Franz-Josef Dahmen: Schrauber für die Mobilität 

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Posen am Schloss Nordkirchen: Einige Asylsuchende machten sich am Wochenende auf eine Radtour um Werne.

Werne - Die Sache mit den Fahrrädern für Flüchtlinge hat eine Eigendynamik entwickelt, die Franz-Josef Dahmen so selber nicht für möglich gehalten hätte. Derzeit hat er noch etwa 20 Räder auf Lager, die er zusammen mit Mujamad Elachkar repariert hat.

Die Räder werden an Flüchtlinge verliehen. Im Oktober des vergangenen Jahres begann alles ganz harmlos. Ingrid Hidalgo, Mitglied im Ortsverband der Grünen, hatte um ein Fahrrad gebeten, das sie an einen Asylbewerber weitergeben wollte. Statt des einen Rades kamen gleich 25 zusammen.

Franz-Josef Dahmen half, diese Fahrräder aus dem weiteren Umkreis zusammenzuholen. Dahmen selber ist ambitionierter Radler. Diese Begeisterung kann er hervorragend bei der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge (AGF), die das Ehepaar Steiger ins Leben gerufen hat, in die Tat umsetzen. Die 25 Räder waren schnell weg.

Mujamad Elachkar entpuppte sich als Glücksgriff

In der Fahrrad-Werkstatt: (v.li.) Franz-Josef Dahmen, Mujamad Elachkar, Dr. Hermann Steiger und Bernhard Schlierkamp.

Neue kamen und Anfang Juni brachte Dahmen noch einen Aufruf nach Fahrrädern auf den Weg. Er bekam 48 Gefährte, die allesamt noch verkehrstauglich gemacht werden mussten. Dabei brauchte er natürlich Hilfe. Mujamad Elachkar, ein Asylbewerber aus Syrien, entpuppte sich als Glücksgriff. Der Grafik-Designer und Dahmen sind zu einem guten Team zusammengewachsen, das alle Reparaturhürden meistert. Elachkar freut sich über diesen „Job“. Das sei eine gute Chance, mit Menschen, aber auch mit der Kultur in Verbindung zu kommen, sagt er.

Er hat darüber hinaus auch die Idee für die Fahrradtour mit den Flüchtlingen geliefert, die am vergangenen Wochenende stattfand. „Wir erhalten Hilfe von allen Seiten“, freut sich Dahmen über die Unterstützung. Um die Reparaturen durchführen zu können, wurde erst einmal ein Raum benötigt. Den stellt Bernhard Schlierkamp in seinem Haus an der Stockumer Straße vor-übergehend zur Verfügung. Die beiden „Schrauber“ haben dort einen Raum für die Reparaturarbeiten und können in einer Garage die Fahrräder lagern. Eine zweite Lagermöglichkeit hat das THW bereitgestellt.

Mitarbeiter der Radstation helfen aus

Nicht immer sind die gespendeten Fahrräder in bestem Zustand. Ersatzteile sind also gefragt. „Die liefern die Spender manchmal auch mit“, erzählt Dahmen. Zukäufe werden von Spenden aus den Mitteln der AGF bestritten. Wenn es ganz kniffelig wird, helfen die Mitarbeiter von der Radstation des Perthes-Werkes am Bahnhof aus.

Von den fertigen Fahrrädern konnten seit Beginn der Aktion schon 46 vermittelt werden. Für den Verleih der Räder hat sich Franz-Josef Dahmen ein besonderes Prozedere einfallen lassen. „Ich stelle jedem Asylbewerber, der ein Fahrrad leiht, einen Ausweis mit Foto aus“, erläutert er. Die Räder werden mit Nummern versehen, so dass bei Kontrollen oder einer späteren Rückgabe keine Probleme entstehen. Die Räder können nur leihweise abgegeben werden, da die Asylbewerber laut Verordnung keinen persönlichen Besitz haben dürfen.

Nur bei den Kinderfahrrädern kann da mal eine Ausnahme gemacht werden. So ein Besitz eines Fahrrades ist nicht für jeden Asylbewerber eine Selbstverständlichkeit. „Viele haben so etwas in ihrer Heimat gar nicht besessen. Und viele kennen auch die bei uns üblichen Verkehrsregeln nicht“, weiß Dahmen.

Und aus diesem Grund erhält jeder Asylbewerber zum Fahrradausweis auch einen Bogen mit den wichtigsten Verkehrszeichen. Die Bedeutung wird in Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch erklärt. Damit haben sich auch die Verleiher abgesichert, denn Fahrtraining gehört dann doch nicht mehr zu ihren Aufgaben.

Quelle: wa.de

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