Serie Fluchtpunkt-NRW

Annedore Krämer: Deutschlehrerin in Lüdenscheid

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Annedore Krämer zeigt den jungen Frauen die Welt und grenzt sie allmählich auf Deutschland und Lüdenscheid ein. Auch Erdkunde steht auf dem Unterrichtsplan im Deutschkurs für Flüchtlinge. - Fotos: Messy

Lüdenscheid - Mit einem Glöckchen läutet Annedore Krämer die Unterrichtsstunde ein und will sich erst einmal die Hausaufgaben ansehen. Ein Raum unter der Friedenskirche an der Berliner Straße dient seit gut zwei Monaten montags von 18 bis 20 Uhr als kleines Klassenzimmer.

Wenn’s mal hakt, ist Annedore Krämer zur Stelle und gibt Tipps und Hilfestellungen.

Sahra, Günel, Mariam und Semhar zücken ihre Hefte. Die 75-Jährige korrigiert Fehler, lobt Fortschritte. Die deutsche Sprache ist nicht einfach, genau so wenig wie es für Lüdenscheider arabisch, tigrinya, dari, aserbadschanisch oder türkisch wäre. Aus der Türkei, Afghanistan und Eritrea kommen die jungen Frauen im Alter zwischen Anfang 20 und anfang 30. „Auch aus Ägypten und und dem Iran kommen meine Schülerinnen“, sagt Annedore Krämer.

An diesem Montag nehmen vier am Unterricht teil, manchmal sind es auch acht. Sie sind verheiratet, haben Kinder sind nach der Flucht aus ihrer Heimat über die Erstaufnahmeeinrichtungen nach Lüdenscheid gekommen. Sie eint der Verlust ihrer Heimat und das Bemühen um einen Neubeginn in einem für sie fremden Land. Kaum etwas ist dabei wichtiger als das Erlernen der deutschen Sprache.

Konzentriert nähern sich die Frauen der deutschen Sprache. Hausaufgaben bekommen sie auch mit auf den Weg.

„Unser Deutschkurs montags von 18 bis 20 Uhr ist die Zeit der Frauen. In diesen beiden Stunden passen die Männer auf die Kinder auf und die Frauen genießen es. Sie sind entspannt, sind unter sich, legen ihre Scheu ab, trauen sich etwas zu, lachen miteinander“, sagt Annedore Krämer. Gerade steht Konjugieren auf dem Unterrichtsplan. Nach mehreren Übungen läuft’s schon ganz gut. Die spät berufenene Lehrerin ist zufrieden und legt eine Pause ein. Ihr falle es keineswegs leicht, circa zwei Stunden Unterricht inhaltlich zu füllen. „Das fordert mich schon heraus. Ich muss mich richtig gut vorbereiten“, sagt sie. Viele verschiedene Jobs habe sie schon in ihrem Leben ausgeübt – „nur Lehrerin war ich nie. Meine Berufung lag in den letzten Jahren eher im Entertainment für Busreisen.“

Nicht wenige kennen sie als begeisterte und begeisternde Reiseleiterin für Osteuropa (Masuren) – 22 Jahre lang. Ihr Ding ist es aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen und so dachte sie über eine neue Herausforderung und Aufgabe nach. „Sie sollte eine sei, die meinem Alter, meinen derzeitigen Kräften, meinen Gaben entspricht, die Welt ein bisschen freundlicher aussehen zu lassen und mir außerdem noch Spaß macht.“

Aufmerksam hören v.li. Günel (32). Sahra (23), Mariam (23) und Semhar (26) zu und lösen die Aufgaben, die ihnen ihre Lehrerin stellt.

In dem Sprachkurs für Frauen hat sie ihren Weg gefunden, einen Weg auf dem sie aber schon länger geht. Seit Gründung der Initiative „Gemeinsame Wege“, deren Herzensanliegen es unter anderem ist, die Gemeinschaft der Christen untereinander und überkonfessionell zu stärken und positive Impulse für die Stadt zu setzen, ist sie dabei. „In unserer Gemeinde in der Friedenskirche haben wir zudem seit Jahren eine sehr intensive Flüchtlingsarbeit.“

Die jungen Frauen merken das und verabschieden sich herzlich von ihr in die Sommerferien.

Quelle: wa.de

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