Cannabis auf Rezept: Die rechtliche Lage in Deutschland

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Schwerkranke Patienten können Cannabis seit 2008 legal in der Apotheke kaufen. Doch die Genehmigung dafür zu erhalten, ist nicht einfach.

Entzündungshemmend, schmerzlindernd, krampflösend: Diese Eigenschaften werden Cannabis zugesprochen. Bei der Therapie schwerkranker Patienten rückt der Wirkstoff deshalb immer mehr in den Fokus. Doch in Deutschland ist Cannabis eine illegale Droge. In Ausnahmefällen erhalten Sie Cannabis trotzdem auf Rezept – ein Überblick.

Medizinisches Cannabis in Deutschland

Cannabis als Medizin hat eine lange Tradition. So nutzten bereits die Chinesen vor rund 5.000 Jahren die Pflanze als Heilmittel. Doch der Einsatz ist umstritten: In vielen Ländern gilt Cannabis als illegale Droge, die körperlich abhängig macht und zu psychotischen Erkrankungen führt.

Auch in Deutschland ist Cannabis illegal und fällt wegen seines rauschauslösenden Wirkstoffs Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Uruguay sind der Anbau, Erwerb und Besitz hierzulande strafbar. In Ausnahmenfällen haben schwerkranke Patienten dennoch die Möglichkeit, medizinisches Hanf auf Rezept zu bekommen.

Tatsächlich gibt es in der Bundesrepublik bislang nur ein zugelassenes Arzneimittel mit Cannabis: Das Fertigpräparat Sativex – ein Mundspray, das die Cannabis-Inhaltsstoffe THC und Cannabidiol (CBD) enthält. Die Arznei lindert Spasmen und Krämpfe bei Multipler Sklerose. Zudem wirkt sie gegen Schmerzen, Übelkeit und Brechreiz bei Krebs- und AIDS-Patienten. In Einzelfällen übernehmen die Krankenkassen bei Patienten mit Multipler Sklerose die Kosten für die Behandlung.

Andere Medikamente sind lediglich als Betäubungsmittel zugelassen, wie etwa Dronabinol. Der teilsynthetisch hergestellte Stoff ist identisch mit THC. Er kann von Ärzten verordnet werden. Da Dronabinol jedoch kein Arzneimittel ist, sind die Krankenkassen nicht zur Zuzahlung verpflichtet. Für die Kosten müssen Sie selbst aufkommen – mit rund 650 Euro pro Monat.

Hanfblüten auf Rezept in der Apotheke kaufen

Nach wie vor dürfen Sie in Deutschland keinen Hanf selbst anbauen – auch nicht zu medizinischen Zwecken. Zwar entschied das Kölner Verwaltungsgericht am 22. Juli 2014, dass chronischen Schmerzpatienten der Eigenanbau unter bestimmten Umständen erlaubt werden könne – dagegen legte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jedoch Berufung ein. Damit ist die Entscheidung des Gerichts nicht rechtskräftig.

Mit einer Sondergenehmigung des BfArM können Sie Cannabis seit 2008 legal in der Apotheke kaufen. Dafür müssen Sie belegen, dass andere Therapien nicht wirksam genug waren und es keine vergleichbaren Alternativen gibt. Zudem brauchen Sie eine ärztliche Stellungnahme.

Allerdings bleibt auch mit der entsprechenden Erlaubnis zur ärztlich begleiteten Selbsttherapie, Ihre Behandlung mit Cannabis teuer. Die Kosten müssen Sie selbst tragen mit rund 18 Euro pro Gramm. Ebenso ist nicht gesichert, dass Sie an Cannabis als Medikament überhaupt kommen: Die Apotheken in Deutschland beziehen die medizinischen Cannabisblüten aus Holland. Häufig kommt es hier zu Engpässen bei der Lieferung.

Risiken und Nebenwirkungen von Cannabis als Medizin

Auch wenn Cannabis zunehmend als Arznei eingesetzt wird, ist die Datenlage zur medizinischen Wirkung dünn. Es fehlen aussagekräftige Studien und Langzeituntersuchungen mit eindeutigen Ergebnissen. Fakt ist: Die Wirkstoffe lindern lediglich Symptome, Krankheiten heilen können sie nicht. Zudem tritt mit der Zeit eine erhöhte Toleranz ein, weshalb die Dosierung erhöht werden muss.

Gleichzeitig birgt die Medikation mit Hanf körperliche und psychische Risiken: Cannabis kann unerwünschte Nebenwirkungen wie Schwindel, Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwierigkeiten verursachen. Ebenso gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Konsum Psychosen und Schizophrenie auslöst – vor allem bei Jugendlichen.

Quelle: wa.de

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