Alter SEK-Einsatz in Köln wird nun verhandelt

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Köln - Ein mehr als vier Jahre alter SEK-Einsatz beschäftigt das Kölner Landgericht. Die Polizisten hatten einen Kaufmann in seinem Auto stellen wollen - er soll auf sie gefeuert haben. Um die Schießerei ranken sich allerdings bis heute einige Rätsel.

Es sind Schüsse gefallen, viele Schüsse. So viel scheint klar zu sein. Bei anderen Fragen sind sich Ermittler und Verteidiger aber nicht einig in dem Fall, der von Montag an vor dem Landgericht Köln verhandelt wird. 

Mehr als vier Jahre liegt er bereits zurück. SEK-Beamte hatten - ausgestattet mit einem Durchsuchungsbeschluss - einen Kölner Kaufmann am Großmarkt in seinem Auto stellen wollen. Die Situation eskalierte, der heute 55-Jährige wurde schwer verletzt. Und es gab Diskussionen, wer wann wen bedroht und das Feuer eröffnet hatte. 

Die Staatsanwaltschaft hat nun den Kaufmann angeklagt. Ihm wird versuchter Totschlag, Bedrohung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Der 55-Jährige soll einer ehemaligen Angestellten einen Revolver an die Schläfe gehalten und auch seiner Frau gedroht haben, sie zu töten. 

Die Polizei sei dann von der Frau alarmiert worden - was zu dem SEK-Einsatz führte, der nun im Mittelpunkt des Verfahrens steht. 

Laut Anklage stieg der Kaufmann am 19. Juni 2011 vor seinem Firmengelände in sein Auto. Das SEK, das den Durchsuchungsbeschluss umsetzen sollte, sei zum Fahrzeug vorgerückt. Die Beamten hätten sich dabei auch als Polizei zu erkennen gegeben. 

Um einen von ihnen zu töten, habe der Angeklagte durch die Seitenscheibe auf ihn geschossen. Die Kugel habe den Polizisten verfehlt, das SEK das Feuer erwidert. Laut Anklage fuhr der 55-Jährige dann noch in dem Auto weg, wurde aber kurz darauf gestoppt. Er hatte schwere Schussverletzungen. 

Verteidiger Gottfried Reims spricht von mehr als 100 Kugeln, die innerhalb weniger Sekunden auf seinen Mandanten abgefeuert worden seien. Dass es sich so wie in der Anklageschrift beschrieben zugetragen hat, bestreitet er und verweist auf das Video einer Überwachungskamera. 

Der Anwalt spricht von einer "oberflächlichen Behandlung" des Falls durch die Ermittler. Im Verfahren will er die umstrittene Rolle des SEK nach vorne rücken. So, wie sich die Situation dargestellt habe, hätte man aus Sicht seines Mandanten an einen Überfall denken können. 

Mit der Frage, wer wann schoss, hat sich mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft Aachen beschäftigt. Die Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags gegen die SEK-Beamten seien aber eingestellt worden, sagt Sprecher Jost Schützeberg. Ergebnis: Der erste Schuss sei tatsächlich von den SEK-Beamten gekommen - zu diesem Zeitpunkt habe der Angeklagte aber bereits auf einen Polizisten gezielt und nur minimal später auch geschossen. Und das sei rechtswidrig gewesen. Das Gericht hat nun zunächst 14 Verhandlungstage angesetzt, um sich mit dem komplexen Fall auseinanderzusetzen - und die Schuldfrage zu klären.

dpa

Quelle: wa.de

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