BUND zu Regional-Airports: NRW ist "Flugzeugträger für Billigflieger"

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NRW - NRW hat zu viele Flughäfen, meinen zumindest die Umweltschützer des BUND. Fast überall sänken die Passagierzahlen, regionale Airports würden nicht gebraucht, die Verluste gehen in die Millionen. Ihr Vorschlag: Öfter mal auf die Bahn umsteigen.

Wer in Nordrhein-Westfalen abheben will, der hat dazu reichlich Gelegenheit. Neben den größeren Flughäfen in Düsseldorf und Köln/Bonn sind eine Reihe von kleineren Airports über das Land verstreut. "Überflüssig" seien die Regionalflughäfen Dortmund, Paderborn/Lippstadt, Niederrhein/Weeze und Siegerland, schimpfen die Umweltschützer des BUND. Sie seien "chronisch defizitär" und würden nur durch Subventionen am Leben gehalten, sagte BUND-Luftverkehrsexperte Werner Reh am Freitag in Düsseldorf.

Nach seiner Einschätzung haben die kleineren Flughäfen "keine Chance auf Wirtschaftlichkeit", vielmehr verbuchten sie sinkende Flugbewegungen und Passagierzahlen. Auch in Münster/Osnabrück gingen die Passagier- und Flugbewegungen zurück. Die Landesregierung müsse ein Konzept für den Abbau der Überkapazitäten in NRW vorlegen.

Es werde ein solches Konzept geben, aber zunächst müsse die Bundesregierung ihre eigenen bundesweiten Pläne vorlegen, teilte dazu das Verkehrsministerium mit. Es müsse "elementarer Kern" dieses Bundeskonzepts sein, dass der Luftverkehrsstandort Deutschland wettbewerbsfähig bleibe. Als Exportnation brauche Deutschland Flughäfen mit Nachtflugoptionen. "Eine Subventionierung von Flughäfen und Verkehrslandeplätzen aus Landesmitteln findet in NRW bereits heute nicht mehr statt", betonte das Ministerium. Die dezentrale Flughafeninfrastruktur in NRW habe sich bewährt.

Keineswegs, sagt dagegen der BUND. "Der Wildwuchs der Regionalflughäfen" führe zu "ruinöser Konkurrenz". NRW sei zu einem "Flugzeugträger für Billigflieger" geworden. Das im Koalitionsvertrag angekündigte neue Luftverkehrskonzept müsse Rot-Grün nun endlich angehen und dabei auch den Lärmschutz verbessern.

Von den 19 deutschen Regionalflughäfen hat laut BUND-Papier zwischen 2010 und 2013 kein einziger den Sprung in die Gewinnzone geschafft, im Gegenteil: Die Verluste der Airports liegen in diesem Zeitraum bei insgesamt 79,3 Millionen Euro, bilanziert der BUND, die Hälfte davon entfallen auf die NRW-Standorte. Indirekt müsse der Steuerzahler dafür aufkommen, weil unter anderem die Dortmunder Stadtwerke AG sowie Kommunen und Kreise Träger der Flughäfen seien.

Der Vorschlag des BUND: Kurzstreckenflüge sollen stärker auf die Schiene verlagert werden. "Von heute auf morgen" könnten 50 000 Flüge mit sechs Millionen Passagieren durch Bahn-Verkehr ersetzt werden, ohne Zeit- und Komfortverlust für die Reisenden. Die meisten innerdeutschen Flugziele von Düsseldorf oder Köln/Bonn aus seien mit einem ICE binnen vier Stunden erreichbar.

Der Flughafenverband ADV nannte die Flughäfen in Dortmund, Paderborn/Lippstadt, Niederrhein/Weeze und Münster/Osnabrück "unverzichtbar für den Wirtschaftsstandort". "Durch ihre Zubringer- und Entlastungsfunktion ergänzen sie sinnvoll die beiden Großflughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn", sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Für die Grünen enthalten die BUND-Vorschläge "wichtige Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Verkehrspolitik". "Flugreisen sind die mit Abstand klimaschädlichste Form des Reisens", sagte Arndt Klocke, der Verkehrsexperte der Fraktion. "Wenn jährlich Tausende Flüge aus NRW nach Amsterdam, Frankfurt oder Hamburg gehen, ist das ökologisch eine Katastrophe. Deswegen wollen wir gerade bei Kurzstrecken mehr Verkehr auf der Schiene." Statt die NRW-Regionalflughäfen weiter mit Steuergeldern zu subventionieren, brauche es mehr schnelle ICE-Verbindungen. - dpa

Quelle: wa.de

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