Beim Deutsch lernen hilft sogar das Smartphone

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Zweimal wöchentlich zwei Stunden: Die Flüchtlinge in Berge treffen sich regelmäßig mit Dozentin Susanne Böckmann (3.v.r.) im Dorfgemeinschaftsraum zum Sprachkurs. Darüber freut sich nicht zuletzt auch Ortsvorsteher Hans Tillmann (vorn), zugleich geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands.

Berge - Für Samer Hariri aus Syrien ist es ein Segen: Seit etwa neun Monaten lebt er – wie rund 30 andere Flüchtlinge auch – in Berge. Freundlichst war er mit seiner Familie nach einer beschwerlichen und gefährlichen Flucht dort aufgenommen worden. Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit, Freundschaft: All dies erfuhr er in Berge. Und seit Mitte Juni ermöglicht es ihm eine Initiative des Dorfes nun auch, Deutsch von der Pike auf zu lernen.

Ortsvorsteher Hans Tillmann, zugleich geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands in Berge, suchte dazu den Kontakt zur Katholischen Bildungsstätte Paderborn (KBS), mit deren Unterstützung ein gut besuchter Sprachkurs für die Flüchtlinge im Dorf eingerichtet wurde. Zweimal wöchentlich für zwei Stunden bringt Dozentin Susanne Böckmann insbesondere den Erwachsenen die deutsche Sprache im Dorfgemeinschaftsraum näher. „Es geht um Verständigung im Alltag: die Uhrzeit nennen, Farben benennen, sich über Grundlegendes austauschen. Wichtig ist uns in Berge aber auch, dass wir die Menschen, die nicht allein nur emotional so viel mitmachen mussten, freundlich behandeln und sie aufnehmen“, so Hans Tillmann. Im Dorf wird eine Willkommenskultur gelebt.

Zu Recht stolz ist er auf die Einwohnerinnen und Einwohner. Viele engagieren sich, unterstützen die Flüchtlinge wo sie nur können. „Alles läuft auf freiwilliger Basis – denn nur so bleibt die Motivation bestehen.“ Und die ist wahrlich ungebrochen. Niemand weiß das besser als die Flüchtlinge selbst.

Samer Hariri, sein Bruder Khamis und ihr syrischer Landsmann Hanan Hasan sind emotional sehr bewegt, wenn sie über Berge sprechen. Dass sie in den vergangenen neun Monaten so viel Nähe und Freundschaft erfahren durften, ist für sie keineswegs selbstverständlich. Das Wichtigste für sie ist aber, dass sie sich sicher und zu Hause fühlen. „Berge ist ein neues Zuhause für uns geworden. Es ist gut zu wissen, dass wir mit unseren Sorgen nicht allein gelassen werden. Stattdessen ist immer irgendjemand bereit zu helfen“, sagt Samer Hariri. So gebe es in Berge eine eigens eingerichtete Whatsapp-Gruppe mit rund 40 Mitgliedern. Dort schreiben die Berger hinein, wenn sie zum Beispiel eine Fahrt in eine Nachbarstadt planen und noch Plätze im Auto frei sind. „Sie nehmen uns dann gern mit. Und wenn wir kurz nach Anröchte müssen, genügt es meist schon, an der Straße zu warten. Es dauert nicht lang, dann hält ein Berger an uns nimmt uns mit“, beschreibt Hariri die Hilfsbereitschaft.

Besonders dankbar sind die Flüchtlinge dafür, dass die Menschen in dem Anröchter Ortsteil ihnen von Anfang an das Gefühl gegeben haben, ein Teil des Ganzen zu sein. Gemeinsam wurde Karneval, Ostern und Schützenfest gefeiert. Und völlig selbstverständlich steht auch den Muslimen unter den Flüchtlingen die kath. Pfarrkirche St. Michael zum Beten offen. „Mit all dem haben die Berger uns geholfen, die vielen negativen und traumatischen Erlebnisse während der Flucht zu verarbeiten. Dies ist ein Ort, der uns auch Sicherheit für unsere Kinder gibt“, sagt Khamis Hariri.

Für Dozentin Susanne Böckmann ist die Begeisterung, mit der die Flüchtlinge die deutsche Sprache lernen möchten, besonders faszinierend. Sie hat ihnen daher über die zwei Termine in der Woche hinaus angeboten, Fragen gern auch über Whatsapp an sie zu stellen. Ein Angebot, das begeistert angenommen wurde. „Immer wieder ist auch Kreativität gefragt – ich muss vor allem sehen, welche Bereiche der Sprache die Teilnehmer interessieren. Denn die Motivation sollte auf keinen Fall leiden“, sagt Susanne Böckmann.

Auch Unterhaltungen sind schon möglich

Inzwischen ist sie mit ihren erwachsenen Schützlingen schon so weit, dass sogar Unterhaltungen auf Deutsch langsam möglich werden. „Man muss vor allem bedenken, dass sie das Lernen an sich erst einmal wieder lernen müssen – so wie es uns auch ergehen würde“, gibt sie zu bedenken.

Ein Gedanke, den Hanan Hasan durchaus teilt. Er bringt es auf den Punkt: „Meine Kinder sprechen schon sehr gut Deutsch, aber mir fiel es lange Zeit schwer. Doch in den drei Monaten Sprachkurs hier in Berge habe ich schon sehr viel gelernt.“

Quelle: wa.de

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