Düsseldorfs neue City: OP am offenen Herzen der Stadt

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Die Animation zeigt das geplante Bauprojekt "Ingenhoven-Tal" in Düsseldorf. Die Konturen eines neuen Zentrums werden in Düsseldorf langsam sichtbar.

Düsseldorf - Die Konturen eines neuen Zentrums werden in Düsseldorf sichtbar. Ein Jahrzehnt der Großbaustellen nähert sich dem Ende. Verkehr wurde unter die Erde verbannt und die Namensgeberin der Stadt darf an die Oberfläche zurück.

Die U-Bahnen rauschen schon durch die neuen unterirdischen Bahnhöfe, aber noch sind es Übungsfahrten. Oberirdisch verschwinden langsam Bauzäune und Bretterverschläge. "Ich weiß, die Baustellen haben auch für Verdruss gesorgt", sagt Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Nicht jedes Geschäft hat die Ära der Großbaustellen überlebt.

Düsseldorf hat sich in den vergangenen acht Jahren einer Operation am offenen Herzen unterzogen, um erhebliche Teile des Bahn- und Autoverkehrs im Zentrum unter die Erde zu verbannen. Eine 3,4 Kilometer lange neue U-Bahnlinie, mehrere Autotunnel und neue Plätze werden gut 1,2 Milliarden Euro verschlingen. "Wir haben Freiräume geschaffen für Fußgänger und Radfahrer", sagt Geisel.

Die sollen sich ihre Stadt nun zurückerobern. Etwa auf einer neuen Platanen-Allee mit 160 Bäumen dort, wo einst der Verkehr über eine Hochstraße durch die Stadt toste. Im Gegenzug kehrt auch die Namensgeberin der Landeshauptstadt, die Düssel, an die Oberfläche zurück - auf 160 Meter Länge wenigstens.

Der zentrale U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee bekam eine dritte unterirdische Ebene. Unter einem Eispanzer, der das Absacken eines großen darüber gelegenen Kaufhauses verhinderte, entstand in der Tiefe ein weiterer Bahnhof.

Archäologische Funde wie ein Jüdischer Friedhof, ein eiszeitlicher Mammut-Stoßzahn und Teile der alten Stadtmauer wurden entdeckt. Letztlich habe sich das Projekt aber nur um einige Wochen verzögert. "In Düsseldorf ist gezeigt worden, dass es doch geht: In einer hochverdichteten Innenstadt unterirdisch zu bauen", sagt Dezernent Stephan Keller.

Die U-Bahnlinie kostete 843 Millionen Euro, fast 200 Millionen mehr als veranschlagt. Die mit 330 Millionen Euro eingeplanten Tunnel würden dafür etwas günstiger werden als geplant und für die Neugestaltung der Oberflächen sind 35 Millionen Euro vorgesehen. Im Vergleich zum neuen Berliner Flughafen und zum Kölner U-Bahnbau erscheint das als Punktlandung - zudem weitgehend unfallfrei.

"Die Mehrkosten sind im Rahmen geblieben und gut erklärbar", sagt Keller. Es sei eine bundesweit beispielhafte Meisterleistung nicht nur der Ingenieure: "Ein großes öffentliches Bauprojekt, das nicht aus dem Ruder gelaufen ist."

Zwischen Königsallee und Hofgarten entstand eine bereits gut angenommene Flanierzone mit viel Wasser, gesäumt vom "Kö-Bogen", einem Neubau des New Yorker Star-Architekten Daniel Libeskind. Ein weiterer Bau von Architekt Christoph Ingenhoven soll mit begrünter Terrassenfassade neben dem denkmalgeschützten Schauspielhaus entstehen.

Die Emotionen kochten hoch, als die zentrale denkmalgeschützte Hochstraße, der "Tausendfüßler", abgerissen wurde. Zehntausende Bürger verabschiedeten sich mit einem Spaziergang über das bereits für den Autoverkehr gesperrte Bauwerk, das einst als urbanes Zeichen der Nachkriegsmoderne gerühmt wurde.

Nun geht es ans Begrüßen: Die Landeshauptstadt stellt in den kommenden Wochen ihre von Künstlern gestalteten sechs neuen U-Bahnhöfe vor. Künstler und Architekten saßen von Anfang an in einem Boot: Herausgekommen ist eine 3-D-Weltraum-Installation, LED-Wände, die die Bewegungen der Besucher nachahmen, Interferenzlinien und - als Kontinuum - eine riesige Schlange, die Werke und Bahnhöfe miteinander verbindet. - dpa

Düsseldorfs neue City: Baubeginn 2007

2007: Der erste Spatenstich für die neue U-Bahnlinie erfolgt am 28. November 2007.

2010: Der Tunnelbohrer "Tuborine" beginnt sich durch den Untergrund der Stadt zu fräsen. Am 1. März 2010 nimmt der 1300-Tonnen-Koloss seine Arbeit auf. Die erste Etappe ist 1,3 Kilometer lang.

2011: Zweite Etappe der "Tuborine" über 955 Meter. Der Rohbau der Bahnhöfe läuft.

2012: Die Düsseldorfer erkunden beim Tag des offenen Tunnels die Röhre der Wehrhahn-Linie. Arbeiter entdecken einen urzeitlichen Mammut-Stoßzahn.

2013: Der neue U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee entsteht unter einem Eispanzer. Der rund 300 Millionen Euro teure Geschäftsbau "Kö-Bogen" von Architekt Daniel Libeskind öffnet trotz Brandanschlags.

2015: Der 870 Meter lange Nord-Süd-Tunnel öffnet für den Autoverkehr.

2016: Die neue Wehrhahn-U-Bahn-Linie soll am 20. Februar 2016 offiziell eröffnet werden.

Quelle: wa.de

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