Sprechende Müllautos

Bruce Willis sorgt für mehr Sicherheit auf Hamms Straßen

+
Diese Situation soll sicherer werden: Dank eines sprechenden Blinkers hört die Fußgängerin, dass das Müllfahrzeug rechts abbiegen will. Der orangefarbene Lautsprecher ist an der Beifahrerseite in der Nähe des Tanks angebracht.

Hamm -  In Hamm fahren sprechende Müllfahrzeuge durch die Straßen. Seit Ende September sind zwei Fahrzeuge des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebes Hamm (ASH) mit einem sprechenden Blinker ausgestattet. Dieser Blinker warnt beim Rechtsabbiegen Verkehrsteilnehmer mit dem Satz: „Vorsicht! Das Fahrzeug biegt rechts ab. Bitte Abstand halten!“ Die Stimme dürfte vielen bekannt vorkommen.

Es ist die des Synchronsprechers von Schauspieler Bruce Willis. Die Kosten für den sprechenden Blinker betragen lediglich 400 Euro. Die Stadt erwägt nun, nicht nur alle Müllfahrzeuge, sondern auch die Busse der Stadtwerke Hamm damit nachzurüsten.

„Mit diesem neuen akustischen Warnsystem möchten wir die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, vor allem die der Radfahrer und Fußgänger erhöhen“, erklärte ASH-Betriebsleiter Reinhard Bartsch bei einem Vorführtermin für die Medien am Freitagvormittag. Der Fahrer eines Müllfahrzeuges beziehungsweise eines Lkw könne einen bestimmten Bereich auf der rechten Seite seines Fahrzeugs über die Spiegel nicht einsehen. Wegen dieses „toten Winkels“ bestehe für Radfahrer und Fußgänger beim Rechtsabbiegen eines Lkw eine erhöhte Gefahr. Bartsch erinnert in diesem Zusammenhang an den Unfall auf der Goethestraße in Hamm im Dezember 2015, bei dem ein 80-jähriger Radfahrer von einem allerdings privaten Lkw, der rechts abbog, erfasst und tödlich verletzt wurde.

Der sprechende Blinker der englischen Firma „Amber Valley“ sei in Hamm neben Münster in der Umgebung einzigartig. Sobald der Fahrer den Blinker setzt, ist das orangefarbene Gerät an der Beifahrerseite des Lkw – also genau dort, wo sich mögliche andere Verkehrsteilnehmer aufhalten – aktiv und warnt die Passanten. Bruce Willis ist dann mit einer Lautstärke von 85 Dezibel zu hören – laut genug, um das Geräusch des Lkw-Dieselmotors zu übertönen.

Dass das System funktioniert, weiß Wilfried Hrubesch zu berichten. Der Kraftfahrer, übrigens ein Vetter des aus Hamm stammenden ehemaligen Fußballnationalspielers Horst Hrubesch, ist seit 18 Jahren im Dienst und hat zwar noch keinen schweren Unfall, aber bereits heikle Situationen erlebt. Er behalte immer die Spiegel im Auge, das sei das A und O. Doch kürzlich sei er froh gewesen, den sprechenden Blinker betätigen zu können. „Eine Gruppe Schulkinder wollte sich in der Weststraße noch an meinem Lkw vorbeizwängen, als sie dann aber die laute Stimme hörten, sind sie alle zurückgewichen.“

In Kürze will die Stadt ein drittes Fahrzeug des ASH nachrüsten. Und wenn sich das System bewährt, sollen langfristig, so Bartsch, alle 22 Fahrzeuge mit der Technik ausgestattet werden. Der Aufwand dafür sei recht gering. „Die Investition lohnt sich, denn es gibt nichts wertvolleres als ein Menschenleben.“

Das Gerät beim ASH in Hamm bekannt gemacht hatte Werkstattmeister Jörg Hölscher. Kathrin Saenger, die stellvertretende ASH-Betriebsleiterin, verfolgte die Idee dann konsequent weiter und sorgte dafür, dass der Testbetrieb in der Lippestadt tatsächlich aufgenommen wurde.

Neben der Ansage sorgen zusätzlich auch sechs LEDs für die Aufmerksamkeit der Passanten und Radfahrer. „Eigentlich müsste das jeder Lkw haben“, meint Bartsch, der zugleich auch Geschäftsführer der Stadtwerke Hamm ist. Eine Ausrüstung der Busse der städtischen Tochter mit dem besonderen Blinker stehe zur Diskussion. Allerdings müsse man noch technische Lösungen finden, damit der Blinker nur beim Rechtsabbiegen spricht, nicht aber beim Heranfahren an die Bushaltestelle.

Die Synchronstimme von Bruce Willis – dahinter verbirgt sich der Berliner Schauspieler Manfred Lehmann, der unter anderem auch Gérard Depardieu spricht und Werbung für den Baumarkt Praktiker („20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung“) macht – war übrigens nicht von der Stadt Hamm ausgewählt, sondern vom Hersteller vorgegeben. „Theoretisch könnte der Text aber geändert und von jedem anderen Menschen eingesprochen werden“, so Bartsch. Bei den Medienvertretern kam Bruce Willis aber schon einmal gut an. Und auch von den Bürgern im Straßenverkehr habe es bereits viel positives Feedback gegeben.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare