Hubertus Cramer: Pensionierter Lehrer unterrichtet Deutsch

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Sprache als Schlüssel zur Integration: Mit dem pensionierten Lehrer Hubertus Cramer pauken die Flüchtlingskinder in der Edith-Stein-Schule Deutsch.

Geseke - Flüchtlingskinder sprechen oftmals kein Wort Deutsch. Die pensionierten Lehrer Hubertus Cramer, Maritha Bigge, Luise Holtgrewe, Irmgard Poppe und Beate Lehmenkühler geben auf Initiative des Pastoralverbundes und der Schulen ehrenamtlich Deutschunterricht. Sie wollen helfen.

Die Kirche finanziert die Lehrmittel für die Kinder. Die heimischen Schulsozialarbeiter organisieren den Unterricht, den die fünf Lehrer mit großer Begeisterung ehrenamtlich leiten.

Wie heißt Du? Ich heiße Clirim. Woher kommst Du? Ich komme aus dem Kosovo. Der Dialog mit Clirim Krasniqi ist für Hubertus Cramer am Dienstagnachmittag ein Kinderspiel. Kein anderer Schüler seiner Gruppe kann schon so gut Deutsch sprechen wie der 15-jährige Albaner, der vor zwei Monaten mit seinem Vater nach Geseke gekommen ist.

In Albanien habe er oft deutsches Fernsehen geschaut, erklärt Clirim. Er weiß um die Bedeutung der Sprache. In Deutschland möchte er schließlich mal studieren oder als KFZ-Mechaniker arbeiten.

Verständigung mit Händen und Füßen und viel Geduld

Dieses Bewusstsein, so hat Cramer festgestellt, sei allerdings bei seinen neuen Deutsch-Schülern unterschiedlich stark ausgeprägt. „Viele Kinder kommen vom Balkan und wissen gar nicht, wie lange sie bleiben dürfen“, erklärt der pensionierte Lehrer, der bis vor einem Jahr am Gymnasium in Erwitte Italienisch, Französisch und Geschichte unterrichtete. Auffällig, so Cramer, seien auch ein Ungleichgewicht beim Sprachverständnis. „Manche haben viel mehr Zugang zur Sprache als andere“, so Cramer.

Dennoch sind alle Sprachschüler mit dem gleichen Eifer bei der Sache. Mit Händen und Füßen, mit Mimik und Gestik, vor allem mit vielen Wiederholungen und ganz viel Geduld findet Cramer einen Zugang zu den Flüchtlingskindern. Die Sprache, da ist sich der Pädagoge sicher, ist der Einstieg, um in der neuen Umgebung Fuß zu fassen.

„Berliner Platz 1“ heißt übrigens das Lehrbuch, mit dem Cramer den älteren Schülern deutsche Alltagskonversation näher bringt. Die Kinder im Grundschuler-Alter lernen derweil mit dem Buch „Hallo Anna“. Sie bilden zunächst einfache Sätze mit Zahlen. „Das klappt mit dem Buch sehr gut“, gewährt Maritha Bigge Einlick in ihre Unterrichtsstunden.

Zweimal pro Woche findet die Gruppenarbeit statt. "Am liebsten hätten wir natürlich jeden Tag eine Stunde Unterricht", sagt Sozialarbeiter Frank Hunold. "Aber nur mit ehrenamtlichen Helfern ist das wohl nicht machbar."

Von Dominik Friedrich

Quelle: wa.de

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