Anschlag auf Sikh-Gebetshaus: Polizei räumt Fehler ein

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Nach dem Sprengstoffanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen hat die Polizei Gelsenkirchen Fehler eingeräumt.

Gelsenkirchen - Nach dem Sprengstoffanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen hat die Polizei Gelsenkirchen eingeräumt, einem Hinweis auf einen der Täter nicht entschlossen genug nachgegangen zu sein.

Auf die Information über ein von ihm auf einem Schulhof angeblich gezeigtes Video habe man nicht konsequent genug reagiert, berichtete die Polizei am Montag. Das Video soll im Januar 2016 die Detonation eines vermeintlichen "Polenböllers" gezeigt haben.

Über den 16-Jährigen aus Gelsenkirchen habe es bereits 2015 einen Austausch mit der Leitung seiner Schule gegeben, so die Polizei. Im Januar 2016 habe der Schulleiter dem Staatsschutz einen Hinweis darauf gegeben, dass der Schüler angeblich das Video gezeigt habe. Diese Information sei aufgenommen und bewertet worden. "Aus heutiger Sicht war unsere Reaktion nicht konsequent genug", hieß es in der Mitteilung der Polizei.

"Es wurden Verhaltensregeln mit der Schulleitung vereinbart, jedoch ohne polizeiinterne Maßnahmen in Absprache mit der Justiz gegen Yussuf T. einzuleiten." Diese Entscheidung sei zum damaligen Zeitpunkt vertretbar gewesen, "ist jedoch im Rückblick falsch gewesen". Die Vorgänge würden nun innerhalb des Polizeipräsidiums Gelsenkirchen aufgearbeitet. Welche Maßnahmen gemeint sind, wurde zunächst nicht bekannt.

Laut dem WDR-Magazin "Westpol" sollen die Behörden kurz vor Weihnachten 2015 das Kinderzimmer des Verdächtigen durchsucht haben. Dabei sollen sein PC und sein Handy beschlagnahmt worden sein. Mitschüler hätten später erzählt, dass sich auf einem weiteren Handy, das bei der Durchsuchung nicht gefunden worden war, Aufnahmen einer Explosion befunden hätten. Diese Information sei dann an die Polizei gegangen. Nach dem Bombenanschlag hätten die Behörden Videoaufnahmen einer "Probesprengung" bei einem anderen Tatverdächtigen entdeckt.

"Der Hinweis an die Gelsenkirchener Polizei ist dem Innenministerium erst jetzt bekannt geworden", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Der Sachverhalt müsse jetzt dort intern aufgearbeitet werden. "Über das Ergebnis werden wir uns berichten lassen."

Bei dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus Mitte April waren drei Menschen verletzt worden. Wenige Tage später hatte die Polizei zwei 16-Jährige mit Kontakten in die Islamistenszene festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Anfang Mai kam ein dritter, 17 Jahre alter Jugendlicher in Haft. - dpa

Quelle: wa.de

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