Darman Hawere: Lkw-Fahrer aus dem Irak

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Bürgermeister Manfred Gödde und Gregor Schlief begrüßten gestern die Familie Hawere aus dem Irak in Warstein.

Warstein - „Wenn unsere Kinder erwachsen sind, sollen sie sagen, dass Mama und Papa alles richtig gemacht haben“, wünscht sich Darman Hawere. Der 36-Jährige ist mit seiner Frau Klestan, seinem älteren Bruder und seinen fünf Kindern aus dem Irak nach Deutschland geflohen. Seit einer Woche hat die Familie in Warstein Zuflucht gefunden. Hinter ihnen liegen die Verfolgung durch die IS-Terroristen und eine Flucht aus der Heimat in eine ungewisse Zukunft.

Die Haweres sind Jesiden und gehören damit einer religiösen Minderheit an, die von der Terrorgruppe IS bedroht, verfolgt und ermordet wird. Wie viele andere Jesiden mussten Darman und Klestan Hawere ihr kleines Heimatdorf im Irak verlassen, wochenlang waren sie auf der Flucht. „Wir haben ständig Anrufe bekommen, dass der IS wieder näher kommt. Dann mussten wir weiter.“ Mit fünf kleinen Kindern, vier Mädchen und einem Jungen, sind Darman und Klestan Hawere sowie Onkel Sharf geflohen. Das älteste Mädchen, Avan, ist 11 Jahre alt, die kleine Awaz ist mit drei Jahren das jüngste Familienmitglied.

Darman Hawere zeigt seinen irakischen Lkw-Führerschein.

„Die Kinder konnten nicht schlafen und haben immer geschrien“, erinnert sich Darman Hawere. Im Auto und zu Fuß hat die Familie den Weg nach Europa bestritten, die meiste Zeit waren sie nachts unterwegs. Wo genau ihr Weg sie herführte, können sie gar nicht sagen. Nach der Ankunft in NRW und Aufenthalten in Gelsenkirchen und Essen ist die irakische Familie seit gut einer Woche in Warstein.

Hier wurden sie gestern von Bürgermeister Manfred Gödde und Gregor Schlief, dem für die Flüchtlinge zuständigen Mitarbeiter im Rathaus, begrüßt. „Ich sehe es als Bürgermeister als meine Verpflichtung an, dass ihr eine gute Unterkunft bekommt“, versicherte Gödde. Die städtische Wohnung, in der die Familie aktuell untergekommen ist, soll nur eine Übergangslösung sein. Da die Haweres zu acht sind, wird noch nach einer größeren Bleibe gesucht. „Wir sind froh, in Warstein zu sein“, erzählt Darman Hawere und begründet: „Eine kleine Stadt ist ruhiger, das ist das Beste für die Kinder.“

Awaz, Kenwar, Vene, Lava und Avan fühlen sich wohl in Warstein.

Dass ihre Kinder in Frieden leben können, ist für Darman und Klestan Hawere das Wichtigste. Darman, der im Irak als Lkw-Fahrer gearbeitet hat, ist 1979 geboren, seine Frau ist fünf Jahre jünger als er. Die beiden leben seit ihrer Geburt in Krieg und Unruhen, nun wollen sie dass ihre Kinder zufrieden sind, zur Schule gehen können und weit weg vom Krieg aufwachsen.

Nach den Ferien werden die drei ältesten Mädchen, Vene, Lava und Avan in Warstein in die Schule gehen. Der 4-jährige Kenwar soll den Kindergarten besuchen. Bürgermeister Gödde war gestern zuversichtlich, dass die Kinder dort sehr schnell die deutsche Sprache lernen werden. Und für die Eltern und Sharf Hawere, den Onkel der Kinder, wird es über die Kolpingsfamilie schon bald die Möglichkeit zu einem Sprachkurs geben.

Nachbehandlung einer Gehirntumoroperation

warten neben den Herausforderungen, die das neue Land, die neue Kultur und die neue Sprache mit sich bringen, auch noch weitere Komplikationen. Er hatte einen Gehirntumor, wurde vor einigen Wochen in Essen operiert und muss in Kürze nach Soest zur Nachbehandlung.

Aber hierbei erhält er von der Stadt Warstein ebenso Unterstützung wie zum Beispiel bei der Bearbeitung der Asylanträge. Die achtköpfige Familie Hawere fühlt sich in Warstein bisher gut aufgenommen und hat sich die Stadt schon ein wenig angesehen. Nun hofft sie, dass sie sich in der neuen Heimat schnell zurechtfinden und gut integrieren kann.

Von Sylvia Weber

Quelle: wa.de

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