Elite im Cockpit: Zur Fliegerstaffel der Polizei schaffen es nur die Besten

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Die Schüler, 20 Lehrer der Flugschule und die ausgebildeten Piloten üben im Simulator für den Ernstfall.

Sankt Augustin - Im Sicherheitsgefüge Deutschlands ist die Bundespolizei einer der wichtigsten Bausteine. Ihr Profil: Grenzschutz, Bahnpolizei, Kriminalitätsbekämpfung und Luftsicherheit. Die Fliegerstaffel in Sankt Augustin hat uns Einblicke in ihre Arbeit gewährt.

Leuchtend weiße Schneezipfel zieren die Spitzen der österreichischen Berge, die sich majestätisch gen Himmel recken. Dazwischen: grüne Täler, winzige Dörfer mit noch winzigeren Häusern. Die wahrgewordene Idylle erstreckt sich unter dem Hubschrauber, in dem Warnsignale aufschrillen, Knöpfe rot, grün und gelb leuchten. „Heckenrotorensteuerungsausfall“, sagt Pilot Martin Hubmacher. Er wirkt hochkonzentriert, spricht mit Bedacht, seine Augen fokussieren die durch die Wolkendecke durchscheinende Landebahn des Flughafens Innsbruck. Der Hubschrauber vom Typ EC 135 gerät ins Taumeln, Hubmacher hält mit den drei Steuerungsorganen dagegen, drückt Knöpfe, steuert einen Joystick und bedient die Pedalen. Dann: Die Maschine setzt auf und steht sicher auf Asphalt. Er nimmt den weißen Helm vom Kopf, schnallt sich ab, steigt aus und streckt beide Daumen in die Höhe. „Gut gemacht“, sagt Techniker Gerd Dose. Er ist verantwortlich für die drei Simulatoren der Luftfahrtschule der Bundespolizei-Fliegerstaffel. Hubmacher war bis vor kurzem Schüler der einzigen polizeilichen Luftfahrtschule in Deutschland und übt – ebenso wie andere Schüler, die 20 Lehrer und die ausgebildeten Piloten – im Simulator. Die Bilder, die man im Simulator sieht, sind Aufnahmen aus der Luft – alles soll so echt wie möglich sein. „Hier trainieren wir vor allem Unglücksszenarien, die zwar so gut wie nie vorkommen, auf die man aber vorbereitet sein muss“, erklärt Dose. Auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, im äußersten Extremfall einen kühlen Kopf bewahren und dabei die polizeiliche Mission ausführen: Darauf werden die Schüler der Fliegerschule vorbereitet.

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Zu Besuch bei der Fliegerstaffel der Bundespolizei

Unabdingbar für Bewerber der Fliegerschule ist, dass sie vorher die Ausbildung bei der Bundespolizei absolviert haben. 20 000 Männer und Frauen bewarben sich in diesem Jahr auf 1000 Ausbildungsplätze bei der Bundespolizei, um die Grenzen und die Areale der Deutschen Bahn zu schützen, um Verbrechen zu bekämpfen. Und um den Luftraum zu bewachen. Wer bei der Fliegerstaffel anheuern möchte, muss sich einem Auswahlverfahren stellen, das es in sich hat. Bewerben sich jährlich 100 Bundespolizisten für die Flugausbildung, werden im Durchschnitt acht von ihnen angenommen. Aber: Es gibt bis zu zwölf Plätze. „Die Hürden sind hier um einiges höher als für den normalen Polizeidienst“, sagt Fluglehrerin Patricia Theiler. Bestehen müssen die Bewerber Tests in Mathe, Physik, deutscher und englischer Sprache, räumlichem Vorstellungsvermögen, Allgemeinwissen. „Und die Teamfähigkeit wird getestet, die ist das absolute A und O“, sagt Theiler. Wer all das besteht, muss die höchste Hürde beim Arzt nehmen. Wer polizeidiensttauglich ist, ist noch lange nicht flugdiensttauglich. Bundespolizisten müssen gesunde Augen und Zähne haben, dürfen nicht an chronischen Erkrankungen leiden, müssen fit sein. Piloten dürfen darüber hinaus keine gelaserten Augen haben und der Rücken muss gesund sein. Offenbart sich beim Röntgen der kleinste Verdacht, der Bewerber könne im Laufe seines Lebens ein Rückenleiden bekommen, ist er raus. „Für viele ist das hier ein Lebenstraum“, sagt Patrick Haas, Leiter der Grundschulung, „aber wir müssen hier schon genau hinschauen.“ Immerhin sei der Arbeitgeber zugleich der Krankenversicherer. Werde ein Pilot flugdienstuntauglich, koste das Geld – am Ende den Steuerzahler. Denn: Die Grundausbildung zum Hubschrauberpiloten bei der Bundespolizei schlägt mit 220 000 Euro zu Buche. Entsprechend lange muss der Pilot Dienst tun.

Fliegerei in Theorie und Praxis – das erlernen die, die diesen Bedingungen gewachsen sind. 18 Monate lang werden die Schüler einkaserniert in Sankt Augustin. Für diesen Weg entschieden hat sich Hubmacher mit 35 Jahren. Zuvor arbeitete er als Fluglehrer in der freien Wirtschaft. Aber: Er wollte die Sicherheit des Beamtenverhältnisses. Also bestritt er die Ausbildung bei der Bundespolizei im mittleren Dienst und wurde jetzt Pilot in Sankt Augustin. „Man hat hier mehr Möglichkeiten“, sagt der 39-Jährige. „Man kann hier Rettungseinsätze und polizeiliche Einsätze wie Verfolgungen und Vermisstensuchen fliegen oder auch Polizisten transportieren.“

Theiler, Hubmacher, Haas und all ihre Kollegen würden nie unterschreiben, dass sie die Elite der Bundespolizei darstellen. Betontes Understatement wird hier gelebt. „Im Cockpit ist Teamarbeit gefragt“, sagt Theiler. Der Kommandant entscheide nur in Sofortsituationen alleine – möglichst nach vorheriger Beratung mit seinem Kompagnon. „Die Fliegerei ist da sehr vorbelastet, was die Dominanz der Kommandanten angeht“, sagt die Fluglehrerin. Zu oft seien Maschinen vom Himmel gefallen, weil der Kommandant alleine eine falsche Entscheidung getroffen hätte. „Und: Die Leute hier müssen wissen, dass sie nicht einfach nach Sylt fliegen. Sie werden darauf geschult, Polizeimissionen auszuführen, unter Druck, und all das auch bei schlechtem Wetter“, ergänzt Haas. Nach 18 Monaten Fliegerei im Simulator und über den Wolken muss der Pilot topfit im Cockpit sein. Und das Fliegen zur Nebensache geworden sein.

Quelle: wa.de

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