Mujamad Elachkar: Fotograf aus Syrien

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Mujamad Elachkar (53) ist oft in Werne unterwegs.

Werne - „Wir wollten weder religiös noch politisch sein“, beschreibt Mujamad Elachkar die Haltung seiner Familie gegenüber Obrigkeit und fanatischen religiösen Gruppen in Syrien. Elachkar ging mit seiner Familie in den Libanon. Er selber lebt seit Januar als Asylbewerber in Werne.

Elachkar stammt aus der Stadt As-Suwayda im Süden Syriens. Er gehört mit seiner Familie der Glaubensrichtung der Drusen an, die sich zur Einzigkeit Gottes bekennen, was aber keine gottesdienstlichen Handlungen erfordert. Diese Volksgruppe stellt in Syrien eine Minderheit dar. „Wir praktizieren keine Religion“, distanziert sich Mujamad von religiösen Praktiken.

„Bis der Krieg ausbrach, haben wir in unserer Heimat gut gelebt. Ich arbeitete als Fotograph und meine Frau als Gynäkologin“, beschreibt der Flüchtling, der Grafik-Design studiert hat, sein früheres Leben. „Uns ging es gut. Wir konnten reisen. Wir hatten ein schönes Haus, viele Freunde und ein sehr schönes Land. Unsere Kinder sind unbehelligt aufgewachsen. Wir haben niemals gedacht, dass wir die Heimat einmal verlassen müssten“, so Elachkar.

Mit dem Krieg wurde alles anders. „Wir gerieten zwischen die Fronten. Sowohl von Regierungsseite als auch von religiöser Seite wurden wir aufgefordert, zu kämpfen. Das wollten wir nicht. Wir leben im 21. Jahrhundert, da gibt es andere Wege, Konflikte auszutragen“, beschreibt der 53-Jährige die Geschehnisse in seiner Heimat. Probleme mit den Behörden Seine Frau Elena bekam Schwierigkeiten mit den Behörden, weil sie als Ärztin eine muslimische Familie behandelte. „Wir wurden vorsichtiger. In der Nachbarschaft hörten wir von Entführungen von Kindern, womit die beiden rivalisierenden Gruppen Geld für den Krieg erpressten.

Wir haben lange überlegt, ob wir das Land verlassen, aber irgendwann wurde der Druck immer größer. Jeden Tag fielen Bomben und ermordete Menschen lagen in den Straßen“, schildert Elachkar die Verhältnisse. Die Familie verkaufte ihren Besitz in As-Suwayda und ging in den Libanon. Von dort trat Mujamad allein die Flucht nach Deutschland an, um für sich und seine Familie um Asyl nachzusuchen.

Er kam über die Türkei und Italien ohne eine Registrierung nach Deutschland. „Ich möchte nicht mehr im Nahen Osten leben, der Krieg ist da überall. Deutschland scheint mir das Land, in dem wir eine Zukunft haben können“, schaut der 53-Jährige nach vorne. Bis zur Bearbeitung seiner Unterlagen als Asylbewerber wäre Elachkar zum Nichtstun verurteilt gewesen. „Ich will auch in Werne aktiv sein“ „Ich habe immer gearbeitet und Sport getrieben. Da war es für mich klar, dass ich auch in Werne irgendwie aktiv sein wollte“, sagt er.

Zwei Mal wöchentlich besucht er einen Deutschkursus und ist jeweils morgens in der Fahrrad-Werkstatt aktiv, in der Räder für Flüchtlinge aufbereitet werden. Da ist auch die Idee geboren, eine Skulptur aus Reifen anzufertigen. „Ich möchte etwas hinterlassen, wenn ich Werne mal verlasse“, sagt der Designer. In Werne fühlt sich Mujamad wohl. „Die Innenstadt ist schön, aber doch recht leer. Deutsche Familien leben ganz anders als arabische Menschen. Bei uns spielt sich das Leben im öffentlichen Raum ab, hier liegen die Gärten hinter den Häusern. Die Menschen sind eher zurückgezogen.“

So oft wie möglich erkundet er die Gegend rund um die Lippestadt und hat dabei schon so manches Kleinod entdeckt, was Alteingesessene längst nicht mehr wahrnehmen.

Quelle: wa.de

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