Auch ohne Beweis für versuchten Mord: Hohe Strafen für Bankräuber

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Nach einem Banküberfall mit Schusswechsel im März 2015 in Bielefeld-Sennestadt wird der Tatort von Mitarbeitern der Spurensicherung untersucht. Im Prozess gegen zwei mutmaßliche Bankräuber soll am Dienstag das Urteil verkündet werden. Bei ihrem Überfall sollen sie äußerst brutal vorgegangen sein.

Bielefeld - Es fielen Schüsse, einer der Bankräuber hielt der Filialleiterin eine Waffe an den Kopf und drückte ab. Ob es ein versuchter Mord war, lässt sich aber nicht mehr klären. Das Bielefelder Landgericht schickt die Männer auch so lange ins Gefängnis.

Quälend lange fünfzehn Minuten dauerte ein Banküberfall in Bielefeld. "Das war eine entsetzliche Zeit für die Menschen in der Bank", sagte die Vorsitzenden Richterin Jutta Albert bei der Urteilsbegründung. Zuvor hatte das Schwurgericht unter ihrer Leitung am Dienstag in Bielefeld zwei Männer wegen schwerer räuberische Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu langen Haftstrafen verurteilt. Der ältere Täter (31) bekam zehn Jahre und sechs Monate Gefängnis, sein Komplize sieben Jahre und sechs Monate.

Die Männer hatten maskiert und mit vorgehaltenen und geladenen Waffen im März die Sparkasse im Bielefelder Stadtteil Senne überfallen. Der 31-Jährige trat als Anführer auf. Dabei fielen die Männer durch ihre große Brutalität auf. Nachdem sie erfolglos zuerst 400.000 Euro, später dann 300.000 eingefordert hatten, schlugen sie mit ihren Pistolen zu, zogen den Bankangestellten an den Haaren und feuerten auch ihre Waffen in die Wand ab, um Druck auszuüben.

Am Ende gelang einem der Täter mit eine Rucksack und knapp über 200.000 Euro die Flucht in das umliegende Wohngebiet. Dort wurde er gefasst. Den zweiten Mann stellte die Polizei vor der Bank mit zwei Schüssen und verletzte ihn. Ein Zeuge hatte bereits kurz nach Beginn des Überfalls die Polizei gerufen.

Für das Gericht gab es eine Schlüsselszene in der Bank. Der ältere Täter hatte eine geladene Pistole an den Kopf der Filialleiterin gehalten und kurz darauf auch abgedrückt. Allerdings gab es eine Ladehemmung und die Kugel blieb im Lauf stecken.

Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb im Plädoyer zusätzlich zu der räuberischen Erpressung und der schweren Körperverletzung auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes und damit insgesamt 13 Jahre und sechs Monate Haft für den 31-Jährigen.

"Bis kurz vor Prozessende haben wir die Ansicht der Staatsanwaltschaft zum versuchten Mord geteilt", sagte Richterin Albrecht zum Prozessende. Nach einer erneuten Durchsicht der Zeugenaussagen habe das Gericht aber Zweifel gehabt. "Die Filialleiterin hat ausgesagt, dass ihr eine Waffe an Kopf gehalten wurde. Doch dann habe sie den Kopf weggedreht und erst dann habe sie ein Klicken gehört", wiederholte Albrecht in der Urteilsbegründung die Zeugenaussage. Da die Frau in diesem Moment nach unten schaute, konnte sie nicht sehen, wohin der Lauf zielte. Deshalb habe das Gericht im Zweifel für den Angeklagten urteilen müssen.

"Für das Strafmaß hat das allerdings auch keine Bedeutung", sagte die Richterin. Sie und ihre Kollegen wären auch bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes nicht dem Antrag der Staatsanwalt gefolgt. Grund: Die schwere räuberische Erpressung wiege schwerer.

Offen blieb, warum die beiden Männer aus der Schweiz anreisten und ausgerechnet in Bielefeld zuschlugen, woher sie die Waffen hatten und wer den Plan ausgeheckt hatte. Das Motiv waren Schulden.

Beide Täter nahmen das Urteil äußerlich unbewegt hin. Sie hatten bereits zum Prozessauftakt Reue gezeigt und sich bei einigen Opfern auch persönlich entschuldigt. Das hatte das Gericht beim Strafmaß mildernd berücksichtigt. Tötungsabsichten hatten die beiden bestritten. Ob sie das Urteil annehmen werden, blieb am Dienstag offen. "Wie üblich werden wir das schriftliche Urteil erst abwarten und dann prüfen", sagte Verteidiger Martin Mauntel. - dpa

Quelle: wa.de

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