Amena aus Syrien: "Berge ist super und beautiful"

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Judi (l.), Amena (2.v.l.), Hanan (4.v.l.), Norjan (5.v.l.), Samir (2.v.r.) und Rudi (r.) sind in Berge angekommen. Die Syrer haben viele Freunde gefunden – zum Beispiel ihre Nachbarinnen Eva Rehberg (3.v.l.) und Magdalene Tillmann.

Berge - „Berge ist super und beautiful“, sagt Amena in gebrochenem Deutsch und lacht. Die 41-jährige Syrerin wohnt seit Dezember mit ihrer Familie in Berge. In dem Haus an der Erwitter Straße hat die Gemeinde Anröchte Wohnungen für drei Flüchtlingsfamilien aus Syrien und Albanien angemietet.

Wohnungen, die für die Menschen, die in ihnen leben, Sicherheit bedeuten. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Und noch etwas ist es, das ihnen das neue Leben in der für sie fremden Kultur erleichtert: In Berge gibt es Menschen, die sie mit offenen Armen willkommen heißen.

Die Sonne scheint, die Stimmung ist gelöst. Amena, ihr Mann Hanan (46) und die vier Kinder Norjan, Samir, Rudi und Judi haben Besuch von Amenas Bruder und seiner Frau. Es ist das erste Treffen der Geschwister – seit sechs Jahren.

Vorher haben sie in der kurdischen Stadt Afrin (Nordsyrien) gelebt. Die liegt rund 60 Kilometer von Aleppo entfernt. Flüchtlinge suchen dort Schutz, aber es mangelt an allem. Deshalb ist die Freude groß, als sich die Geschwister wiedersehen.

Kulinarisches aus Syrien oder Albanien zum Dank

Amena hat eine Porzellanschüssel zerdeppert. Scherben bringen Glück. Und Eva Rehberg eine neue Schüssel. Als Nachbarin hat Eva Rehberg die Flüchtlingsfamilien am 10. Dezember gemeinsam mit Hans und Magdalene Tillmann in Berge willkommen geheißen, Hilfe angeboten, eine Whats-App-Gruppe gegründet und ein „riesiges Berger Netzwerk“ aktiviert. Nachbarschaftshilfe 2.0.

Ist Not am Mann, wird eine Nachricht geschrieben und so zum Beispiel ein Kühlschrank oder Bett organisiert. Manchmal geht es auch nur um die Fahrt zum Arzt, zum Einkaufen (die Verkehrsanbindung ist problematisch), die Amtsbescheinigung, den Weihnachtsbaum oder die Einladung zur Karnevalsfeier.

Zum Dank gibt’s bedingungslose Gastfreundschaft, Kulinarisches aus Syrien oder Albanien, wie zum Beispiel einen Kaffee mit Kardamom, oder eine herzliche Umarmung. Es ist ein Geben und Nehmen. Allerdings: „Die Sprache ist ein großes Problem“, sagt Ortsvorsteher Hans Tillmann.

Aus guter Nachbarschaft wird Freundschaft

Magdalene Tillmann (l.) mit Khamis, Samer, Ahmed (4 Jahre), Razan und Baby Taim (7 Monate).

„Teilweise sprechen wir Englisch, unterhalten uns mit Händen und Füßen und dann gibt es ja auch noch Google Translator“, sagt er und lacht. „Irgendwie bekommen wir es immer hin.“ Mittlerweile ist aus der guten Nachbarschaft wohl eher eine Freundschaft geworden. Das multikulturelle Miteinander bereichert das Dorfleben. Und so ist es auch kein Wunder, das die „Neu-B(u)erger“ in diesem Jahr zum ersten Mal Karneval gefeiert haben. „Es war wunderbar“, sagt Samer (31), der mit Frau Razan (26), seinen Kindern und seinem Bruder Khamis (30) aus der syrischen Hafenstadt Latakia geflohen ist, weil er nicht wollte, dass seine Kinder im Krieg aufwachsen.

 „Wir fühlen uns sehr willkommen in Berge, haben tolle Menschen kennengelernt. Es ist wie eine große Familie“, sagt er und schickt auch einen Dank an die Gemeinde Anröchte und die Caritas. Gerne würde die Familie bleiben, Deutsch lernen, arbeiten. „Wir fühlen Sicherheit und Freiheit, hoffen auf Frieden in Syrien und Demokratie.“ Denn dort leben immer noch seine Eltern, Schwestern und Khamis Frau und Kinder.

Willkommen sind sie: Beim Kicker-Turnier im Dorfgemeinschaftsraum wollen die Berger mit ihren neuen Nachbarn demnächst weiter Deutsch üben. Zu vielen Gelegnheiten soll es Buzuq-Klänge geben: „Dann legen wir auch Würstchen aus Geflügelfleisch mit aufs Grillrost“, sagt Hans Tillmann und lacht.

Von Carolin Cegelski

Quelle: wa.de

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