Einigung nach Streik-Marathon - Post bald wieder pünktlich

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Bonn - Nach vier Wochen Dauerstreik ist der Post-Abschluss da. Die Kunden sind erleichtert: Briefe und Pakete kommen bald wieder pünktlich. Verdi hat für die Postler mehr Sicherheit erreicht - aber im Kampf gegen Billig-Gesellschaften musste die Gewerkschaft zurückstecken.

Der heftigste Tarifstreit bei der Post seit über 20 Jahren ist vorbei. Nach vier Wochen Dauerstreik mit zunehmendem Ärger für die Brief- und Paketkunden steht der Kompromiss für die rund 140.000 deutschen Beschäftigten. Ab Dienstag arbeiten die Postler wieder normal. Es wird aber wohl noch Tage dauern, bis sie alle der Millionen liegengebliebenen Sendungen befördert haben.

In dem Konflikt ging es nicht nur um Lohn und Arbeitszeit, sondern um Grundsätzliches: die Ausgliederung von Paketgesellschaften in der neuen Gesellschaft Delivery seit Jahresbeginn mit 20 bis 30 Prozent schlechterer Bezahlung für die Mitarbeiter. Damit will sich die Post in der schnell wachsenden Paketsparte fit für den Wettbewerb machen.

Der Dax-Konzern hatte das als unvermeidbar bezeichnet, weil die Konkurrenz deutlich weniger und zum Teil sogar nur den Mindestlohn von 8,50 Euro zahle. Der Haustarif der Post liegt dagegen bei 17,70 Euro. Bei Delivery werden im Schnitt 13 Euro bezahlt.

Hier will die Post jetzt stark wachsen. Die E-Commerce-Branche boomt, in der Paketsparte soll ein Gutteil der Gewinne der Zukunft entstehen. Innerhalb von einem halben Jahr schoss der Personalstand bei Delivery schon von Null auf 6500, bis 2020 rechnet die Post mit 20.000 Mitarbeitern.

Verdi hatte die Pläne vehement bekämpft. Zwei verschiedene Tarife für dieselbe Arbeit - also Postler erster und zweiter Klasse - sind den Gewerkschaftern ein Alptraum. Außerdem fürchtet Verdi, dass die Paketgesellschaften nur der Anfang sind und Billigverträge bald auch bei den Briefträgern Einzug halten könnten.

Das war ein zentraler Streitpunkt der Tarifverhandlungen. Verdi hat dabei ein wichtiges Zugeständnis erreicht: Bei den Briefen sind Ausgründungen bis Ende 2018 definitiv ausgeschlossen. Zudem unterschrieb die Post, dass die 7600 aktuellen Paketzusteller nicht befürchten müssen, in die schlechter zahlenden Neugründungen abgeschoben zu werden. Den grundsätzlichen Kampf gegen die Billig-Gesellschaften hat die Gewerkschaft allerdings verloren.

Der Tarifkonflikt war außergewöhnlich hart - wohl der härteste in der Post-Geschichte. "Wir sind im Krieg", soll ein Post-Vorstand gesagt haben. Verdi-Funktionäre liefen mit Kameras Aushilfszustellern hinterher, um tatsächliche oder vermeintliche Rechtsverstöße zu dokumentieren.

Beschwerden, eidesstattliche Versicherungen und mehrfache Klagen etwa gegen den Einsatz von Beamten - die Gewerkschaft zog alle Register und investierte nach Schätzungen des Tarifexperten Hagen Lesch in der "Welt am Sonntag" rund 30 Millionen Euro für Streikgeld.

Die Post machte dagegen Stimmung mit einer Anzeigenkampagne und ließ zur Erbitterung der Gewerkschaft auch sonntags arbeiten - regional auch noch am Sonntag des Tarifabschlusses. Auch sie kostete der Streit viele Millionen Euro.

Der Konflikt ist mit den Unterschriften von Bad Neuenahr beigelegt, jetzt müssen sich Post und Verdi um die Negativ-Folgen kümmern - intern und bei der Kundschaft. Gerade bei der lukrativen Paketsparte ist die Konkurrenz hart und viele Kunden wie zum Beispiel Online-Händler, die auf pünktliche Zustellungen angewiesen sind, hatten genervt und verärgert einen Wechsel des Anbieters angekündigt.

Auch im Inneren ist viel zu tun. "Da sind Gräber entstanden zwischen Streikenden und Nicht-Streikenden", sagt Personalchefin Melanie Kreis. Manche Kollegen redeten kein Wort mehr miteinander, berichtet ein Verdi-Funktionär. - dpa

Quelle: wa.de

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