Aktion am 28. Mai

Casting für Gladbecker Geiseldrama im TV: 1300 Komparsen gesucht

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Die bewaffneten Geiselnehmer Dieter Degowski (l) und Hans-Jürgen Rösner stehen am 17.8.1988 in dem in Bremen gekaperten Linienbus (Archivfoto vom 17.08.1988). Vorne sitzt die später getötete Silke Bischoff (hinter der Haltestange), rechts Ines Voitle. Das Gladbecker Geiseldrama zwischen dem 16. und 18. August 1988 Deutschland 54 Stunden lang in Atem.

Gladbeck/Werl - Die ARD sucht am Samstag für einen TV-Zweiteiler über das Geiseldrama von Gladbeck rund 1300 Komparsen. Darunter sind auch rund 80 Sprechrollen von Polizisten, Journalisten und Schaulustigen zu vergeben.

Der Entführer Dieter Degowski bedroht die Geisel Silke Bischoff mit einer Waffe (Archivbild vom 18.08.1988).

Die Ereignisse um eine der spektakulärsten Geiselnahmen in Deutschland würden aus der Sicht der beteiligten und betroffenen Menschen dargestellt, sagte eine Sprecherin der Casting-Agentur Eick. Es gehe weniger um eine geschichtliche Dokumentation. Das Casting ist am Samstag, 28. Mai, in Gladbeck.

Das Drama hatte im August 1988 ganz Deutschland in Atem gehalten. Die zwei Gangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner hatten schwer bewaffnet eine Bank in Gladbeck überfallen und auf ihrer Flucht quer durch das Land Dutzende Geiseln genommen. Drei Menschen starben, viele wurden verletzt.

Die Öffentlichkeit nahm direkt am Geschehen teil. Unterwegs gaben die Verbrecher Interviews. Dafür hagelte es Kritik an den Medien, der Polizei und der Politik. 

Schauspieler geheim

Gecastet wird am Samstag, 28. Mai, von 11 bis 15 Uhr in der Stadtbücherei Gladbeck (Friedrich-Ebert-Straße 8).

Die Hauptrollen des ARD-Films sind nach Angaben der Agentur schon besetzt. Wer sie spiele, werde aber noch nicht verraten. Die Komparsen und Statisten arbeiten an 17 Drehtagen für die Produktion. Sie sollten möglichst den Look der 1980er Jahre verkörpern können. Für Männer seien längere Haare und Schnäuzer von Vorteil. 

In der Kölner Innenstadt wird das Auto der Entführer von Journalisten und Schaulustigen belagert.

Zudem brauche man mehrere ältere Damen und eine tamilische Familie mit Kindern. Sie hatten damals in einem Linienbus gesessen, den die Bankräuber in Bremen kaperten. Die Angst der Passagiere um Leib und Leben, aber auch der Mut, mit dem sie das Vorgehen der Gewalttäter hätten stoppen wollen, solle Gegenstand der filmischen Darstellung sein. Die Dreharbeiten beginnen im Sommer.
Vermutlich werde der Film 2017 im Ersten ausgestrahlt, hieß es.

Rösner wollte Film verhindern

Der in der JVA Aachen einsitzende Rösner hatte Anfang Mai angekündigt, den Film verhindern und notfalls dagegen klagen zu wollen. Die Verfilmung könne nach einer Entlassung die Resozialisierung Rösners gefährden, hatte dessen Anwalt Rainer Dietz kürzlich argumentiert. Außerdem stelle der Film eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts dar. Die Produktionsfirma Ziegler Film hält dagegen, Rösner sei eine Person der Zeitgeschichte. Rösners Partner Dieter Degowski sitzt in der JVA Werl ein. - dpa

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Quelle: wa.de

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