als jeden Tag auszuschlafen. Sie machen 67 Kinder und Jugendliche aus Asylbewerberfamilien mit der deutschen Sprache vertraut.

Ziel des Ferienprojektes ist, dass die neuen Freunde nach den Ferien mit einem besseren Wortschatz in den Schulalltag gehen. So geht Sprachförderung ganz pragmatisch.

Dass das Interesse groß ist, zeigt sich bereits daran, dass die Kinder und Jugendlichen mit Spaß bei der Sache sind und wissbegierig jeden Tag das Angebot nutzen. So finden sie schnell auch neue Freunde, können sich gleichzeitig besser integrieren. Bettina Marbeck, städtische Fachbereichsleiterin Dienstleistungen in Erwitte, sagt: „Dass sich die Oberstufenschülerinnen und -schüler um die Sprachförderung kümmern, ist der Schlüssel zum Erfolg: Denn die Hemmschwelle ist damit sehr niedrig, der Austausch läuft auf Augenhöhe. Und gleichzeitig profitieren beide Seiten.“

Auch in Anröchte werden die Kinder und Jugendlichen fit für die deutsche Sprache gemacht.

Ausgangspunkt für das ehrgeizige Projekt, das werktäglich parallel in Erwitte und Anröchte jeweils für etwa anderthalb Stunden stattfindet, waren Überlegungen beim ersten Stammtisch des Erwitter Netzwerks der Ehrenamtlichen, Sprachförderung für Asylbewerber-Kinder zu ermöglichen. Wiebke Finster, Lehrerin am Gymnasium, stellte ihren Einsatz für die Sprachförderung vor. Einige Überlegungen weiter stand fest, dass sie das Ferienprojekt organisieren würde. Drei Wochen vor den Ferien startete sie dann durch. „Alles musste geplant und vorbereitet werden. Es ist schön zu sehen, dass sich so viele Schülerinnen und Schüler einbringen. Mit einer solchen Resonanz hätten wir nicht gerechnet“, so die Organisatorin.Nach ersten Überlegungen, die Sprachförderung nur in Erwitte anzubieten, stand bald fest, dass der Bedarf auch in Anröchte gegeben war.

So nahm die städtische Fachbereichsleiterin Bettina Marbeck Kontakt zu ihren Kollegen bei der Gemeinde Anröchte auf. Sozialamtsleiter Ralf Hüls und sein Kollege Reinhard Lohoff nahmen die Anfrage aus der Nachbarschaft begeistert auf und stellten Räume in der Sekundarschule zur Verfügung. So findet auch dort ein täglicher Kurs für Kinder und Jugendliche statt, die in Anröchte wohnen – unter anderem begleitet von Engagierten aus dem Anröchter Ehrenamtlichen-Netzwerk zur Unterstützung der Asylbewerber.

Angenommen wird das Angebot in beiden Orten nun sowohl von Grundschülern als auch von Schülern der weiterführenden Schulen. Neben dem Gymnasium und der Sekundarschule sind auch alle weiteren Schulen in Erwitte und Anröchte mit im Boot. Als Beispiel sei die Erich Kästner-Grundschule Erwitte genannt, deren stellvertretende Leiterin Helga Schäfermeier neben Wiebke Finster gern ebenfalls Betreuungszeiten in der Mensa des Gymnasiums übernimmt.

Darüber hinaus sind auch in Erwitte zahlreiche Ehrenamtliche aus dem Netzwerk Ehrenamt und Asyl im Einsatz. Darüber freut sich nicht zuletzt Wiebke Finster: „Für sie war es ganz selbstverständlich, hier zu helfen und sich einzubringen.“

Die Fachbereichsleiterin äußerte sich sehr begeistert über die Resonanz und spricht vor allem den Ehrenamtlichen – besonders Wiebke Finster – ihren Dank aus. Und ebenso Elisabeth Roemer, Vorsitzende von Erwitte, hilft. Denn mit Unterstützung des Vereins war es möglich, Landesfördergelder in Höhe von 1 450 Euro für die Sprachförderung zu erhalten, die für Material und Verpflegung eingesetzt werden können.

Asylantenkinder, die die Grundschulen besuchen, werden laut Helga Schäfermeier im Zuge des Projektes übrigens über Sprachspiele, Bildergeschichten und viel Bewegung an die deutsche Sprache herangeführt. „Das Lernen läuft quasi nebenbei, ohne dass es verschult ist – es sind schließlich Ferien.“ Ältere Schülerinnen und Schüler lernen laut Wiebke Finster derweil mit ihren deutschen Freunden über entsprechende Bücher und anhand ganz unterschiedlicher Aufgaben. „Beste Freunde – Deutsch für Jugendliche“ ist auf den Büchern zu lesen, die es in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gibt. So ist der Titel durchaus Programm. Denn Freundschaften entstehen durch die täglichen Treffen sicher auch eine ganze Reihe.

Quelle: wa.de

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