Ingrid Spiekermann ist ehrenamtliche Lehrerin für Flüchtlinge

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Ingrid Spiekermann unterrichtet ehrenamtlich Flüchtlinge.

Werne - Ingrid Spiekermann gibt zwei Mal in der Woche Unterricht für Zuwanderer zwischen Mitte 20 und 50 im Schulzentrum oder im Juwel. Bis vor zwei Jahren war sie Englisch- und Deutschlehrerin an einer Realschule in Lünen. Mit Eike Rüdebusch sprach sie darüber, was sie in ihrem Ehrenamt erlebt.

Was ist der größte Unterschied zwischen ihren damaligen und ihren jetzigen Schülern?

Spiekermann: Früher hatte ich Klassen von knapp 30 Schülern und die waren mal mehr mal weniger motiviert. Heute habe ich kleine Gruppen und da sind alle hochmotiviert.

Woran liegt das?

Spiekermann: Deutsch zu lernen ist unerlässlich für die Männer. Wer sich integrieren und hier eine neue Heimat finden will, der muss einfach Deutsch lernen. Das wollen die Männer auch.

Wo liegen die größten Schwierigkeiten?

Spiekermann: In dem Kurs, den ich hier unterrichte, sitzen nur Syrer. Von denen können etwa 30 Prozent eine Fremdsprache wie Englisch und damit das lateinische Schriftbild. Wer nur Arabisch kann, hat es deutlich schwerer. Dadurch entwickeln sich sehr schnell große Niveauunterschiede innerhalb der Gruppe. Und dazu kommen dann Probleme in der Lebenssituation der Menschen.

Was sind das für Probleme?

Spiekermann: Die Schüler haben zum Teil weite Wege aus ihren Flüchtlingsunterkünften. Sie kommen nicht alle aus Werne. Zudem leben sie mit Menschen aus verschiedenen Nationen in einem Zimmer oder einem Heim. Da gibt es teils bis zu 33 Nationen mit bis zu 45 Sprachen. Und es herrscht wenig Ruhe dort. Da ist es nicht immer ruhig genug für Hausaufgaben.

Kommen die Schüler regelmäßig in ihren Kurs?

Spiekermann:  Ich habe hier eine Art Kerngruppe, die aus sechs Syrern besteht. Das sind alles Familienväter. Die sind schon sehr regelmäßig da. Zwei von ihnen haben jetzt aber einen Job gefunden und kommen deswegen seltener. Es kommt aber immer wieder vor, dass Schüler nicht kommen, weil es ihnen schlecht geht. Manchmal sind sie niedergeschlagen, wenn sie schlechte Nachrichten von ihren Familien bekommen. Immerhin kommen sie aus einem Kriegsgebiet. Das beschäftigt sie natürlich enorm.

Kommen auch neue Schüler in ihre Gruppen?

Spiekermann: Es kommen immer wieder neue Flüchtlinge dazu. Um diese besser zu halten, haben wir die Anfängergruppe schon aufgeteilt. Mein Kollege Hans-Werner Georg übernimmt dann die ganz neuen Gesichter hier.

Was vermitteln Sie den Schülern hier im Kurs?

Spiekermann: In erster Linie müssen sie Vokabular und verständliche Aussprache lernen, und natürlich auch, deutsche Texte zu verstehen. Auch schreiben müssen sie können, und Gehörtes verstehen. Die Flüchtlinge müssen also viele verschiedene Kompetenzen erlernen. Zwei Mal eineinhalb Stunden die Woche sind da eigentlich zu wenig.

Wie sind sie dazu gekommen, den Flüchtlingen Unterricht zu geben?

Spiekermann: Nach meiner frühen Pensionierung wollte ich eigentlich ein Ehrenamt mit Senioren übernehmen. Aber eine Freundin, die auch hier unterrichtet, meinte, die Arbeit mit Flüchtlingen würde gut zu mir passen. Ich habe ja immer gern unterrichtet. Dann bin ich mit dem Arbeitskreis Flüchtlinge in Sitzungen mit der Stadt gegangen, habe das Flüchtlingsheim besucht und dann im April angefangen, Unterricht zu geben. Ich hatte viel Glück im Leben. Ich finde, wenn es einem gut geht, sollte man das auch teilen.

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Quelle: wa.de

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