Dietrich Braun: Flüchtlingshelfer für alle Fälle

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Kinderschwarm, Hausmeister und Sozialarbeiter in einer Person: Dietrich Braun ist für die Flüchtlinge in Geseke Ansprechpartner Nummer eins.

Geseke - Dietrich Braun ist zur Stelle, wenn Flüchtlinge in Geseke Hilfe benötigen. Für seinen Job gibt es keine Berufsbezeichnung. Oder vielleicht doch? Wie wäre es mit Sozialarbeiter, Psychologe, Hausmeister, Übersetzer, mitunter auch Kinderbetreuer oder Seelentröster?

Dietrich Braun ist seit dem Herbst 2013 offiziell Außendienstmitarbeiter des städtischen Sozialamtes. Er ist der Mann für alle Fälle, wenn es in der Stadt Geseke darum geht, den Flüchtlingen den Start in ein neues Leben fernab der oftmals vom Krieg zerstörten Heimat zu erleichtern.

Der 32-jährige Russland-Deutsche kam 1997 mit seinen Eltern aus Sibirien nach Deutschland. Er weiß also aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, in einem fremden Land Fuß zu fassen. Er schaffte es trotzdem mit Bravour.

Er zog mit seiner Familie aus dem damaligen Auffanglager in Belecke nach Lippstadt, beendete erfolgreich die Schule, absolvierte eine Lehre zum Maler und Lackierer, danach noch eine Weiterbildung zum Sicherheitsbeauftragten.

Hilfe auf dem kurzen Dienstweg

Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er mittlerweile in Ehringhausen. „Hier fühle ich mich zuhause“, sagt er. Und genau dieses Gefühl möchte er nun auch den Flüchtlingen vermitteln, die in immer größeren Scharen aus dem Nahen Osten, aus Südost- und Osteuropa nach Deutschland kommen.

78 von ihnen leben aktuell in den sechs städtischen Wohnheimen. Und damit sie in ihren ersten Tagen nach der Ankunft in Deutschland nicht verloren und alleine sind, ist Dietrich Braun sofort zur Stelle.

Der 32-Jährige bereitet die Wohnungen vor, schleppt Möbel, montiert Betten und Schränke, repariert Duschen und Herdplatten, begleitet die Flüchtlinge zum Einwohnermeldeamt, zur Bank, zum Arzt, zur Not auch zum Ausländeramt in Soest und stellt für die Kinder den Kontakt zu den heimischen Schulen und Kindergärten her.

Mittlerweile, so erzählt er, habe er sich ein richtiges Netzwerk aufgebaut. Er selber spricht Deutsch, Russisch und versteht verschiedene weitere slawische Sprachen. Hat er mit Flüchtlingen aus dem arabischen Raum zu tun, holt er sich gleich die entsprechenden Übersetzer an seine Seite. In den Wohnheimen ist er längst bekannt wie ein bunter Hund und gern gesehener Gast.

"Man muss auch mal einen Spaß machen"

Die Kinder springen ihm in die Arme, die Erwachsenen empfangen ihn wie einen guten Freund. Dass es in den Geseker Flüchtlingsheimen abgesehen von kleineren Streitigkeiten überwiegend friedlich zugeht, ist eben auch Dietrich Braun zu verdanken.

„Das Vertrauen habe ich mir hart erarbeitet. Das kommt nicht mal eben so. Man muss viel mit den Menschen reden, auch mal einen Spaß machen“, erklärt er. Man müsse die verschiedenen Religionen und Kulturen halt akzeptieren, führt er fort.

Für das Sozialamt ist Dietrich Braun Gold wert. „Er ist so etwas wie der verlängerte Arm der Verwaltung“, sagt Abteilungsleiter Werner Knies. „Er steckt viel Herzblut in seine Arbeit und genießt großen Respekt in den Heimen“, lobt Knies seinen Mitarbeiter.

Auch oder vor allem dank des 32-Jährigen wird den Flüchtlingen in Geseke persönlich und auf dem kurzen Dienstweg geholfen. „Wir sind froh, dass wir das hier alles noch selber regeln können – ohne externe Dienstleister“, sagt Knies in diesem Zusammenhang.

Von Dominik Friedrich

Quelle: wa.de

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