Eine sportliche Heimat gefunden

Natan Iwu und Malik Diakite trainieren in Hammer Fußballverein

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Gemeinsam am Ball: Natan Iwu (links), Malik Diakite (rechts) und Trainer Maamman Kaichouh in Hamm.

Hamm - Die Sonne scheint über dem Trainingsgelände des TuS 1859 Hamm, während die Spieler der Kreisliga A-Mannschaft den Rasen betreten und ihre Trainingseinheit beginnen. Unter ihnen sind Natan Iwu und Malik Diakite. Beide tragen das gleiche grüne Trikot wie ihre Mannschaftskameraden, doch sie sind nicht spielberechtigt und dürfen in Pflicht- und Testspielen nicht für den TuS auflaufen.

Die jungen Männer sind als Flüchtlinge aus Afrika nach Hamm gekommen und hoffen hier auf eine bessere Zukunft als in ihrer Heimat. Wenn Natan Iwu vom Abschied von seiner Familie in Nigeria erzählt, schaut er auf den Boden und spricht mit leiser Stimme. In einer Zeit, in der zweifelsohne jeder Mensch bei seinen Liebsten sein möchte, verließ Iwu seine vier Schwestern, die fünf Brüder und seine Eltern – an Weihnachten des vergangenen Jahres. In seiner Heimat war Fußball für ihn das Wichtigste. Er kickte nicht nur auf der Straße mit Freunden, sondern auch beim Amateurklub Elamax FC, der allerdings wegen finanzieller Probleme nicht mehr existiere. Und als die islamistische Terrorgruppe Boko Haram immer brutalere Anschläge fährt, ist für Iwu klar, dass er seine Heimat verlassen muss, wenn er weiter Fußball spielen möchte.

Sein Weg führt ihn durch die Sahara über eine der am häufigsten genutzten Fluchtrouten in die Türkei und nach Griechenland. Von dort reist er weiter nach Mazedonien, wo er sich teilweise tagelang in Büschen und Sträuchern verstecken muss, weil kriminelle Banden Jagd auf die als Freiwild geltenden Flüchtlinge machen. Über Serbien, Ungarn und Wien gelingt es dem athletischen Nigerianer schließlich mit dem Zug bis nach Frankfurt zu kommen. Jetzt ist er – zumindest vorerst – angekommen in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Hamm, und auch Fußball kann der 19-jährige endlich wieder spielen.

Die Odyssee seines Schicksalsgenossen Malik Diakite dauerte erheblich länger. Als in seiner Heimat Guinea das Ebola-Virus ausbrach, floh der 21-jährige zunächst nach Marokko, um sich in die Hände von Schleppern zu begeben und mit dem Boot nach Spanien überzusetzen. Die gefährliche Reise gelang, und so kämpfte sich Diakite über die Schweiz und Belgien nach Deutschland durch – seit seiner Abreise aus seiner Heimatstadt Conakry sind bereits dreieinhalb Jahre vergangen, von seiner Familie hat er in dieser Zeit jedoch nichts gehört. Während seines Aufenthalts in der zwischenzeitlichen Notunterkunft in der Alfred-Fischer Halle in Hamm hielt er sich mit Joggen fit und kämpfte so gegen die Langeweile und ständige Ungewissheit ob er in Deutschland bleiben darf an.

Dort lernten die beiden Asylsuchenden Mohamed Chouieikh kennen, der als Betreuer für den ASB arbeitet und Iwu sowie Diakite beim Kicken auf dem Hof beobachtete Chouieikh erkannte das Talent und die Spielfreude der beiden und stellte schließlich den Kontakt zum TuS 59 Hamm her. Seit Anfang August trainieren die Fußballer nun dreimal in der Woche mit der Kreisliga-Mannschaft und sind endlich wieder glücklich gegen den Ball treten zu dürfen.

Auch die Sprachbarriere gerät auf dem Rasen zur Nebensache. Diakite spricht bereits Deutsch und Iwu verständigt sich durch Rufe und Laute. Jetzt fehlt nur noch die Aufenthaltsgenehmigung, damit die beiden auch in Punktspielen eingesetzt werden. Bis dahin ist das Duo erstmal froh, zumindest eine sportliche Heimat gefunden zu haben.

Quelle: wa.de

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