„Auf das Miteinander kommt es an“

Jugendfeuerwehr Erwitte unterstützt Flüchtlinge mit Fahrradprojekt

+
Weit mehr als 60 Fahrräder wurden gestiftet. Ein großer Teil wurde von den Aktiven der Jugendfeuerwehr, zusammen mit den Flüchtlingen, fahrbereit gemacht. Zum Schluss griffen die Mädchen zum Putzlappen und brachten die Drahtesel auf Hochglanz.

Erwitte - „Wir brauchen mal den 15er Schlüssel!“, „Könnte ich mal bitte die Luftpumpe wiederhaben?“ und „Wo bitte sind die neuen Dynamos geblieben?“ Während diese und zahlreiche andere Fragen, Bitten, Feststellungen immer wieder in der Fahrzeughalle des Feuerwehrhauses Erwitte an der Berger Straße tönen, gleichen die Stellplätze, wo sonst die Einsatzfahrzeuge zum Ausrücken parat stehen, einer überdimensionierten Fahrradwerkstatt.

Von Michael Görge und Ronja Sahm

Die Mädchen und Jungen der Feuerwehr Erwitte, unterstützt u.a. von den Jugendwarten um Christian Sahm und Stefan Sültrop, hantieren nicht mit Strahlrohr und Schlauch, sondern mit Schraubenziehern und -schlüsseln, mit Zangen oder auch mal, wenn’s nötig ist, mit dem Hammer. Greifen zudem zu Ölkännchen und sogar Putzlappen.

Hinter diesen ungewohnten Tätigkeiten, jenseits des normalen Übungsabend als Nachwuchsfeuerwehrfrauen und -männer, stehen die höchst ehrenwerten Gedanken der Hilfe, des Unterstützens und das hohe Maß des menschlichen Miteinanders, das jede Anerkennung verdient: Aus einer spontanen Idee heraus engagieren sich die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Jugendwarte schon seit einigen Monaten für die Flüchtlinge im Stadtgebiet Erwitte. Eine stattliche Anzahl, wohl mehr als 60, an Fahrrädern, zum Teil gespendet, u.a. auch aus eigenen Reihen, wurden repariert und fit gemacht, um den Flüchtlingen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die im Erwitter Stadtgebiet Aufnahme und eine sichere Bleibe fanden, ein kleines Stück Mobilität zu geben.

Zusammen mit den Flüchtlingen traf man sich im Feuerwehrhaus zu einem Reparaturabend. Denn dort wartete eine ganze Flotte von Zweirädern auf neue Besitzer. Da einige dieser Räder noch reparaturbedürftig waren, hatten die Mitglieder der Jugendfeuerwehr im Vorfeld Reparatur-Stationen aufgebaut und eine große Anzahl an Leuchtmitteln, Bremszügen, Schlössern und anderen Ersatzteilen besorgt. Dazu gab’s eine finanzielle Hilfe von Seiten des Landes NRW. Elisabeth Roemer, Vorsitzende von „Erwitte hilft“, berichtete, dass entsprechende Geldmittel der Vereinigung für die Förderung ehrenamtlicher Initiativen zur Verfügung gestellt wurden.

Christian Sahm, Stadtjugendfeuerwehrwart, begrüßte die Flüchtlinge aus verschiedenen Nationalitäten und Jahrgängen sowie Brigitte Strauch, Marita Lange und Thomas Reeker vom Integrationskreis sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Für die spanische Übersetzung sorgten zwei der Jugendlichen. Danach war Arbeiten an den Fahrrädern angesagt und Mädchen aus Reihen der Jugendfeuerwehr griffen gar noch zu Putzlappen und -eimern und wienerten die Bikes. 23 Fahrräder wurden allein an diesem Abend verkehrstüchtig gemacht, die von den Flüchtlingen mit ehrlicher Freude und großer Dankbarkeit in Empfang genommen wurden.

„Vordergründig für die Jugendfeuerwehr war hierbei aber auch das gegenseitige Kennenlernen“, beschrieb Christian Sahm im Gespräch und ergänzte: „Nach anfänglichen Unsicherheiten kam man dann aber doch in unterschiedlichen Sprachen und mit Händen und Füßen ins Gespräch und es herrschte eine fröhliche Stimmung. In Anbetracht der Tatsache, dass uns täglich traurige Bilder und Nachrichten in den Medien erreichen, in denen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte auf beschämende Weise angegriffen werden, stellen sich die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Erwitte bewusst dagegen: „Unsicherheiten und Vorurteile können nur durch eine gemeinsam gelebte Integration abgebaut werden“, heißt die Devise der jungen Brandschützer. Und so lautet ihr Appell „Mit gutem Beispiel voran.“ Respekt dafür!

Quelle: wa.de

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare