Robel Weldeslasie und Girmay Hadish: Teil einer Fußballmannschaft

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Girmay Hadish (links) und Robel Weldeslasie trainieren seit drei Monaten mit den Senioren-Fußballern des TuS Belecke.

Warstein - Robel Weldeslasie und Girmay Hadish sind im Jahr 2013 aus ihrer Heimat Eritrea geflohen. Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung und Krieg brachten die beiden dazu, ihre Heimat und ihre Familien zurückzulassen. Seit drei Monaten sind sie Teil der Fußballteams des TuS Belecke.

Robel Weldeslasie fing mit acht Jahren an, Fußball zu spielen. Zunächst nur mit Freunden auf der Straße, später in einer richtigen Mannschaft. „Wir haben auch Spiele gehabt gegen andere Teams aus der Region“, erklärt der heute 25-Jährige. „Da haben wir aber auf Acker gespielt und nicht auf so einem Kunstrasen wie beim TuS Belecke.“

Ende 2013 machte er sich dann auf seine über 8000 Kilometer lange Reise nach Deutschland und flüchtete aus seiner Heimat, der eritreischen Hauptstadt Asmara. Er ließ dabei seine Mutter alleine zurück, denn sein Bruder wurde auf unbestimmte Zeit in die Armee eingezogen, sein Vater ist verstorben.

Zunächst führte es ihn zu Fuß in den Sudan, dann mit kleinen Pick-Ups, die für rund zehn Leute ausgelegt sind und mit 50 Flüchtlingen beladen werden, durch die Sahara. 14 Tage lang war er mit fremden Leuten unterwegs durch die Wüste bis nach Libyen. Auf dem Weg standen den Menschen bei Temperaturen zwischen 25 und 60 Grad Celsius lediglich 200 Milliliter Wasser pro Tag und Person zur Verfügung.

In Libyen angekommen, galt es, möglichst schnell Schmuggler zu finden und ausreichend zu bezahlen, um auf einem Boot unterzukommen. Wem das nicht gelingt, droht Gefängnis, Vergewaltigung, Ausbeutung oder sogar der Tod durch die Beduinen, die die Menschen umbringen und deren Organe nach Ägypten verkaufen, sollten die Familien die Opfer nicht rechtzeitig frei kaufen.

Von Küstenwache mit Hubschraubern gerettet

Bei Weldeslasies Überfahrt mit dem Boot nach Italien fiel der Motor aus. „Der Captain hatte keine Ahnung, was er tat. Es ging nur langsam voran. Wir haben gebetet, dass wir überleben“, erinnert sich der Eritreer. Am Ende wurden die Flüchtlinge von der italienischen Küstenwache mit Hubschraubern gerettet. Mit dem Zug ging es für Robel nach seiner Ankunft in Europa direkt nach Deutschland, München. In Dortmund kam er in seinem ersten Flüchtlingsheim unter. Weitere drei Heime folgten: „Dann bin ich an Karl Spiekermann gekommen, er hat mich da rausgeholt“, erklärt Robel. Rüthen war sein letztes Flüchtlingsheim. Jetzt wohnt er zusammen mit Girmay Hadish und zwei weiteren eritreischen Flüchtlingen in Belecke.

Robel Weldeslasie mit seinen Teamkollegen beim ersten Testspiel.

Schon in Rüthen ging er seiner Kindheitsleidenschaft Fußball nach. Seit er in Belecke wohnt, trainiert er beim heimischen TuS mit. Mittlerweile hat er eine Spielberechtigung für die neue Saison und freut sich bereits auf die ersten Spiele. „Ich bin Stürmer, manchmal auch ein bisschen Mittelfeld-Spieler“, verkündet Robel stolz. In den ersten beiden Testspielen kam er bereits zum Einsatz - erzielte kürzlich auch sein erstes Tor für den TuS Belecke.

"Fußball wird überall gleich gespielt"

„Die Leute sind alle so nett hier. Die Trainer und die Spieler haben mich und Girmay gut aufgenommen. Sie sagen uns immer Bescheid, wenn es was Neues gibt.“ Auch ihre Sprachkenntnisse werden beim Fußball gefördert: „Wir reden dort nicht nur Englisch, sondern mittlerweile auch Deutsch.“

Große Unterschiede zwischen Fußball in Eritrea und in Deutschland sieht er nicht: „Das Training ist gleich, Fußball wird überall gleich gespielt, aber die technische Ausrüstung ist hier natürlich besser.“ Fasziniert ist der 25-Jährige noch immer von den Geräten, die messen, mit welcher Geschwindigkeit sein Schuss über den Platz fliegt.

Der 19-jährige Girmay Hadish stammt aus dem kleinen Dorf Amberete-Gelba-Senafe an der Grenze zu Äthiopien. Gerne hätte auch er in seiner Kindheit Fußball gespielt, aber der Krieg gegen das Nachbarland beherrschte sein Leben. Als Kleinkind musste er sein Heimatdorf verlassen und kam noch in Eritrea in einem Flüchtlingsheim in Metera-Kamboka unter.

Erst 2008 kehrte er mit seiner Familie zurück. 2013 floh er mit nur 17 Jahren erneut. Seine Schulausbildung musste er dafür nach der neunten Klasse abbrechen. Seine Englischkenntnisse sind daher sehr gering, so dass Mitbewohner Robel die Fragen im Gespräch auf Tigrinya (eritreische Amtssprache) übersetzen muss. Dafür werden seine Deutschkenntnisse immer besser. In Soest besucht er eine Schule, in der er täglich acht Stunden Deutschunterricht hat.

Ein neues Zuhause in Belecke

Million Mesfun, Girmay Hadish, Robel Weldeslasie und Mheretab Andom leben in Belecke.

Dass es ihm jetzt wieder so gut geht, hätte er während seiner Flucht nicht erwartet. Acht Tage lang hat man ihn auf seinem Weg in der Wüste mit minimalen Speise- und Getränkerationen zurückgelassen. Auf die Frage, wie er das überleben konnte, antwortet er: „Für viele war es kritisch. Wir haben hinterher unseren eigenen Urin trinken müssen, um nicht auszutrocknen.“ In Libyen angekommen, wurde der heute 19-Jährige für vier Wochen als illegaler Einwanderer inhaftiert. Auch seine Reise über das Mittelmeer war kritisch. Dem Boot ging das Benzin aus, auch hier war die italienische Marine die letzte Hoffnung. In Deutschland ging es für ihn dann zunächst in Oberhausen, Dortmund, Unna und Hemer in Flüchtlingslager, bis auch er in Belecke ein neues Zuhause fand.

Seit Mai 2014 lebt er nun hier, wo er seinen Traum vom Fußball spielen verwirklichen kann: „Ich wollte schon immer spielen, jetzt hat Robel mich mitgenommen. Alle sind offen für uns und haben uns gut aufgenommen“.

Für die Zukunft hat er bereits Aussicht auf eine Arbeit, und viele Ehrenamtliche helfen Robel und Girmay regelmäßig dabei, Deutsch zu lernen und sich zu integrieren. Sogar musikalisch werden sie gefördert: Margret und Martin Schulte-Gebing aus Sichtigvor besuchen die beiden und ihre Mitbewohner Million und Mheretab regelmäßig. Während Margret Schulte-Gebing viel mit Robel Deutsch lernt, musiziert ihr Mann mit den Flüchtlingen aus Eritrea.

Von Pauline Nolte

Quelle: wa.de

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