Die Unterkünfte für Flüchtlinge werden knapp

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Für den Flüchtlingsrat NRW ist die Überbelegung in Flüchtlingsunterkünften ein Dauerproblem.

Dortmund - In einem Dortmunder Flüchtlingsheim hat sich der Platzmangel diese Woche dermaßen zugespitzt, dass Menschen unter freiem Himmel übernachten mussten. Wegen dreifacher Überbelegung hatte die Anlaufstelle am Mittwoch wegen dreifacher Überbelegung einen Aufnahmestopp ausgesprochen.

Für den Flüchtlingsrat ist die Überbelegung - auch in anderen Einrichtungen - ein Dauerproblem. Wegen des starken Andrangs von Asylsuchenden drohen in den NRW-Flüchtlingsheimen nach Einschätzung von Experten weitere Aufnahmestopps. Das ganze System für die Aufnahme und Verteilung funktioniere im Moment nicht, sagte die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, Birgit Naujoks, am Donnerstag in Bochum.

Eine Anlaufstelle in Dortmund-Hacheney hatte am Mittwoch wegen dreifacher Überbelegung einen Aufnahmestopp ausgesprochen. Die Türen hätten dann aber doch nicht geschlossen werden müssen, da kurzfristig 700 Plätze unter anderem in Hagen und Marl zur Verfügung gestellt wurden, wie Stadtsprecher Michael Meinders berichtete. "Wir sind gegenwärtig mit sehr hohen Zugangszahlen konfrontiert - für die Saison untypisch", sagte der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, Christoph Söbbeler.

Am Mittwoch seien knapp 840 Menschen angekommen, am Donnerstag mehr als 730. Die Behörde ist landesweit für die Unterbringung von Asylsuchenden zuständig. "Seit vergangenem Herbst verläuft die Zugangswelle in nicht gekannten Zahlen", erklärte er. Nach den Worten von Naujoks würden insgesamt allein 20 000 Plätze in den Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes benötigt, derzeit stünden jedoch nur rund 11 000 bereit.

Vorgesehen sei eigentlich, dass die Asylsuchenden für sechs bis zwölf Wochen in den Erstaufnahmeeinrichtungen blieben und dort im Idealfall den Ausgang des Verfahrens abwarteten, sagte Naujoks. "Der theoretische Gedanke, dass das in drei Monaten geht, hat noch nie funktioniert." Tatsächlich müssten die Menschen meist schon nach 14 Tagen Platz machen für Neuankömmlinge. "Die Kommunen werden enorm damit belastet, dass die Flüchtlinge so schnell kommen."

In der Dortmunder Einrichtung hatte sich die Situation in den vergangenen Tagen zugespitzt, wie Stadtsprecher Meinders berichtete. Die Menschen hätten teils unter freiem Himmel geschlafen oder die Nacht auf Stühlen im Flur verbracht. Der Aufnahmestopp sei vor allem wegen Sicherheitsaspekten ausgesprochen worden.

"Der Mangel an Plätzen ist allerdings ein grundsätzliches Problem", betonte er. Die Einrichtung wisse schließlich nicht im Vorhinein, wie viele Menschen pro Tag nach Dortmund kämen. "Die werden von Schleppern abgesetzt, kommen zu Fuß, mit der Bahn oder mit dem Auto, das ist ganz unterschiedlich", erklärte Meinders. Üblicherweise werden die Flüchtlinge nach ein bis zwei Nächten zu einer anderen Einrichtung geschickt.

Allein im Juni übernachteten 11 634 Menschen in Dortmund-Hacheney - rund 150 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Derzeit dauere es teilweise Monate, ehe Flüchtlinge überhaupt einen Asylantrag stellen könnten, kritisierte Naujoks. Die Anträge von Menschen aus dem Kosovo und anderen Balkanländern, auch aus Syrien, würden binnen ein bis zwei Wochen bearbeitet. Dafür dauerten die übrigen Verfahren länger. -dpa/Inw

Quelle: wa.de

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