Fußball verbindet den Syrer "Smile" mit Ehringhausern

+
Ismail Al Khalil Al Ibrahim (Mitte) mit seinen Mannschaftskollegen: Fußball verbindet.

Ehringhausen - Lächeln. Das ist Ismails Markenzeichen. Unfassbar, wenn man hört, was er durchgemacht hat. Der 22-jährige Syrer lebt seit Dezember in Deutschland. Hinter ihm liegt eine Flucht über rund 4000 Kilometer.

Geflohen ist er vor der Terrororganisation Islamischer Staat. Smile – so möchte er von nun an genannt werden – hat ein neues Zuhause gefunden. Das verbindende Element: der Fußball.

„Pass the ball. Only two contacts. Speed!“ – wenn Ismail mit seinen neuen Mannschaftskollegen beim TuS Ehringhausen im Training kommunizert, geschieht das auf Englisch. Anders geht es auch nicht, denn der Asylbewerber spricht noch kein Deutsch, auch wenn er es gerne so schnell wie möglich lernen möchte. Aber Fußball funktioniert eben auch allzu oft ohne Worte – das sieht man in der multikulturellen Bundesliga jedes Wochenende.

Als der junge Flüchtling aus dem Geseker Asylbewerberheim nach Ehringhausen versetzt wurde, schaltete Dietrich Braun am schnellsten. Der Wärter hörte, dass Ismail leidenschaftlich gerne kickt, und rief prompt Luca und Claudio Hauswirth an: „Der spielt gerne Fußball, lasst ihn doch mal bei euch mitspielen!“

Ankommen - das schönste Gefühl der Welt

Und es passte auf Anhieb. Mit seinem sonnigem Gemüt gewann der Syrer sofort die Herzen der Ehringhäuser: „Alle sind so freundlich hier. Die Menschlichkeit ist zu spüren. In Geseke war ich fast den ganzen Tag allein. Hier erfahre ich keine Ablehnung.“ Er sei endlich angekommen. Nach einer derartig langen Reise wohl erstmal das schönste Gefühl der Welt.

Alleine floh er aus Syrien, um sein Leben zu retten. Zu Fuß wanderte er dann durch die Wälder der Türkei, Bulgariens, Rumäniens, Ungarns und schließlich Österreich, bis er es nach Deutschland schaffte. Sechs Monate – ständig in der Angst, entdeckt zu werden: „In Bulgarien wurde ich von der Polizei verprügelt. Die wollen keine Flüchtlinge.“

"In Syrien habe ich keine Familie mehr"

Als er auf dem Weg seine Freunde kontaktiert, erfährt er, dass seine Eltern vom IS getötet worden sind: „In Syrien habe ich keine Familie mehr. Hier habe ich eine neue gefunden.“ Nur mit Jeans und T-Shirt kam er in Deutschland an. An Sportkleidung war also nicht zu denken. Aber da wussten die TuSler Abhilfe zu schaffen: „Als Smile das erste Mal beim Training war, haben die Vereinsmitglieder rund 20 Kisten mit Trainingsshirts, Hosen und Fußballschuhen gebracht. Ich glaube, er ist jetzt besser ausgerüstet als ich“, lacht Luca Hauswirth, der sich über den syrischen Neuzugang tierisch freut.

Hoffnung auf ein neues Leben in Ehringhausen

„Wir waren auch schon zusammen beim Osterfeuer und auf dem Mannschaftsabend in der Disko war er auch dabei,“ sagt der Fußballer. In Syrien hat Ismail alias Smile übrigens in der U21-Nationalmannschaft gespielt. Allerdings ohne große Erfolgschancen, wie er erklärt: „Der Sport in Syrien ist korrupt. Wenn man reich ist, spielt man und wenn man kein Geld hat, spielt man eben nicht.“ Außerdem sei Fußball in dem arabischen Land auch eher ein Freizeithobby, in Deutschland werde da schon mehr trainiert.

Wie lange der 22-Jährige in Deutschland bleiben kann, weiß er nicht. Er würde aber gerne hier sein Leben aufbauen und sein Studium der Business-Mathematik fortführern. Dass er – auch dank des Fußballs – so gut in Ehringhausen integriert ist, könnte ihm bei seinem Antrag durchaus helfen. 

Von Henrike Raestrup

Quelle: wa.de

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare